Mehrlingsschwangerschaft

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Synonyme
Zwillingsschwangerschaft, Gemini, Drillinge, Chorionizität, Zwillinge
Fachgebiet
Geburtshilfe · Schwangerschaftserkrankungen
Bilder
Sonographie 3
Prüfungsrelevanz
25 von 197 Protokollen · Rang 30
In der App
3 Karteikarten · GynFuchs
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Bilder (3)
  2. Definition
  3. Einteilung
  4. Vorkommen & Epidemiologie
  5. Ätiopathogenese
  6. Klinik
  7. Diagnostik
  8. Weiterlernen in der App
  9. Weiterführende Literatur (Auswahl)
  10. Querverweise

Bilder (3)

Mehrlingsschwangerschaft – Sonographie: Lambda-(Twin-Peak-)Zeichen in der 13. SSW — dichoriale Zwillingsschwangerschaft (Foto: Yoshimura Y, Ozawa K, Goto H, Yamazaki Y, Isohata H, Ochiai D. (Cureus, 2024), Open Access, CC BY 4.0)Sonographie
Lambda-(Twin-Peak-)Zeichen in der 13. SSW — dichoriale Zwillingsschwangerschaft (Foto: Yoshimura Y, Ozawa K, Goto H, Yamazaki Y, Isohata H, Ochiai D. (Cureus, 2024), Open Access, CC BY 4.0)Bild: Yoshimura Y, Ozawa K, Goto H, Yamazaki Y, Isohata H, Ochiai D. (Cureus, 2024) · CC BY 4.0 · Quelle · Ausschnitt
Mehrlingsschwangerschaft – Sonographie: T-Zeichen (leeres Lambda): die dünne Trennmembran trifft senkrecht auf die Plazenta — monochorial-diamniot (Foto: Khalil A, Sotiriadis A, Baschat A, Bhide A, Gratacós E, Hecher K, Lewi …Sonographie
T-Zeichen (leeres Lambda): die dünne Trennmembran trifft senkrecht auf die Plazenta — monochorial-diamniot (Foto: Khalil A, Sotiriadis A, Baschat A, Bhide A, Gratacós E, Hecher K, Lewi …Bild: Khalil A, Sotiriadis A, Baschat A, Bhide A, Gratacós E, Hecher K, Lewi L, Salomon LJ, Thilaganathan B, Ville Y. (Ultrasound in obstetrics & gynecology : the official journal of the International Society of Ultrasound in Obstetrics and Gynecology, 2025) · CC BY 4.0 · Quelle · Ausschnitt
Mehrlingsschwangerschaft – Sonographie: Volles Lambda-/Twin-Peak-Zeichen (dichorial-diamniot)Sonographie
Volles Lambda-/Twin-Peak-Zeichen (dichorial-diamniot)Bild: Khalil A, Sotiriadis A, Baschat A, Bhide A, Gratacós E, Hecher K, Lewi L, Salomon LJ, Thilaganathan B, Ville Y. (Ultrasound in obstetrics & gynecology : the official journal of the International Society of Ultrasound in Obstetrics and Gynecology, 2025) · CC BY 4.0 · Quelle · Ausschnitt
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Definition

  • Eine Mehrlingsschwangerschaft ist die gleichzeitige intrauterine Entwicklung von zwei oder mehr Feten; sie ist mit höheren Risiken verbunden als eine Einlingsschwangerschaft.

Einteilung

Teilungszeitpunkt entscheidet

  • Eine sehr frühe Teilung in den ersten drei Tagen führt zu dichorial-diamnioten (DCDA) Zwillingen.
  • Die häufigste Form bei monozygoten Zwillingen ist die monochorial-diamniote (MCDA) Konstellation, die bei einer Teilung zwischen dem vierten und achten Tag entsteht.
  • Eine späte Teilung zwischen dem achten und 13. Tag resultiert in monochorial-monoamnioten (MCMA) Zwillingen, während eine noch spätere Teilung zu siamesischen Zwillingen führt.

