Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel (Favismus)

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Synonyme
G6PD-Mangel, G6PDH-Mangel, Favismus, Bohnenkrankheit, Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Defekt
Fachgebiet
Innere Medizin · Hämatologie & Onkologie
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Definition
  2. Einteilung
  3. Vorkommen & Epidemiologie
  4. Ätiopathogenese
  5. Klinik
  6. Histologie
  7. Diagnostik
  8. Weiterlernen in der App
  9. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  10. Querverweise

Definition

Der Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel (G6PD-Mangel) ist ein X-chromosomal vererbter Enzymdefekt des Hexosemonophosphat-Wegs und die häufigste Stoffwechselstörung der Erythrozyten. Die Zellen sind gegenüber oxidativem Stress ungeschützt; nach Infekten oder Kontakt mit oxidierenden Substanzen kommt es zu akuten, meist selbstlimitierenden hämolytischen Episoden. Als Favismus wird die Hämolyse nach Verzehr von Fava- bzw. Ackerbohnen bezeichnet.

Einteilung

Das G6PD-Gen ist hochgradig polymorph; die Restaktivität reicht von normal bis schwer vermindert. Die frühere WHO-Einteilung unterschied nach der Enzymaktivität die Klassen I bis V. Seit 2022 gilt eine überarbeitete WHO-Einteilung: Klasse A (Restaktivität unter 20 %, chronische hämolytische Anämie), Klasse B (unter 45 %, Neugeborenenikterus und akute Hämolyse durch bestimmte Medikamente, Favabohnen oder Infektionen), Klasse C (über 60 %, keine Hämolyse) und Klasse U (unklare klinische Bedeutung); die früheren Klassen II und III bilden nun gemeinsam die Klasse B. Je geringer die Aktivität, desto ausgeprägter die Hämolyse; seltene Varianten verursachen eine chronische Hämolyse auch ohne Auslöser.

Vorkommen & Epidemiologie

Der Defekt ist besonders bei Menschen afrikanischer Herkunft verbreitet – in den USA bei über 10 % der afroamerikanischen Männer – und seltener bei Menschen aus dem Mittelmeerraum (z. B. italienischer, griechischer, persischer, arabischer oder sephardisch-jüdischer Herkunft) sowie aus Asien. Wegen des X-chromosomalen Erbgangs sind vor allem Männer klinisch betroffen; Frauen erkranken bei Homozygotie oder ungleicher X-Inaktivierung.

Ätiopathogenese

G6PD liefert im Hexosemonophosphat-Weg das NADPH, mit dem der Erythrozyt reduziertes Glutathion regeneriert und sich gegen Peroxide schützt. Bei Mangel oxidieren Hämoglobin und Membran; denaturiertes Hämoglobin fällt als Heinz-Innenkörper aus, und die geschädigten Zellen werden vorzeitig abgebaut.

Auslöser einer Hämolyse:

  • am häufigsten Fieber, akute virale oder bakterielle Infektionen, diabetische Ketoazidose
  • seltener oxidierend wirkende Medikamente, z. B. bestimmte Malariamittel, Sulfonamide, Nitrofurane, Salicylate, einige Vitamin-K-Derivate und Mittel zum Abbau von Harnsäure
  • Naphthalin (Mottenkugeln) und in manchen Fällen Favabohnen

Klinik

Außerhalb von Episoden sind die meisten Betroffenen beschwerdefrei. Die akute Hämolyse betrifft meist weniger als 25 % der Erythrozytenmasse und verursacht vorübergehend Ikterus und dunklen Urin, mitunter Rücken- oder Bauchschmerzen. Bei schwerem Enzymmangel kann eine ausgeprägte intravasale Hämolyse zu Hämoglobinurie und akuter Nierenschädigung führen. Bei Neugeborenen kann sich der Mangel als Neugeborenenikterus zeigen.

Histologie

Blutausstrich

Früh in der hämolytischen Episode finden sich Blister-Zellen (Hämoglobin an den Zellrand verdrängt, blasenartige Aufhellung) und Bite-Zellen (wie angebissen wirkende Erythrozyten); in Spezialfärbungen (Supravitalfärbung) zeigen sich Heinz-Innenkörper aus denaturiertem Hämoglobin. Bei intakter Milz verschwinden diese Zellen rasch aus dem Blut.

Diagnostik

  • Verdacht: akute Hämolyse, besonders bei Männern mit Coombs-negativer hämolytischer Anämie nach Infekt oder Exposition gegenüber einem Auslöser; auch bei Neugeborenenikterus oder unklarer Hämolyse
  • Hämolysezeichen: Anämie, Retikulozytose, indirektes Bilirubin und LDH erhöht, Haptoglobin erniedrigt, bei intravasaler Hämolyse Hämoglobinurie
  • Blutausstrich mit Bite- und Blister-Zellen, Heinz-Körper-Färbung
  • G6PD-Aktivitätsbestimmung: qualitative Schnelltests (auch patientennah) und quantitative Messung zur Bestätigung. Während und kurz nach einer Hämolyse kann der Test falsch normal ausfallen, weil die ältesten, enzymärmsten Zellen zerstört sind und die jungen Retikulozyten mehr G6PD enthalten; eine Wiederholung nach einigen Wochen ist dann aufschlussreich.
  • Untersuchung beschwerdefreier Familienangehöriger möglich

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel (Favismus) mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. MSD Manual Professional: Glucose-6-Phosphate Dehydrogenase (G6PD) Deficiency
  2. MSD Manual Professional: Overview of Hemolytic Anemia
  3. Bulletin of the World Health Organization (2024): New WHO classification of genetic variants causing G6PD deficiency

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.