Essentielle Thrombozythämie

Synonyme
essenzielle Thrombozythämie, primäre Thrombozythämie, zu viele Blutplättchen, Thrombozytose, myeloproliferative Neoplasie
Fachgebiet
Innere Medizin · Hämatologie & Onkologie
Bilder
Blutausstrich & Zytologie 1 · Klinik 1
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Bilder (2)
  2. Definition
  3. Vorkommen & Epidemiologie
  4. Ätiopathogenese
  5. Klinik
  6. Diagnostik
  7. Weiterlernen in der App
  8. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  9. Querverweise

Bilder (2)

Essentielle Thrombozythämie – Blutausstrich bei essentieller Thrombozythämie: massenhaft Thrombozyten (ca. 1,5–2 Mio./µl), teils große Formen, zwischen den ErythrozytenBlutausstrich & Zytologie
Blutausstrich bei essentieller Thrombozythämie: massenhaft Thrombozyten (ca. 1,5–2 Mio./µl), teils große Formen, zwischen den ErythrozytenBild: Ed Uthman from Houston, TX, USA (Wikimedia Commons) · CC BY 2.0 · Quelle
Essentielle Thrombozythämie – klinisches Foto: Erythromelalgie: kräftig gerötete Hand und Finger als mikrovaskuläres Symptom bei myeloproliferativer Neoplasie
Erythromelalgie: kräftig gerötete Hand und Finger als mikrovaskuläres Symptom bei myeloproliferativer NeoplasieBild: Minor (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 4.0 · Quelle
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Definition

Die essentielle Thrombozythämie (ET) ist eine myeloproliferative Neoplasie mit anhaltend erhöhter Thrombozytenzahl, Megakaryozytenhyperplasie im Knochenmark sowie Neigung zu Blutungen und mikrovaskulären Durchblutungsstörungen. Sie ist eine Ausschlussdiagnose nach Abgrenzung reaktiver Thrombozytosen und anderer myeloproliferativer Neoplasien.

Vorkommen & Epidemiologie

Die ET tritt meist nach dem 50. Lebensjahr auf; Frauen sind häufiger betroffen.

Ätiopathogenese

Es handelt sich um eine klonale Erkrankung der hämatopoetischen Stammzelle mit gesteigerter Thrombozytenbildung. Treibermutationen:

  • JAK2 V617F bei etwa 50 %
  • CALR-Mutationen (Exon 9, Typ 1 und Typ 2), meist mit höheren Thrombozytenzahlen
  • MPL-Mutationen (Thrombopoetin-Rezeptor) bei wenigen Betroffenen
  • Selten sind alle drei negativ (triple-negativ).

Bei extremer Thrombozytose adsorbieren und spalten die Thrombozyten große Von-Willebrand-Multimere; es entsteht ein erworbenes Von-Willebrand-Syndrom vom Typ 2.

Klinik

  • Mikrozirkulationsstörungen: Erythromelalgie (brennende Schmerzen, Wärme und Rötung von Händen und Füßen, teils mit Fingerischämie und Ulzera), Kopfschmerzen und okuläre Migräne, Parästhesien, transitorische ischämische Attacken
  • Thrombosen arteriell oder venös
  • Blutungen: meist leicht und selten spontan, z. B. Nasenbluten, Hämatome oder gastrointestinale Blutungen; schwere Blutungen vor allem bei extremer Thrombozytose um 1.000.000/µl
  • Die Milz kann tastbar sein; eine ausgeprägte Splenomegalie spricht eher für eine andere myeloproliferative Neoplasie.

Diagnostik

  • Thrombozytenzahl über 450.000/µl, teils über 1.000.000/µl; Hämatokrit, Leukozyten, MCV und Eisenstatus normal.
  • Blutausstrich: Riesenthrombozyten und Megakaryozytenfragmente.
  • Eisenstatus, da Eisenmangel eine reaktive Thrombozytose verursachen kann.
  • Molekulargenetik: quantitative JAK2-V617F-Bestimmung und BCR::ABL1-Analyse (Ausschluss einer CML); bei negativem Befund CALR und MPL. Die JAK2-Allellast liegt bei ET nicht über 50 %; höhere Werte sprechen für PV oder PMF.
  • Knochenmarkbiopsie in ausgewählten Fällen: vermehrte, vergrößerte, reife Megakaryozyten.
  • Abzugrenzen sind reaktive Thrombozytosen, CML, maskierte PV und myelodysplastische Neoplasien mit Thrombozytose (z. B. 5q-Syndrom). Bei etwa 25 % geht eine zunächst als ET erscheinende Erkrankung im Verlauf in eine manifeste PV über.

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Essentielle Thrombozythämie mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. MSD Manual Professional: Essential Thrombocythemia
  2. MSD Manual Professional: Overview of Myeloproliferative Neoplasms

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.