Warum die Eihäute so wichtig sind

  • Klinisch entscheidend ist nicht die Zygotie, sondern die Chorionizität, da eine gemeinsame Plazenta vaskuläre Anastomosen und damit spezifische Risiken wie das FFTS bedeutet.
  • Spezifische Risiken monochorialer Schwangerschaften sind das fetofetale Transfusionssyndrom (FFTS), TAPS, die selektive Wachstumsrestriktion und die TRAP-Sequenz.
  • Der Nachweis unterschiedlicher Geschlechter schließt eine Monochorialität sicher aus.
  • Monoamniote Zwillinge haben zusätzlich das hohe Risiko der Nabelschnurverwicklung und -knotung.
  • Dizygote Zwillinge entstehen aus zwei befruchteten Eizellen und sind immer dichorial; monozygote Zwillinge entstehen durch Teilung einer befruchteten Eizelle.
  • Bei monozygoten Zwillingen bestimmt der Teilungszeitpunkt die Plazentation: in den ersten 72 Stunden dichorial-diamnial, zwischen Tag 4 und 8 monochorial-diamnial, nach dem 8. Tag monochorial-monoamnial.
  • Etwa 75 % der monozygoten Schwangerschaften sind monochorial, davon etwa 2 % monoamnial.

Vorkommen & Epidemiologie

Epidemiologie

  • Zwillinge machen 2–4 % aller Geburten aus; in den USA waren es 2021 21,3 Zwillingsgeburten pro 1000 Lebendgeburten.
  • Die Häufigkeit monozygoter Zwillinge ist mit 3,5–4 pro 1000 Geburten weitgehend konstant; regionale Unterschiede beruhen vor allem auf dizygoten Zwillingen.
  • Die Zwillingsrate ist durch höheres mütterliches Alter und assistierte Reproduktion gestiegen.

Ätiopathogenese

Die zwei Wege zum Zwilling

  • Dizygote Zwillinge entstehen aus zwei Eizellen und zwei Spermien, wobei Risikofaktoren wie Alter, Familienanamnese und assistierte Reproduktion die Häufigkeit erhöhen und machen die Mehrzahl der Zwillingsschwangerschaften aus.
  • Sie sind in Bezug auf die Eihäute immer dichorial und diamniot (DCDA).
  • Monozygote Zwillinge entstehen durch die Teilung einer einzigen Zygote; ihre Rate ist weltweit annähernd konstant.

Ätiologie und Risikofaktoren

  • Risikofaktoren für dizygote Zwillinge sind geographische Herkunft, schwarze Ethnizität, Multiparität, höheres mütterliches Alter, niedriger sozioökonomischer Status, familiäre Disposition und assistierte Reproduktion.

Klinik

Maternale Risiken

  • Zu den häufigsten maternalen Risiken zählen neben Hyperemesis, Anämie und Gestationsdiabetes vor allem hypertensive Schwangerschaftserkrankungen und Präeklampsie.
  • Durch den überdehnten Uterus besteht postpartal ein signifikant erhöhtes Risiko für eine postpartale Blutung.
  • Weitere Risiken umfassen eine höhere Sectiorate, Thromboembolien und eine hohe psychosoziale Belastung.

Fetale Risiken

  • Das Hauptproblem für die Feten ist die Frühgeburtlichkeit, von der die Mehrzahl der Zwillinge betroffen ist, daneben treten häufiger Wachstumsrestriktionen und -diskordanzen auf.
  • Fehlbildungen, Nabelschnurkomplikationen und der intrauterine Fruchttod führen zu einer deutlich erhöhten perinatalen Mortalität.

