Boerhaave- und Mallory-Weiss-Syndrom

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Synonyme
Speiseröhrenriss, Ösophagusruptur, spontane Ösophagusperforation, Mallory-Weiss-Läsion, Mallory-Weiss-Riss, Boerhaave-Syndrom, Mallory-Weiss-Syndrom
Fachgebiet
Innere Medizin · Gastroenterologie
Bilder
CT 2 · Röntgen 1
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Bilder (3)
  2. Definition
  3. Vorkommen & Epidemiologie
  4. Ätiopathogenese
  5. Klinik
  6. Diagnostik
  7. Weiterlernen in der App
  8. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  9. Querverweise

Bilder (3)

Boerhaave- und Mallory-Weiss-Syndrom – CT Thorax axial: freie Luft im Mediastinum um Luftröhre und Speiseröhre (Pneumomediastinum)CT
CT Thorax axial: freie Luft im Mediastinum um Luftröhre und Speiseröhre (Pneumomediastinum)Bild: Jto410 (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 3.0 · Quelle
Boerhaave- und Mallory-Weiss-Syndrom – CT sagittal: Wanddefekt der distalen Speiseröhre mit paraösophagealen LuftbläschenCT
CT sagittal: Wanddefekt der distalen Speiseröhre mit paraösophagealen LuftbläschenBild: Jto410 (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 3.0 · Quelle
Boerhaave- und Mallory-Weiss-Syndrom – Thoraxröntgen: Luftsaum im Mediastinum entlang Aortenbogen und linker A. carotis (Pneumomediastinum)Röntgen
Thoraxröntgen: Luftsaum im Mediastinum entlang Aortenbogen und linker A. carotis (Pneumomediastinum)Bild: Jto410 (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 3.0 · Quelle
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Definition

Beide Krankheitsbilder hängen mit einem plötzlichen Druckanstieg in der Speiseröhre (Barotrauma) zusammen, unterscheiden sich aber in der Tiefe der Verletzung:

  • Mallory-Weiss-Syndrom: nicht penetrierender Schleimhauteinriss im distalen Ösophagus und proximalen Magen, verursacht durch Erbrechen, Würgen oder Schluckauf.
  • Boerhaave-Syndrom: spontane, transmurale Ruptur der Speiseröhre, typischerweise im Zusammenhang mit Erbrechen oder Würgen. Davon abzugrenzen ist die iatrogene Ösophagusperforation, z. B. bei Endoskopien.

Vorkommen & Epidemiologie

  • Mallory-Weiss-Syndrom: Ursache von etwa 10 % der oberen gastrointestinalen Blutungen und damit nach Varizen- und Ulkusblutung eine der häufigsten Ursachen. Ursprünglich bei Menschen mit Alkoholkrankheit beschrieben, kann es bei jedem kräftigen Erbrechen auftreten.
  • Ösophagusperforation: In einer landesweiten Studie aus Island lag die jährliche Inzidenz bei 3,1 pro 1 Million Einwohner. Nach einer systematischen Übersicht sind Perforationen am häufigsten iatrogen (46,5 %), seltener spontan (38 %) oder durch Fremdkörper bedingt (6 %); mehr als 70 % liegen im thorakalen Abschnitt.
  • Geschlecht und Alkohol: Beide Syndrome sind häufiger bei Männern mit übermäßigem Alkoholkonsum.

Ätiopathogenese

  • Mallory-Weiss-Syndrom: Erbrechen, Würgen oder Schluckauf; der Riss beginnt typischerweise knapp oberhalb der Plattenepithel-Zylinderepithel-Grenze und reicht nach proximal.
  • Boerhaave-Syndrom: spontane Ruptur bei Erbrechen, Würgen oder beim Verschlucken eines großen Speisebolus; besonders gefährdet sind Menschen mit nicht kontrollierter eosinophiler Ösophagitis und akuter Bolusimpaktion.
  • Folgen der Ruptur: Säure und Mageninhalt verursachen eine fulminante Mediastinitis und Schock; ein Pneumomediastinum ist häufig, auch ein Pleuraerguss kann auftreten.
  • Lokalisation: am häufigsten im distalen Ösophagus auf der linken Seite.

Klinik

Mallory-Weiss-Syndrom:

  • typischerweise Hämatemesis nach einer oder mehreren Episoden nicht blutigen Erbrechens
  • gelegentlich Schmerzen im unteren Thorax

Boerhaave-Syndrom:

  • akute epigastrische und retrosternale Schmerzen, auch Bauchschmerzen, nach heftigem Erbrechen
  • Atemnot, Fieber, Erbrechen, Schock
  • tastbares Hautemphysem bei einem Teil der Betroffenen
  • Hamman-Zeichen: herzsynchrones Knistern über dem Mediastinum

Diagnostik

Mallory-Weiss-Syndrom:

  • Klinik: typische Anamnese mit Hämatemesis nach nicht blutigem Erbrechen.
  • Obere Endoskopie: bei unklarer Anamnese oder anhaltender Blutung; zeigt einen schmalen, linearen Einriss am ösophagogastralen Übergang.
  • Labor: im Rahmen der Abklärung einer gastrointestinalen Blutung.

Boerhaave-Syndrom:

  • CT mit wasserlöslichem oralem Kontrastmittel (CT-Ösophagographie): bevorzugte Untersuchung wegen Sensitivität, Schnelligkeit und Sicherheit.
  • Ösophagogramm mit wasserlöslichem Kontrastmittel: Alternative; Barium wird wegen möglicher Reizung des Mediastinums vermieden.
  • Röntgen von Thorax und Abdomen: mediastinale Luft, Pleuraerguss oder Mediastinalverbreiterung; das V-Zeichen nach Naclerio (Luft entlang des linken unteren Mediastinalrands) zeigt ein Pneumomediastinum an.
  • Endoskopie: nur in unklaren Fällen; kann kleine Perforationen übersehen und sie vergrößern.
  • Labor: Blutbild (Blutverlust, Sepsis), Entzündungsmarker, Leber- und Nierenwerte bei Verdacht auf Sepsis.

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Boerhaave- und Mallory-Weiss-Syndrom mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. MSD Manual Professional: Mallory-Weiss Syndrome
  2. MSD Manual Professional: Esophageal Rupture
  3. PMC-Volltext: Boerhaave syndrome (CMAJ 2021)
  4. StatPearls: Boerhaave Syndrome
  5. StatPearls: Mallory-Weiss Syndrome

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.