Chronische lymphatische Leukämie (CLL)

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Synonyme
chronische lymphatische Leukämie, B-CLL, kleinzelliges lymphozytisches Lymphom, SLL, Blutkrebs, Richter-Syndrom
Fachgebiet
Innere Medizin · Hämatologie & Onkologie
Bilder
Blutausstrich & Zytologie 1 · CT 1 · Histologie 1 · Makropräparat 1
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Bilder (4)
  2. Definition
  3. Einteilung
  4. Vorkommen & Epidemiologie
  5. Ätiopathogenese
  6. Klinik
  7. Diagnostik
  8. Weiterlernen in der App
  9. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  10. Querverweise

Bilder (4)

Chronische lymphatische Leukämie (CLL) – Blutausstrich bei CLL: ausgeprägte Lymphozytose mit kleinen reifen Lymphozyten und zerquetschten Kernschatten (Gumprecht-Kernschatten)Blutausstrich & Zytologie
Blutausstrich bei CLL: ausgeprägte Lymphozytose mit kleinen reifen Lymphozyten und zerquetschten Kernschatten (Gumprecht-Kernschatten)Bild: Prof. Erhabor Osaro (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 4.0 · Quelle
Chronische lymphatische Leukämie (CLL) – CT (koronar) bei CLL: deutlich vergrößerte Milz (Pfeile) im linken OberbauchCT
CT (koronar) bei CLL: deutlich vergrößerte Milz (Pfeile) im linken OberbauchBild: Hellerhoff. Labeling by Mikael Häggström (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 3.0 · Quelle
Chronische lymphatische Leukämie (CLL) – Lymphknotenhistologie bei CLL/kleinzelligem lymphozytischem Lymphom: diffuse Infiltration durch kleine Lymphozyten mit helleren ProliferationszentrenHistologie
Lymphknotenhistologie bei CLL/kleinzelligem lymphozytischem Lymphom: diffuse Infiltration durch kleine Lymphozyten mit helleren ProliferationszentrenBild: Nephron (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 3.0 · Quelle
Chronische lymphatische Leukämie (CLL) – Makropräparat: Schnittfläche einer vergrößerten Milz bei CLL: zahlreiche weißliche Knötchen durch Lymphominfiltrate, am Hilus vergrößerte LymphknotenMakropräparat
Schnittfläche einer vergrößerten Milz bei CLL: zahlreiche weißliche Knötchen durch Lymphominfiltrate, am Hilus vergrößerte LymphknotenBild: Ed Uthman from Houston, TX, USA (Wikimedia Commons) · CC BY 2.0 · Quelle
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Definition

Die chronische lymphatische Leukämie (CLL) ist eine Neoplasie reif erscheinender, monoklonaler B-Lymphozyten, die sich in Blut, Knochenmark, Lymphknoten und Milz anhäufen. CLL und das kleinzellige lymphozytische Lymphom (SLL) gelten als eine Erkrankung mit unterschiedlicher Verteilung. Vorstufe ist die monoklonale B-Zell-Lymphozytose (MBL).

Einteilung

Stadien nach Binet (beurteilte Regionen: zervikale, axilläre und inguinale Lymphknoten, Leber, Milz):

  • Binet A: ≤ 2 befallene Regionen, Hämoglobin ≥ 10 g/dl, Thrombozyten ≥ 100.000/µl
  • Binet B: 3–5 befallene Regionen, Hämoglobin und Thrombozyten wie bei A
  • Binet C: Hämoglobin < 10 g/dl oder Thrombozyten < 100.000/µl, unabhängig von der Zahl befallener Regionen

Stadien nach Rai: 0 Lymphozytose; I zusätzlich Lymphknotenvergrößerung; II zusätzlich Hepato- oder Splenomegalie; III zusätzlich Anämie (Hämoglobin < 11 g/dl); IV zusätzlich Thrombozytopenie (< 100.000/µl).

MBL nach WHO 2022: klonale B-Zellen < 0,5 × 10⁹/l (Low-count-MBL) bzw. ≥ 0,5 × 10⁹/l bei insgesamt < 5 × 10⁹/l B-Zellen (CLL/SLL-Typ-MBL), jeweils ohne weitere CLL-Merkmale.

Vorkommen & Epidemiologie

Die CLL ist in der westlichen Welt die häufigste Leukämieform. In Deutschland entfällt laut RKI gut ein Drittel der neu diagnostizierten Leukämien auf die CLL. Das Durchschnittsalter bei Diagnose liegt bei etwa 70 Jahren; bei Kindern ist die Erkrankung extrem selten. In Japan und China ist sie selten, bei Menschen aschkenasisch-jüdischer Abstammung häufiger.

Ätiopathogenese

CD5-positive B-Zellen erwerben Mutationen, werden dauerhaft aktiviert und bilden zunächst eine MBL; weitere genetische Veränderungen führen zur CLL. Etwa 1–2 % der MBL gehen pro Jahr in eine CLL über. Eine erbliche Komponente ist für einen Teil der Fälle anzunehmen. Wiederkehrende genetische Veränderungen umfassen del(13q), del(11q), del(17p) und Trisomie 12 sowie TP53-Mutationen.

Klinik

  • Anfangs oft beschwerdefrei; Diagnose häufig als Zufallsbefund einer Lymphozytose.
  • Unspezifische Beschwerden: Müdigkeit, Schwäche, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Fieber, Nachtschweiß, frühes Sättigungsgefühl.
  • Lymphknotenschwellung bei mehr als 50 %, lokalisiert (meist zervikal und supraklavikulär) oder generalisiert; Spleno- und Hepatomegalie seltener.
  • Infektanfälligkeit durch Hypogammaglobulinämie, die sich bei bis zu zwei Dritteln entwickelt.
  • Autoimmunphänomene: autoimmunhämolytische Anämie (direkter Antiglobulintest positiv) und Immunthrombozytopenie.
  • Richter-Transformation in ein diffuses großzelliges B-Zell-Lymphom bei etwa 2–10 %.

Diagnostik

  • Blutbild: absolute Lymphozytose über 5.000/µl lenkt den Verdacht auf eine CLL.
  • Durchflusszytometrie des Blutes: belegt die Klonalität; typisch ist die Koexpression von CD5, CD19, CD20 und CD23 mit Leichtkettenrestriktion (kappa oder lambda).
  • Knochenmarkpunktion ist für die Diagnose nicht erforderlich; falls durchgeführt, oft über 30 % Lymphozyten.
  • Weitere Befunde: Hypogammaglobulinämie, erhöhte LDH, Harnsäure und Leberenzyme, selten Hyperkalzämie.
  • Zytogenetik und Molekulargenetik aus dem Blut (z. B. FISH auf del(17p), TP53-Mutation, IGHV-Mutationsstatus) zur Risikoeinschätzung.

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Chronische lymphatische Leukämie (CLL) mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. MSD Manual Professional: Chronic Lymphocytic Leukemia (CLL)
  2. Alaggio et al., Leukemia 2022: WHO-Klassifikation (5. Aufl.), lymphatische Neoplasien (PMC-Volltext)
  3. RKI, Zentrum für Krebsregisterdaten: Leukämien

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.