Fieber unklarer Genese

Synonyme
FUO, FUG, unklares Fieber, Fieber unbekannter Ursache
Fachgebiet
Innere Medizin · Infektiologie
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Definition
  2. Einteilung
  3. Vorkommen & Epidemiologie
  4. Ätiopathogenese
  5. Klinik
  6. Diagnostik
  7. Weiterlernen in der App
  8. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  9. Querverweise

Definition

Fieber unklarer Genese (FUG), international fever of unknown origin (FUO), bezeichnet eine Körpertemperatur von mindestens 38,3 °C (rektal), die nicht auf eine vorübergehende, selbstlimitierende Erkrankung, eine rasch tödlich verlaufende Erkrankung oder eine Störung mit eindeutigen lokalisierenden Symptomen zurückgeht und bei der übliche Untersuchungen wie Röntgen-Thorax, Urinstatus und Blutkulturen keine Ursache zeigen.

Einteilung

  • Klassisches FUG: Fieber über mehr als 3 Wochen ohne gefundene Ursache nach 3 Tagen Abklärung im Krankenhaus oder nach mindestens 3 ambulanten Vorstellungen.
  • Nosokomiales FUG: Fieber bei Patientinnen und Patienten in akutmedizinischer Krankenhausversorgung ohne bei Aufnahme bestehende oder inkubierende Infektion, wenn die Ursache nach 3 Tagen Abklärung unklar bleibt.
  • FUG bei Immundefizienz: Fieber bei Neutropenie oder anderer Abwehrschwäche, wenn die Ursache nach 3 Tagen Abklärung einschließlich nach 48 Stunden negativer Kulturen unklar bleibt. Bei bekannter HIV-Infektion: Fieber über mehr als 4 Wochen ambulant bzw. über mehr als 3 Tage im Krankenhaus ohne geklärte Ursache.
  • Reiseassoziiertes FUG: Fieber nach Reisen; im Vordergrund steht das Erkennen lebensbedrohlicher oder übertragbarer reiseassoziierter Infektionen.

Vorkommen & Epidemiologie

Die Häufigkeit der Ursachengruppen schwankt je nach Alter, Region und Grunderkrankungen. Bei Erwachsenen entfallen etwa 25–50 % auf Infektionen, 10–20 % auf systemische rheumatische Erkrankungen, 2–25 % auf Neoplasien und 15–25 % auf sonstige Ursachen. Bei etwa 10 % der Erwachsenen bleibt die Ursache ungeklärt. Der Anteil der Tumorursachen nimmt ab, vermutlich weil Sonographie und CT heute früh in der Fieberabklärung eingesetzt werden.

Ätiopathogenese

  • Infektionen (häufigste Gruppe): Abszesse (abdominal, pelvin, dental), infektiöse Endokarditis, Tuberkulose (pulmonal und disseminiert), Osteomyelitis, Sinusitis, EBV- und CMV-Infektion, HIV-Infektion, Lyme-Borreliose, Katzenkratzkrankheit; seltener Brucellose, Malaria, Q-Fieber, Toxoplasmose, Trichinose, Typhus. Bei HIV-Infektion kommen opportunistische Infektionen hinzu (Tuberkulose, atypische Mykobakterien, disseminierte Pilzinfektionen, CMV).
  • Systemische rheumatische Erkrankungen: systemischer Lupus erythematodes, rheumatoide Arthritis, Riesenzellarteriitis, Polymyalgia rheumatica, Vaskulitiden (z. B. Polyarteriitis nodosa), adultes Still-Syndrom, reaktive Arthritis.
  • Neoplasien: Lymphome, Leukämien, Nierenzellkarzinom, Ovarialkarzinom, Vorhofmyxom, Morbus Castleman, hepatozelluläres Karzinom, Metastasen, myeloproliferative Neoplasien.
  • Sonstige Ursachen: medikamentös ausgelöstes Fieber, tiefe Venenthrombose und rezidivierende Lungenembolien, Thyreoiditis und Hyperthyreose, Sarkoidose, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, alkoholische Leberzirrhose, hereditäre Fiebersyndrome (z. B. familiäres Mittelmeerfieber), vorgetäuschtes Fieber.

