Chronische myeloische Leukämie (CML)

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Synonyme
chronische myeloische Leukämie, Philadelphia-Chromosom, BCR-ABL, Blutkrebs, chronische Granulozytenleukämie
Fachgebiet
Innere Medizin · Hämatologie & Onkologie
Bilder
Blutausstrich & Zytologie 3
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Bilder (3)
  2. Definition
  3. Einteilung
  4. Vorkommen & Epidemiologie
  5. Ätiopathogenese
  6. Klinik
  7. Diagnostik
  8. Weiterlernen in der App
  9. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  10. Querverweise

Bilder (3)

Chronische myeloische Leukämie (CML) – Blutausstrich bei CML: starke Leukozytose mit allen Reifungsstufen der Granulopoese (pathologische Linksverschiebung)Blutausstrich & Zytologie
Blutausstrich bei CML: starke Leukozytose mit allen Reifungsstufen der Granulopoese (pathologische Linksverschiebung)Bild: Paulo Henrique Orlandi Mourao (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 3.0 · Quelle
Chronische myeloische Leukämie (CML) – Blutausstrich bei CML: Myelozyten, Metamyelozyten, Stabkernige und Segmentkernige dicht nebeneinanderBlutausstrich & Zytologie
Blutausstrich bei CML: Myelozyten, Metamyelozyten, Stabkernige und Segmentkernige dicht nebeneinanderBild: J3D3 (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 4.0 · Quelle
Chronische myeloische Leukämie (CML) – Peripherer Blutausstrich bei CML (Übersicht): massiv vermehrte Leukozyten der granulozytären ReiheBlutausstrich & Zytologie
Peripherer Blutausstrich bei CML (Übersicht): massiv vermehrte Leukozyten der granulozytären ReiheBild: El*Falaf (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 4.0 · Quelle
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Definition

Die chronische myeloische Leukämie (CML) ist eine myeloproliferative Neoplasie der pluripotenten Stammzelle mit ausgeprägter Überproduktion reifer und unreifer Granulozyten. Sie ist durch die BCR::ABL1-Fusion definiert, die aus der Translokation t(9;22)(q34;q11) entsteht (Philadelphia-Chromosom).

Einteilung

Der natürliche Verlauf ist zwei- oder dreiphasig:

  • Chronische Phase: anfangs indolent; etwa 85 % werden in dieser Phase diagnostiziert.
  • Akzelerierte Phase (frühere Definition): zunehmende Anämie, Thrombozytopenie oder Thrombozytose, wachsende Milz, Basophilie, klonale Evolution und Blasten bis 19 %. Die WHO-Klassifikation 2022 führt diese Phase nicht mehr und betont stattdessen Hochrisikomerkmale der chronischen Phase; die ICC 2022 behält sie bei (u. a. 10–19 % Blasten oder ≥ 20 % Basophile im Blut).
  • Blastenphase: ≥ 20 % myeloische Blasten in Blut oder Knochenmark, extramedulläre Blastenproliferation oder vermehrte Lymphoblasten. Die Blasten sind myeloisch (etwa 60 %), lymphatisch (etwa 30 %) oder megakaryoblastisch (etwa 10 %).

Vorkommen & Epidemiologie

Das durchschnittliche Alter bei Diagnose liegt bei 66 Jahren. Das Lebenszeitrisiko beträgt in den USA etwa 0,2 %. Die CML macht dort etwa 14 % der neu diagnostizierten Leukämien aus.

Ätiopathogenese

Bei der Translokation t(9;22) wird das ABL1-Gen von Chromosom 9 an das BCR-Gen auf Chromosom 22 fusioniert. Das Fusionsprotein BCR::ABL1 ist eine dauerhaft aktive Tyrosinkinase. Sie steigert die Zellproliferation, vermindert die Haftung der Leukämiezellen am Knochenmarkstroma und schützt sie vor Apoptose. Der Klon umfasst alle myeloischen Reihen, dazu einige T- und B-Zellen; die Blutbildung erfolgt auch extramedullär in Milz und Leber. Ionisierende Strahlung ist ein bekannter Risikofaktor für Leukämien.

Klinik

  • Anfangs oft beschwerdefrei; häufig Zufallsbefund im Blutbild.
  • Unspezifische Symptome: Müdigkeit, Schwäche, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Nachtschweiß, Völlegefühl im linken Oberbauch.
  • Splenomegalie in 60–70 %, teils ausgeprägt.
  • Gichtarthritis durch erhöhten Zellumsatz.
  • Leukostase bei sehr hohen Zellzahlen: Tinnitus, Stupor.
  • Blässe, Blutungen, Fieber, deutliche Lymphknotenschwellung und Hautinfiltrate treten erst mit fortschreitender Erkrankung auf.

Diagnostik

  • Blutbild: Granulozytenzahl erhöht, bei Beschwerdefreien meist unter 50.000/µl, bei Symptomatischen 200.000 bis 1.000.000/µl; Linksverschiebung, Basophilie und Eosinophilie; Thrombozyten normal oder mäßig erhöht; Hämoglobin meist über 10 g/dl.
  • Blutausstrich: unreife Granulozyten aller Reifungsstufen.
  • Knochenmark: Karyotyp, Zellularität und Ausmaß einer Myelofibrose.
  • Nachweis des Philadelphia-Chromosoms bzw. der BCR::ABL1-Fusion mittels Zytogenetik, FISH oder RT-PCR sichert die Diagnose; klassisch zytogenetisch fehlt es bei etwa 5 %.
  • Fortgeschrittene Phase: Anämie, Thrombozytopenie, zusätzliche Chromosomenveränderungen (z. B. Trisomie 8, Isochromosom 17q).

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Chronische myeloische Leukämie (CML) mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

Im Browser starten  InnereFuchs ansehen →

Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. MSD Manual Professional: Chronic Myeloid Leukemia (CML)
  2. Khoury et al., Leukemia 2022: WHO-Klassifikation (5. Aufl.), myeloische Neoplasien (PMC-Volltext)
  3. MSD Manual Professional: Overview of Leukemia
  4. Arber et al., Blood 2022: International Consensus Classification (ICC) myeloischer Neoplasien und akuter Leukämien (PMC-Volltext)

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.