Boerhaave- und Mallory-Weiss-Syndrom
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- Speiseröhrenriss, Ösophagusruptur, spontane Ösophagusperforation, Mallory-Weiss-Läsion, Mallory-Weiss-Riss, Boerhaave-Syndrom, Mallory-Weiss-Syndrom
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Gastroenterologie
- Bilder
- CT 2 · Röntgen 1
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
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CT
CT
RöntgenDefinition
Beide Krankheitsbilder hängen mit einem plötzlichen Druckanstieg in der Speiseröhre (Barotrauma) zusammen, unterscheiden sich aber in der Tiefe der Verletzung:
- Mallory-Weiss-Syndrom: nicht penetrierender Schleimhauteinriss im distalen Ösophagus und proximalen Magen, verursacht durch Erbrechen, Würgen oder Schluckauf.
- Boerhaave-Syndrom: spontane, transmurale Ruptur der Speiseröhre, typischerweise im Zusammenhang mit Erbrechen oder Würgen. Davon abzugrenzen ist die iatrogene Ösophagusperforation, z. B. bei Endoskopien.
Vorkommen & Epidemiologie
- Mallory-Weiss-Syndrom: Ursache von etwa 10 % der oberen gastrointestinalen Blutungen und damit nach Varizen- und Ulkusblutung eine der häufigsten Ursachen. Ursprünglich bei Menschen mit Alkoholkrankheit beschrieben, kann es bei jedem kräftigen Erbrechen auftreten.
- Ösophagusperforation: In einer landesweiten Studie aus Island lag die jährliche Inzidenz bei 3,1 pro 1 Million Einwohner. Nach einer systematischen Übersicht sind Perforationen am häufigsten iatrogen (46,5 %), seltener spontan (38 %) oder durch Fremdkörper bedingt (6 %); mehr als 70 % liegen im thorakalen Abschnitt.
- Geschlecht und Alkohol: Beide Syndrome sind häufiger bei Männern mit übermäßigem Alkoholkonsum.
Ätiopathogenese
- Mallory-Weiss-Syndrom: Erbrechen, Würgen oder Schluckauf; der Riss beginnt typischerweise knapp oberhalb der Plattenepithel-Zylinderepithel-Grenze und reicht nach proximal.
- Boerhaave-Syndrom: spontane Ruptur bei Erbrechen, Würgen oder beim Verschlucken eines großen Speisebolus; besonders gefährdet sind Menschen mit nicht kontrollierter eosinophiler Ösophagitis und akuter Bolusimpaktion.
- Folgen der Ruptur: Säure und Mageninhalt verursachen eine fulminante Mediastinitis und Schock; ein Pneumomediastinum ist häufig, auch ein Pleuraerguss kann auftreten.
- Lokalisation: am häufigsten im distalen Ösophagus auf der linken Seite.
Klinik
Mallory-Weiss-Syndrom:
- typischerweise Hämatemesis nach einer oder mehreren Episoden nicht blutigen Erbrechens
- gelegentlich Schmerzen im unteren Thorax
Boerhaave-Syndrom:
- akute epigastrische und retrosternale Schmerzen, auch Bauchschmerzen, nach heftigem Erbrechen
- Atemnot, Fieber, Erbrechen, Schock
- tastbares Hautemphysem bei einem Teil der Betroffenen
- Hamman-Zeichen: herzsynchrones Knistern über dem Mediastinum
Diagnostik
Mallory-Weiss-Syndrom:
- Klinik: typische Anamnese mit Hämatemesis nach nicht blutigem Erbrechen.
- Obere Endoskopie: bei unklarer Anamnese oder anhaltender Blutung; zeigt einen schmalen, linearen Einriss am ösophagogastralen Übergang.
- Labor: im Rahmen der Abklärung einer gastrointestinalen Blutung.
Boerhaave-Syndrom:
- CT mit wasserlöslichem oralem Kontrastmittel (CT-Ösophagographie): bevorzugte Untersuchung wegen Sensitivität, Schnelligkeit und Sicherheit.
- Ösophagogramm mit wasserlöslichem Kontrastmittel: Alternative; Barium wird wegen möglicher Reizung des Mediastinums vermieden.
- Röntgen von Thorax und Abdomen: mediastinale Luft, Pleuraerguss oder Mediastinalverbreiterung; das V-Zeichen nach Naclerio (Luft entlang des linken unteren Mediastinalrands) zeigt ein Pneumomediastinum an.
- Endoskopie: nur in unklaren Fällen; kann kleine Perforationen übersehen und sie vergrößern.
- Labor: Blutbild (Blutverlust, Sepsis), Entzündungsmarker, Leber- und Nierenwerte bei Verdacht auf Sepsis.
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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
Querverweise
Weitere Themen: Gastroenterologie
Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.