Chronische myeloische Leukämie (CML)
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- chronische myeloische Leukämie, Philadelphia-Chromosom, BCR-ABL, Blutkrebs, chronische Granulozytenleukämie
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Hämatologie & Onkologie
- Bilder
- Blutausstrich & Zytologie 3
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
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Blutausstrich & Zytologie
Blutausstrich & Zytologie
Blutausstrich & ZytologieDefinition
Die chronische myeloische Leukämie (CML) ist eine myeloproliferative Neoplasie der pluripotenten Stammzelle mit ausgeprägter Überproduktion reifer und unreifer Granulozyten. Sie ist durch die BCR::ABL1-Fusion definiert, die aus der Translokation t(9;22)(q34;q11) entsteht (Philadelphia-Chromosom).
Einteilung
Der natürliche Verlauf ist zwei- oder dreiphasig:
- Chronische Phase: anfangs indolent; etwa 85 % werden in dieser Phase diagnostiziert.
- Akzelerierte Phase (frühere Definition): zunehmende Anämie, Thrombozytopenie oder Thrombozytose, wachsende Milz, Basophilie, klonale Evolution und Blasten bis 19 %. Die WHO-Klassifikation 2022 führt diese Phase nicht mehr und betont stattdessen Hochrisikomerkmale der chronischen Phase; die ICC 2022 behält sie bei (u. a. 10–19 % Blasten oder ≥ 20 % Basophile im Blut).
- Blastenphase: ≥ 20 % myeloische Blasten in Blut oder Knochenmark, extramedulläre Blastenproliferation oder vermehrte Lymphoblasten. Die Blasten sind myeloisch (etwa 60 %), lymphatisch (etwa 30 %) oder megakaryoblastisch (etwa 10 %).
Vorkommen & Epidemiologie
Das durchschnittliche Alter bei Diagnose liegt bei 66 Jahren. Das Lebenszeitrisiko beträgt in den USA etwa 0,2 %. Die CML macht dort etwa 14 % der neu diagnostizierten Leukämien aus.
Ätiopathogenese
Bei der Translokation t(9;22) wird das ABL1-Gen von Chromosom 9 an das BCR-Gen auf Chromosom 22 fusioniert. Das Fusionsprotein BCR::ABL1 ist eine dauerhaft aktive Tyrosinkinase. Sie steigert die Zellproliferation, vermindert die Haftung der Leukämiezellen am Knochenmarkstroma und schützt sie vor Apoptose. Der Klon umfasst alle myeloischen Reihen, dazu einige T- und B-Zellen; die Blutbildung erfolgt auch extramedullär in Milz und Leber. Ionisierende Strahlung ist ein bekannter Risikofaktor für Leukämien.
Klinik
- Anfangs oft beschwerdefrei; häufig Zufallsbefund im Blutbild.
- Unspezifische Symptome: Müdigkeit, Schwäche, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Nachtschweiß, Völlegefühl im linken Oberbauch.
- Splenomegalie in 60–70 %, teils ausgeprägt.
- Gichtarthritis durch erhöhten Zellumsatz.
- Leukostase bei sehr hohen Zellzahlen: Tinnitus, Stupor.
- Blässe, Blutungen, Fieber, deutliche Lymphknotenschwellung und Hautinfiltrate treten erst mit fortschreitender Erkrankung auf.
Diagnostik
- Blutbild: Granulozytenzahl erhöht, bei Beschwerdefreien meist unter 50.000/µl, bei Symptomatischen 200.000 bis 1.000.000/µl; Linksverschiebung, Basophilie und Eosinophilie; Thrombozyten normal oder mäßig erhöht; Hämoglobin meist über 10 g/dl.
- Blutausstrich: unreife Granulozyten aller Reifungsstufen.
- Knochenmark: Karyotyp, Zellularität und Ausmaß einer Myelofibrose.
- Nachweis des Philadelphia-Chromosoms bzw. der BCR::ABL1-Fusion mittels Zytogenetik, FISH oder RT-PCR sichert die Diagnose; klassisch zytogenetisch fehlt es bei etwa 5 %.
- Fortgeschrittene Phase: Anämie, Thrombozytopenie, zusätzliche Chromosomenveränderungen (z. B. Trisomie 8, Isochromosom 17q).
Weiterlernen in der App
Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
- MSD Manual Professional: Chronic Myeloid Leukemia (CML)
- Khoury et al., Leukemia 2022: WHO-Klassifikation (5. Aufl.), myeloische Neoplasien (PMC-Volltext)
- MSD Manual Professional: Overview of Leukemia
- Arber et al., Blood 2022: International Consensus Classification (ICC) myeloischer Neoplasien und akuter Leukämien (PMC-Volltext)
Querverweise
Weitere Themen: Hämatologie & Onkologie
- Anämie (Einteilung und Abklärung)
- Hämolytische Anämien
- Akute myeloische Leukämie (AML)
- Eisenmangelanämie
- Non-Hodgkin-Lymphome
- Vitamin-B12-Mangel und perniziöse Anämie
- Multiples Myelom (Plasmozytom)
- Paraneoplastische Syndrome
- Autoimmunhämolytische Anämie (AIHA)
- Febrile Neutropenie
- Immunthrombozytopenie (ITP)
- Renale Anämie
Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.