Chronische lymphatische Leukämie (CLL)
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- chronische lymphatische Leukämie, B-CLL, kleinzelliges lymphozytisches Lymphom, SLL, Blutkrebs, Richter-Syndrom
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Hämatologie & Onkologie
- Bilder
- Blutausstrich & Zytologie 1 · CT 1 · Histologie 1 · Makropräparat 1
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
Bilder (4)
Blutausstrich & Zytologie
CT
Histologie
MakropräparatDefinition
Die chronische lymphatische Leukämie (CLL) ist eine Neoplasie reif erscheinender, monoklonaler B-Lymphozyten, die sich in Blut, Knochenmark, Lymphknoten und Milz anhäufen. CLL und das kleinzellige lymphozytische Lymphom (SLL) gelten als eine Erkrankung mit unterschiedlicher Verteilung. Vorstufe ist die monoklonale B-Zell-Lymphozytose (MBL).
Einteilung
Stadien nach Binet (beurteilte Regionen: zervikale, axilläre und inguinale Lymphknoten, Leber, Milz):
- Binet A: ≤ 2 befallene Regionen, Hämoglobin ≥ 10 g/dl, Thrombozyten ≥ 100.000/µl
- Binet B: 3–5 befallene Regionen, Hämoglobin und Thrombozyten wie bei A
- Binet C: Hämoglobin < 10 g/dl oder Thrombozyten < 100.000/µl, unabhängig von der Zahl befallener Regionen
Stadien nach Rai: 0 Lymphozytose; I zusätzlich Lymphknotenvergrößerung; II zusätzlich Hepato- oder Splenomegalie; III zusätzlich Anämie (Hämoglobin < 11 g/dl); IV zusätzlich Thrombozytopenie (< 100.000/µl).
MBL nach WHO 2022: klonale B-Zellen < 0,5 × 10⁹/l (Low-count-MBL) bzw. ≥ 0,5 × 10⁹/l bei insgesamt < 5 × 10⁹/l B-Zellen (CLL/SLL-Typ-MBL), jeweils ohne weitere CLL-Merkmale.
Vorkommen & Epidemiologie
Die CLL ist in der westlichen Welt die häufigste Leukämieform. In Deutschland entfällt laut RKI gut ein Drittel der neu diagnostizierten Leukämien auf die CLL. Das Durchschnittsalter bei Diagnose liegt bei etwa 70 Jahren; bei Kindern ist die Erkrankung extrem selten. In Japan und China ist sie selten, bei Menschen aschkenasisch-jüdischer Abstammung häufiger.
Ätiopathogenese
CD5-positive B-Zellen erwerben Mutationen, werden dauerhaft aktiviert und bilden zunächst eine MBL; weitere genetische Veränderungen führen zur CLL. Etwa 1–2 % der MBL gehen pro Jahr in eine CLL über. Eine erbliche Komponente ist für einen Teil der Fälle anzunehmen. Wiederkehrende genetische Veränderungen umfassen del(13q), del(11q), del(17p) und Trisomie 12 sowie TP53-Mutationen.
Klinik
- Anfangs oft beschwerdefrei; Diagnose häufig als Zufallsbefund einer Lymphozytose.
- Unspezifische Beschwerden: Müdigkeit, Schwäche, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Fieber, Nachtschweiß, frühes Sättigungsgefühl.
- Lymphknotenschwellung bei mehr als 50 %, lokalisiert (meist zervikal und supraklavikulär) oder generalisiert; Spleno- und Hepatomegalie seltener.
- Infektanfälligkeit durch Hypogammaglobulinämie, die sich bei bis zu zwei Dritteln entwickelt.
- Autoimmunphänomene: autoimmunhämolytische Anämie (direkter Antiglobulintest positiv) und Immunthrombozytopenie.
- Richter-Transformation in ein diffuses großzelliges B-Zell-Lymphom bei etwa 2–10 %.
Diagnostik
- Blutbild: absolute Lymphozytose über 5.000/µl lenkt den Verdacht auf eine CLL.
- Durchflusszytometrie des Blutes: belegt die Klonalität; typisch ist die Koexpression von CD5, CD19, CD20 und CD23 mit Leichtkettenrestriktion (kappa oder lambda).
- Knochenmarkpunktion ist für die Diagnose nicht erforderlich; falls durchgeführt, oft über 30 % Lymphozyten.
- Weitere Befunde: Hypogammaglobulinämie, erhöhte LDH, Harnsäure und Leberenzyme, selten Hyperkalzämie.
- Zytogenetik und Molekulargenetik aus dem Blut (z. B. FISH auf del(17p), TP53-Mutation, IGHV-Mutationsstatus) zur Risikoeinschätzung.
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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
Querverweise
Weitere Themen: Hämatologie & Onkologie
- Anämie (Einteilung und Abklärung)
- Hämolytische Anämien
- Akute myeloische Leukämie (AML)
- Eisenmangelanämie
- Non-Hodgkin-Lymphome
- Vitamin-B12-Mangel und perniziöse Anämie
- Multiples Myelom (Plasmozytom)
- Paraneoplastische Syndrome
- Autoimmunhämolytische Anämie (AIHA)
- Febrile Neutropenie
- Immunthrombozytopenie (ITP)
- Renale Anämie
Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.