Klinik

  • Leitsymptom: anhaltendes oder wiederkehrendes Fieber; das Fiebermuster hat meist wenig diagnostischen Wert. Fieber jeden zweiten oder dritten Tag kann bei entsprechendem Risiko auf Malaria hinweisen.
  • Begleitsymptome: unspezifisch wie Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Nachtschweiß und Kopfschmerzen; dazu je nach Ursache Myalgien, Arthralgien, Exantheme oder Bauchbeschwerden.
  • Hinweisgebende Befunde: Herzgeräusch, Osler-Knötchen, Janeway-Läsionen, Petechien und Splitterblutungen (Endokarditis); regionale Lymphknotenschwellung (z. B. Katzenkratzkrankheit) gegenüber generalisierter Lymphadenopathie (Lymphom); druckschmerzhafte Schläfenarterie (Riesenzellarteriitis); flüchtiges lachsfarbenes Exanthem (adultes Still-Syndrom); klopfschmerzhafte Zähne (apikaler Abszess).
  • Wichtige Befunde sind oft diskret und werden mitunter erst bei wiederholter Untersuchung erkennbar.

Diagnostik

Anamnese und Untersuchung

  • Anamnese: Dauer und Verlauf des Fiebers, Reisen, Beruf, Tier-, Insekten- und Zeckenkontakte, Ernährung, Medikamenteneinnahme, Drogenkonsum, sexuelle Risiken, Erkrankungen im Umfeld, Familienanamnese (hereditäre Fiebersyndrome), Vorerkrankungen und Fremdmaterialien (Gefäßzugänge, Herzschrittmacher, Gelenkprothesen).
  • Körperliche Untersuchung: vollständig und wiederholt, einschließlich Haut (auch Perineum und Füße), Lymphknoten, Schilddrüse, Wirbelsäule, Knochen und Gelenke, Abdomen, Herzauskultation, Zähne, rektale und gynäkologische Untersuchung.

Labor

  • Basislabor: Blutbild mit Differenzialblutbild, BSG, CRP, Procalcitonin, LDH, Ferritin, Leberwerte, Urinstatus mit Mikroskopie.
  • Mikrobiologie: wiederholte Blutkulturen; Kulturen von Material aus auffälligen Regionen (Bakterien, Mykobakterien, Pilze, Viren); erregerspezifische PCR und Serologie (Akut- und Rekonvaleszenztiter) gezielt nach klinischem Verdacht.
  • Weitere Tests: HIV-Test (Antikörper/Antigen, ggf. HIV-RNA), Tuberkulin-Hauttest oder Interferon-Gamma-Release-Assay, ANA und Rheumafaktor; bei Malariaverdacht Blutausstrich.

Bildgebung und Biopsie

  • Gezielte Bildgebung nach Beschwerden, z. B. kontrastverstärkte MRT der Wirbelsäule bei Rückenschmerzen, kontrastverstärkte CT des Abdomens bei Bauchschmerzen.
  • CT von Thorax, Abdomen und Becken auch ohne lokalisierende Befunde zur Suche nach Lymphknotenvergrößerungen und verborgenen Abszessen; MRT bei Verdacht auf eine Ursache im Zentralnervensystem.
  • Echokardiographie bei positiven Blutkulturen, Herzgeräusch oder peripheren Endokarditiszeichen; Duplexsonographie der Venen bei Verdacht auf Thrombose.
  • Nuklearmedizin: PET zeigt Areale hoher Stoffwechselaktivität bei Entzündung und Infektion; Szintigraphie mit markierten Granulozyten.
  • Biopsie aus auffälligem Gewebe (z. B. Leber, Knochenmark, Haut, Lymphknoten, Muskel) mit Histologie, Kultur und PCR; beidseitige Biopsie der Temporalarterie bei älteren Menschen mit unklar erhöhter BSG.

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Fieber unklarer Genese mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. MSD Manual Professional: Fever of Unknown Origin (FUO)

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.