Akute Perikarditis

Prüfungsrelevanz: in 2 von 105 Prüfungsprotokollen · Rang 142
Synonyme
Herzbeutelentzündung, Perikarditis, Myoperikarditis, Pericarditis acuta
Fachgebiet
Innere Medizin · Kardiologie
Bilder
EKG 2
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Bilder (2)
  2. Definition
  3. Einteilung
  4. Ätiopathogenese
  5. Klinik
  6. Diagnostik
  7. Weiterlernen in der App
  8. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  9. Querverweise

Bilder (2)

Akute Perikarditis (Herzbeutelentzündung) – 12-Kanal-EKG bei akuter Perikarditis (beschriftet): konkave ST-Hebungen, PR-Senkung inferior, PR-Hebung in aVR, Spodick-ZeichenEKG
12-Kanal-EKG bei akuter Perikarditis (beschriftet): konkave ST-Hebungen, PR-Senkung inferior, PR-Hebung in aVR, Spodick-ZeichenBild: Dr ihab suliman (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 4.0 · Quelle · bearbeitet (verkleinert, zugeschnitten)
Akute Perikarditis (Herzbeutelentzündung) – 12-Kanal-EKG: diffuse, nach oben konkave ST-Hebungen in mehreren Ableitungen mit PR-Senkung; in aVR spiegelbildlichEKG
12-Kanal-EKG: diffuse, nach oben konkave ST-Hebungen in mehreren Ableitungen mit PR-Senkung; in aVR spiegelbildlichBild: James Heilman, MD (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 4.0 · Quelle
1 / 2

Definition

Die akute Perikarditis ist eine rasch entstehende Entzündung des Herzbeutels, häufig mit Perikarderguss. Greift die Entzündung auf das angrenzende Myokard über, spricht man von Myoperikarditis.

Einteilung

Verlaufsformen

  • Akut: Symptome bis 4 Wochen.
  • Subakut: Symptome über 4 Wochen bis 3 Monate.
  • Chronisch: Dauer über 3 Monate.
  • Inzessant: Beschwerden halten länger als 4–6 Wochen ohne beschwerdefreies Intervall an.
  • Rezidivierend: erneute Episode nach einem beschwerdefreien Intervall von 4–6 Wochen.

EKG-Stadien

  • Stadium I — ST-Muster: konkave ST-Hebung diffus + PQ-Senkung.
  • Stadium II: ST-Normalisierung + T-Abflachung.
  • Stadium III: T-Negativierung.
  • Stadium IV: Normalisierung.

Ätiopathogenese

  • Infektiös: in Nordamerika und Westeuropa meist viral oder idiopathisch (vermutlich viral), z. B. Coxsackie-B-, Echo-, Influenzaviren, SARS-CoV-2, HIV; in Endemiegebieten ist die Tuberkulose die häufigste Ursache; eitrige bakterielle Perikarditis selten, z. B. nach Endokarditis, Pneumonie, Sepsis oder penetrierendem Trauma.
  • Nach Myokardinfarkt: frühe Postinfarkt-Perikarditis (in einer Kohorte bei 1–2 % der Infarktpatienten) und das heute sehr seltene Postinfarkt-Syndrom (Dressler-Syndrom).
  • Postkardiale Schädigung: Postperikardiotomie-Syndrom nach 5–30 % der Perikardiotomien; traumatische und iatrogene Perikarditis, z. B. nach Katheterprozeduren oder Schrittmacheranlage.
  • Systemerkrankungen: rheumatoide Arthritis, systemischer Lupus erythematodes, systemische Sklerose, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Sarkoidose, Amyloidose, rheumatisches Fieber.
  • Weitere: Tumoren (z. B. Mamma- und Lungenkarzinom, Leukämie), Urämie, Hypothyreose, radiogen, bestimmte Medikamente, angeborene Perikardanomalien.

Klinik

  • Leitbefunde: pleuritischer Brustschmerz, Fieber und Perikardreiben, eventuell Dyspnoe.
  • Schmerz: dumpf oder scharf, präkordial oder retrosternal, Ausstrahlung in Hals und Trapeziusrand (besonders links); verstärkt durch Thoraxbewegung, Husten, Atmung oder Schlucken, gebessert im Sitzen mit vorgebeugtem Oberkörper.
  • Perikardreiben: dreiphasig oder systolisch-diastolisch, oft nur zeitweise hörbar.
  • Begleitend: Tachypnoe, trockener Husten, Fieber, Schüttelfrost, Schwäche.
  • Verlauf: bei 15–30 % der idiopathischen Perikarditiden treten Rezidive auf; selten ist eine Tamponade die erste Manifestation.

Diagnostik

Diagnosekriterien

Klassisch gilt die Diagnose bei mindestens 2 von 4 Merkmalen: typischer Brustschmerz, Perikardreiben, EKG-Veränderungen, Perikarderguss. Neuere Kriterien gehen von einer typischen Klinik aus und werten zusätzliche Befunde:

  • Perikardreiben
  • diffuse PQ-Senkung und/oder ST-Hebung im EKG
  • erhöhtes CRP oder erhöhte BSG
  • neuer oder zunehmender Perikarderguss in der Bildgebung
  • Perikardödem oder Late-Gadolinium-Enhancement im Kardio-MRT

Gesichert bei typischer Klinik und mindestens 2 Zusatzbefunden, möglich bei 1 Zusatzbefund, unwahrscheinlich ohne Zusatzbefund.

Untersuchungen

  • EKG: Veränderungen von ST-Strecke, PQ-Strecke und T-Welle in den meisten Ableitungen; anders als beim Infarkt keine spiegelbildlichen ST-Senkungen (außer in aVR und V1) und keine pathologischen Q-Zacken.
  • Echokardiographie: meist Erguss (bei rein fibrinöser Perikarditis oft normal); neue Wandbewegungsstörungen oder abnormer Strain sprechen für eine Myokardbeteiligung.
  • Kardio-MRT: Nachweis und Ausmaß der Perikardentzündung; Ausdehnung auf das Myokard bei bis zu 15–24 % der Fälle.
  • Labor: Leukozytose, CRP und BSG; Troponin ist durch die epikardiale Entzündung oft erhöht, sehr hohe Werte sprechen für eine Myoperikarditis.
  • Ursachensuche: Röntgen-Thorax oder CT, Blutbild, Autoimmundiagnostik, gegebenenfalls HIV-Test; bei Tuberkuloseverdacht Interferon-Gamma-Test, wobei nur die Kultur aus dem Perikarderguss die Diagnose sichert oder ausschließt; Zytologie und Kultur des Ergusses bzw. Perikardbiopsie bei unklarer Ursache.

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Akute Perikarditis mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

In der App: Karteikarten zu diesem Thema: 1

Im Browser starten  InnereFuchs ansehen →

Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. MSD Manual Professional: Pericarditis
  2. StatPearls: Pericarditis

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.