Dressler-Syndrom (Postmyokardinfarkt-Syndrom)

Prüfungsrelevanz: in 1 von 105 Prüfungsprotokollen · Rang 181
Synonyme
Postmyokardinfarkt-Syndrom, Postinfarktsyndrom, Post-Infarkt-Perikarditis, Post-Cardiac-Injury-Syndrom, Herzbeutelentzündung nach Herzinfarkt
Fachgebiet
Innere Medizin · Kardiologie
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Definition
  2. Vorkommen & Epidemiologie
  3. Ätiopathogenese
  4. Klinik
  5. Diagnostik
  6. Weiterlernen in der App
  7. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  8. Querverweise

Definition

Das Dressler-Syndrom (Postmyokardinfarkt-Syndrom) ist eine verzögert auftretende, autoimmun vermittelte Entzündung von Perikard und Pleura nach einem Myokardinfarkt. Zusammen mit dem Postperikardiotomie-Syndrom und der traumatischen Perikarditis bildet es die Gruppe der Post-Cardiac-Injury-Syndrome.

Davon abzugrenzen ist die frühe Infarktperikarditis, die kurz nach einem Infarkt direkt über der Nekrose entsteht.

Vorkommen & Epidemiologie

Das Dressler-Syndrom ist selten geworden. Seine Häufigkeit hat mit der frühen Wiedereröffnung verschlossener Koronararterien deutlich abgenommen; manche Autoren halten es in der heutigen Zeit für nahezu verschwunden. Die frühe Infarktperikarditis ist häufiger und betraf in einer Kohorte etwa 1–2 % der Infarktpatienten.

Ätiopathogenese

Ursache ist eine Autoimmunreaktion gegen Material aus nekrotischen Herzmuskelzellen. Die freigesetzten Antigene führen zu einer immunvermittelten Entzündung von Perikard, Pleura und teilweise Lunge.

Klinik

Das Syndrom beginnt Tage bis Wochen, gelegentlich erst Monate nach dem Infarkt, typischerweise später als eine Woche.

  • Fieber und allgemeines Krankheitsgefühl
  • Perikarditis mit Perikardreiben und Perikarderguss; der Schmerz verstärkt sich bei Atmung, Husten und Bewegung und bessert sich im Sitzen mit vorgebeugtem Oberkörper
  • Pleuritis mit Pleuraergüssen, Lungeninfiltrate, Gelenkschmerzen
  • Das Syndrom kann rezidivieren.

Diagnostik

  • Klinische Diagnose aus Beschwerdebild und zeitlichem Abstand zum Infarkt. Für die akute Perikarditis gilt klassisch: mindestens 2 von 4 Merkmalen (typischer Brustschmerz, Perikardreiben, EKG-Veränderungen, Perikarderguss).
  • Abgrenzung von einer Ausdehnung oder einem Rezidiv des Infarkts: beim Dressler-Syndrom steigt das kardiale Troponin nicht wesentlich an, die EKG-Veränderungen sind unspezifisch.
  • EKG der Perikarditis: diffuse PR-Senkung und/oder ST-Hebung ohne reziproke ST-Senkungen (außer aVR und V1) und ohne pathologische Q-Zacken.
  • Labor: erhöhte Entzündungswerte (CRP, Blutsenkung).
  • Bildgebung: Echokardiographie zum Nachweis eines Perikardergusses; Röntgen-Thorax mit Pleuraergüssen oder Infiltraten.

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Dressler-Syndrom (Postmyokardinfarkt-Syndrom) mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

Im Browser starten  InnereFuchs ansehen →

Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. MSD Manual Professional: Complications of Acute Coronary Syndromes
  2. MSD Manual Professional: Pericarditis
  3. StatPearls: Dressler Syndrome

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.