Cholangiokarzinom (Gallengangskarzinom)
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- Gallengangskrebs, Gallengangskarzinom, CCC, Klatskin-Tumor, intrahepatisches Cholangiokarzinom, perihiläres Cholangiokarzinom
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Gastroenterologie
- Bilder
- CT 1 · Histologie 1 · Makropräparat 1
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
Bilder (3)
CT
Histologie
MakropräparatDefinition
Das Cholangiokarzinom (CCA, Gallengangskarzinom) umfasst eine heterogene Gruppe bösartiger Tumoren, die im Gallengangsystem entstehen. Histologisch handelt es sich um Adenokarzinome oder muzinöse Karzinome mit tubulären und/oder papillären Strukturen und unterschiedlich ausgeprägtem fibrösem Stroma. Das CCA ist nach dem hepatozellulären Karzinom der zweithäufigste primäre Lebertumor; es macht etwa 15 % der primären Lebertumoren und 3 % der Tumoren des Verdauungstrakts aus.
Einteilung
Nach der Lage:
- intrahepatisch (iCCA): oberhalb der Gallengänge zweiter Ordnung, in der Leberperipherie
- perihilär (pCCA): im rechten und/oder linken Ductus hepaticus oder an deren Zusammenfluss (Klatskin-Tumor)
- distal (dCCA): im Ductus choledochus; die Grenze zwischen perihilär und distal bildet die Einmündung des Ductus cysticus
Perihiläre und distale Tumoren werden als extrahepatische CCA zusammengefasst; sie sind deutlich häufiger als intrahepatische Tumoren, wobei perihiläre Tumoren die größte Gruppe bilden.
Nach dem Wachstumsmuster: raumfordernd (Tumor im Leberparenchym), periduktal-infiltrierend (Ausbreitung in und entlang der Gangwand) und intraduktal wachsend (polypös oder papillär ins Ganglumen).
Staging: nach dem TNM-System des AJCC.
Vorkommen & Epidemiologie
Cholangiokarzinome sind selten (Inzidenz weltweit etwa 0,3–6 pro 100.000 Einwohner und Jahr), in Regionen mit Leberegeln wie Südkorea, China und Thailand aber deutlich häufiger; Inzidenz und Sterblichkeit sind in den letzten Jahrzehnten weltweit gestiegen. In Deutschland wurden 2023 etwa 4.670 bösartige Tumoren der Gallenblase und der Gallenwege außerhalb der Leber diagnostiziert, davon etwa 72 % in den Gallenwegen; das Erkrankungsrisiko steigt mit dem Alter kontinuierlich an.
Ätiopathogenese
Die genauen Auslöser sind nicht eindeutig geklärt; Hauptrisikofaktor ist das Alter. Gesicherte bzw. mögliche Risikofaktoren:
- primär sklerosierende Cholangitis und andere chronisch-entzündliche Gallengangserkrankungen
- Leberegel (vor allem in Asien)
- Choledochuszysten, angeborene Gallenwegsanomalien (Caroli-Syndrom), Gallengangssteine in der Leber
- Leberzirrhose, Virushepatitis B und C, alkoholbedingte Lebererkrankung
- starkes Übergewicht, Diabetes mellitus, Rauchen
- chronisch-entzündliche Darmerkrankung
Molekular finden sich zahlreiche Veränderungen, u. a. in TP53, KRAS, BAP1 und ARID1A sowie IDH1/IDH2-Mutationen und FGFR2-Fusionen beim intrahepatischen CCA.
Klinik
Cholangiokarzinome verursachen im Frühstadium meist keine Beschwerden und werden daher oft spät erkannt.
- perihiläres und distales CCA: häufigstes Symptom ist der Ikterus durch Gallengangsverschluss; die meisten Patienten haben einen schmerzlosen Verschlussikterus mit Juckreiz, dazu entfärbten Stuhl; frühe perihiläre Tumoren verursachen mitunter nur unbestimmte Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust
- intrahepatisches CCA: Ikterus seltener und meist erst bei fortgeschrittener Erkrankung; in etwa 20–25 % Zufallsbefund
- weitere Zeichen: Müdigkeit, tastbare Raumforderung, Lebervergrößerung, tastbare Gallenblase beim distalen CCA (Courvoisier-Zeichen)
- Schmerzen ähnlich einer Gallenkolik oder dauerhaft zunehmend; selten Sepsis durch akute Cholangitis
Diagnostik
- Verdacht bei ungeklärtem extrahepatischem Gallengangsverschluss, besonders bei primär sklerosierender Cholangitis oder Colitis ulcerosa
- Labor: die Werte spiegeln das Ausmaß der Cholestase wider; CEA und CA 19-9 als Tumormarker
- Sonographie (ggf. endosonographisch) als erste Bildgebung, danach MRCP oder CT-Cholangiographie
- CT: Standardverfahren zur Beurteilung von Primärtumor, Nachbarstrukturen und Ausbreitung in Thorax und Abdomen; MRT ähnlich genau, mit Diffusionswichtung und MRCP, besonders wichtig beim perihilären CCA. Das intrahepatische CCA zeigt typischerweise ein arterielles Randenhancement mit fortschreitender Kontrastmittelaufnahme bis in die Spätphase
- Gewebediagnose: Ein spezifisches radiologisches Muster gibt es nicht; Gewebe wird gewonnen durch Bürstenzytologie bei endoskopischer Gangdarstellung, ultraschall- oder CT-gesteuerte Biopsie bzw. Feinnadelpunktion
Cholangiokarzinom bei PSC
- Bei primär sklerosierender Cholangitis ist das CCA-Risiko stark erhöht (in einer schwedischen Kohorte etwa 161-fach); das kumulative 10-Jahres-Risiko liegt bei etwa 8 %
- Abklärung einer dominanten Stenose: MRT mit MRCP sowie endoskopische Gangdarstellung mit Bürstenzytologie oder Zangenbiopsie; eine FISH-Analyse kann die Aussagekraft der Bürstenzytologie erhöhen
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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
Querverweise
Weitere Themen: Gastroenterologie
Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.