Aortenklappeninsuffizienz
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- Aorteninsuffizienz, AI, undichte Aortenklappe, Aortenklappenregurgitation
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Kardiologie
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
Definition
Die Aortenklappeninsuffizienz (AI), auch Aorteninsuffizienz, ist ein unvollständiger Schluss der Aortenklappe mit diastolischem Rückfluss von Blut aus der Aorta in den linken Ventrikel. Ursache ist eine Erkrankung der Klappe, eine Erweiterung der Aortenwurzel oder beides.
Einteilung
- Akute AI (selten): Hauptursachen sind die Dissektion der Aorta ascendens und die infektiöse Endokarditis.
- Chronische AI: langsame Entwicklung mit Anpassung des Ventrikels.
- Hochgradige chronische AI (Echokardiographie), angezeigt durch eines der folgenden Kriterien: Breite des Farbdoppler-Jets mindestens 65 % des linksventrikulären Ausflusstrakts, holodiastolische Flussumkehr in der Aorta abdominalis, Regurgitationsvolumen mindestens 60 ml pro Schlag, Regurgitationsfraktion mindestens 50 %, Vena contracta über 6 mm.
Ätiopathogenese
- Chronische AI beim Erwachsenen: Degeneration von Klappe und Aortenwurzel (mit oder ohne bikuspide Klappe), infektiöse Endokarditis, myxomatöse Degeneration (z. B. bei Marfan- oder Ehlers-Danlos-Syndrom), rheumatisches Fieber, Aneurysma der Aorta thoracica, Trauma.
- Seltene Ursachen: seronegative Spondyloarthritiden (z. B. ankylosierende Spondylitis, Psoriasisarthritis), rheumatoide Arthritis, systemischer Lupus erythematodes, syphilitische Aortitis, Takayasu- und Riesenzellarteriitis, Ruptur eines Sinus-Valsalva-Aneurysmas.
- Bei Kindern: Ventrikelseptumdefekt mit Prolaps der Aortenklappe, bikuspide Klappe.
- Pathophysiologie: Der linke Ventrikel erhält in der Diastole zusätzlich das Rückflussvolumen. Bei chronischer AI entstehen allmählich Hypertrophie und Dilatation, sodass Druck und Auswurfleistung lange normal bleiben, bis eine Dekompensation eintritt. Bei akuter AI kann sich der Ventrikel nicht erweitern; der Druck steigt rasch an.
Klinik
- Chronische AI: über Jahre beschwerdefrei; dann schleichend zunehmende Belastungsdyspnoe, Orthopnoe, paroxysmale nächtliche Dyspnoe und Palpitationen. Brustschmerz ist ohne begleitende koronare Herzkrankheit selten und tritt dann bevorzugt nachts auf.
- Akute AI: Zeichen der Herzinsuffizienz bis zum kardiogenen Schock mit Tachykardie, kühlen Extremitäten, pulmonalen Rasselgeräuschen und niedrigem Blutdruck.
- Auskultation: hochfrequentes, gießendes diastolisches Decrescendo-Geräusch kurz nach dem zweiten Herzton, am lautesten im 3. oder 4. Interkostalraum links parasternal oder an der Herzspitze, am besten hörbar im Sitzen nach vorn gebeugt in endexspiratorischem Atemstillstand; bei akuter AI oft leise oder fehlend. Austin-Flint-Geräusch: mittel- bis spätdiastolisches Rumpeln an der Herzspitze.
- Herzspitzenstoß: mit der Zeit verbreitert, verstärkt und nach links unten verlagert.
- Periphere Zeichen der weiten Blutdruckamplitude: Wasserhammerpuls (Pulsus celer et altus), sichtbarer Kapillarpuls der Nagelbetten (Quincke-Zeichen), pulssynchrones Kopfnicken (Musset-Zeichen), Pistolenschussgeräusch über der Femoralarterie (Traube-Zeichen), Duroziez-Zeichen.
Diagnostik
- Doppler-Echokardiographie: Methode zum Nachweis und zur Quantifizierung des Rückflusses; zweidimensional Größe und Anatomie der Aortenwurzel sowie LV-Funktion; zwei- und dreidimensionale Beurteilung der Taschenmorphologie.
- TEE und 3D-Echokardiographie: genauere Darstellung von Aortenerweiterung und Klappenanatomie.
- EKG-getriggerte CT oder MRT: Beurteilung der gesamten Aorta thoracica bei erweiterter Aorta; MRT auch zur Bestimmung von LV-Funktion und Schweregrad, wenn die Echobilder nicht ausreichen.
- EKG: Repolarisationsstörungen mit oder ohne Hypertrophiezeichen, linksatriale Vergrößerung, T-Negativierungen mit ST-Senkung präkordial.
- Röntgen-Thorax: Kardiomegalie, prominente Aortenwurzel; bei hochgradiger AI Lungenödem und Herzinsuffizienzzeichen.
- Belastungstest: Einschätzung von Belastbarkeit und Symptomen bei unklaren Beschwerden.
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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
Querverweise
Weitere Themen: Kardiologie
- Akutes Koronarsyndrom (Herzinfarkt, STEMI/NSTEMI)
- Herzinsuffizienz
- Vorhofflimmern
- Arterielle Hypertonie (Bluthochdruck)
- AV-Block
- Sekundäre Hypertonie
- Hypercholesterinämie und familiäre Hypercholesterinämie
- Infektiöse Endokarditis
- Long-QT-Syndrom und Torsade de pointes
- Myokarditis
- Schenkelblöcke (Links- und Rechtsschenkelblock)
- Ventrikuläre Tachykardie
Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.