Akute lymphatische Leukämie (ALL)
- Synonyme
- akute lymphoblastische Leukämie, Leukämie bei Kindern, Blutkrebs, B-ALL, T-ALL, Ph+ ALL
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Hämatologie & Onkologie
- Bilder
- Blutausstrich & Zytologie 3
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
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Blutausstrich & Zytologie
Blutausstrich & Zytologie
Blutausstrich & ZytologieDefinition
Die akute lymphatische Leukämie (ALL) ist eine maligne Erkrankung lymphatischer Vorläuferzellen. Unkontrolliert proliferierende Lymphoblasten verdrängen die normale Blutbildung und können das zentrale Nervensystem und die Hoden infiltrieren. Die ALL ist die häufigste Krebserkrankung im Kindesalter, tritt aber in jedem Lebensalter auf.
Einteilung
- Nach der Zelllinie: B-lymphoblastische Leukämie/Lymphom (B-ALL/LBL) und T-lymphoblastische Leukämie/Lymphom (T-ALL/LBL).
- Von einer Leukämie spricht man bei Befall von Blut und Knochenmark, von einem lymphoblastischen Lymphom bei vorwiegend extramedullärem Befall.
- Die WHO-Klassifikation berücksichtigt zusätzlich genetische Merkmale, Klinik, Morphologie und Immunphänotyp.
Vorkommen & Epidemiologie
Etwa 60 % aller ALL-Fälle betreffen Kinder. Der Erkrankungsgipfel liegt im Alter von 2 bis 5 Jahren, ein zweiter Gipfel nach dem 50. Lebensjahr. Bei Kindern macht die ALL etwa 75 % aller Leukämien aus.
Ätiopathogenese
Ursache ist eine Abfolge erworbener genetischer Veränderungen in einer lymphatischen Vorläuferzelle. Risikofaktoren sind ionisierende Strahlung, bestimmte Chemikalien wie Benzol sowie angeborene Syndrome wie Down-Syndrom, Fanconi-Anämie, Bloom-Syndrom und Ataxia teleangiectatica.
Typische zytogenetische Veränderungen:
- t(9;22)/BCR::ABL1 (Philadelphia-Chromosom): bei etwa 25 % der Erwachsenen, etwa 5 % der Kinder
- Hohe Hyperdiploidie (51–65 Chromosomen): etwa 25 % der Kinder
- t(12;21)/ETV6::RUNX1: 20–25 % der Kinder
- Hypodiploidie: etwa 5 %
Klinik
Die Beschwerden bestehen oft nur Tage bis Wochen vor der Diagnose:
- Anämie: Müdigkeit, Schwäche, Blässe, Belastungsdyspnoe, Tachykardie
- Thrombozytopenie: Petechien, Hämatome, Nasen- und Zahnfleischbluten, Schleimhautblutungen
- Granulozytopenie: Fieber und schwere oder wiederkehrende Infektionen
- Organinfiltration: Vergrößerung von Leber, Milz und Lymphknoten
- Knochen- und Gelenkschmerzen durch Knochenmark- und Periostinfiltration, besonders bei Kindern
- ZNS-Befall ist häufig: Hirnnervenparesen, Kopfschmerzen, Seh- und Hörstörungen, Bewusstseinsveränderungen
Diagnostik
- Blutbild und Ausstrich: Panzytopenie mit peripheren Blasten; Blasten bis zu 90 % der Leukozyten. Die Leukozytenzahl ist bei etwa der Hälfte erhöht, bei der anderen Hälfte normal oder erniedrigt.
- Knochenmark: Diagnose bei ≥ 20 % lymphatischen Blasten unter den kernhaltigen Zellen; typischer Blastenanteil 25–95 %.
- Auer-Stäbchen fehlen bei der ALL immer.
- Zytochemie: terminale Desoxynukleotidyltransferase (TdT) positiv in lymphatischen Zellen.
- Immunphänotypisierung: CD19, CD20 und CD22 bei B-Zell-Ursprung, CD3 bei T-Zell-Ursprung.
- Zytogenetik und Molekulargenetik, z. B. Nachweis von BCR::ABL1.
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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
Querverweise
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Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.