Weitere Fakten aus den Lernfragen

  • Dizygote Zwillinge entstehen aus zwei befruchteten Eizellen.
  • Sie entwickeln sich immer mit getrennten Plazenten und Fruchthöhlen (dichorial-diamniot).
  • Monochoriale Zwillinge entstehen aus einer einzigen Zygote und sind daher genetisch identisch.
  • Genetisch identische Zwillinge haben immer das gleiche Geschlecht.
  • Dizygote Zwillinge machen die Mehrzahl aller Zwillingsschwangerschaften aus und sind immer dichorial-diamniot (DCDA).
  • Die monochorial-diamniote (MCDA) Konstellation ist zwar die häufigste Form bei monozygoten Zwillingen, aber nicht insgesamt.
  • Der Teilungszeitpunkt einer monozygoten Zygote bestimmt die Ausprägung der Eihäute.
  • Eine sehr frühe Teilung (Tag 1-3) resultiert in einer dichorial-diamnioten Anlage, die sonographisch nicht von dizygoten Zwillingen zu unterscheiden ist.
  • Monoamniote Zwillinge teilen sich eine Fruchthöhle, wodurch sich ihre Nabelschnüre frei bewegen können.
  • Dies birgt ein hohes Risiko für Verwicklungen und Knotenbildungen, die die fetale Versorgung gefährden können.

Klinik und Komplikationen

  • Mütterlich treten häufiger Hyperemesis, Verdünnungsanämie, hypertensive Erkrankungen bis zu 2- bis 3,5-fach, Gestationsdiabetes, vorzeitige Wehen, Blasensprung, Plazentalösung sowie postpartale Atonie und Blutung auf.
  • Die perinatale Mortalität ist zwei- bis dreimal höher als bei Einlingen, vor allem durch Frühgeburt, Wachstumsrestriktion, niedriges Geburtsgewicht und intrapartale Hypoxie; Fehlbildungen und Chromosomenstörungen betreffen etwa 2 % der Zwillingsschwangerschaften.
  • Spezifisch für monochoriale Zwillinge sind das fetofetale Transfusionssyndrom und die selektive Wachstumsrestriktion, die 10–15 % der monochorialen Schwangerschaften betrifft.
  • Monochorial-monoamniale Zwillinge sind selten (etwa 2 % der monochorialen Schwangerschaften); typisch sind Nabelschnurkomplikationen, die in 48–80 % auftreten und mit hoher perinataler Mortalität verbunden sind.

Diagnostik

Chorionizität im Ultraschall

  • Das Lambda- oder Twin-Peak-Zeichen, ein dreieckiger Chorionzipfel am Ansatz der Trennmembran, spricht für eine dichoriale Anlage.
  • Das T-Zeichen, bei dem die dünne Membran senkrecht auf die Plazenta trifft, ist hingegen ein Hinweis auf eine monochorial-diamniote Anlage.

Typische Bildbefunde

  • Sonographie (Dichoriale Zwillinge): Zwischen den beiden Fruchthöhlen zieht eine trennende Membran. An ihrem Ansatz an der Plazenta läuft ein keilförmiger Gewebszapfen in die Membran hinein, sodass dort ein dreieckiges Lambda entsteht; die Membran wirkt dick.
  • Die Chorionizität wird früh, innerhalb der ersten 13 Wochen, sonographisch bestimmt; das Lambda-Zeichen ist typisch für dichoriale Schwangerschaften.
  • Eine selektive Wachstumsrestriktion wird bei einer Gewichtsdifferenz von mehr als 25 % und einem Feten unter der 10. Perzentile diagnostiziert.

Weiterlernen in der App

In der GynFuchs-App lernst du Mehrlingsschwangerschaft mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (Kolposkopie, Sonographie, CTG) – kostenlos, im Browser oder als App.

In der App: 3 Karteikarten zu diesem Thema

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Weiterführende Literatur (Auswahl)

  1. Revista Brasileira de Ginecologia e Obstetrícia (2018): Multiple Pregnancy: Epidemiology and Association with Maternal and Perinatal Morbidity (PubMed Central)
  2. DocCheck Flexikon, Mehrlingsschwangerschaft

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt aus der GynFuchs-App (Karteikarten, Prüfungsfragen, Bildfälle) für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.