Sekundärer Hyperparathyreoidismus

Synonyme
sHPT, renaler Hyperparathyreoidismus, tertiärer Hyperparathyreoidismus, renale Osteopathie, CKD-MBD
Fachgebiet
Innere Medizin · Endokrinologie & Diabetologie
Bilder
Röntgen 1
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Bilder (1)
  2. Definition
  3. Einteilung
  4. Ätiopathogenese
  5. Klinik
  6. Diagnostik
  7. Weiterlernen in der App
  8. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  9. Querverweise

Bilder (1)

Sekundärer Hyperparathyreoidismus – Röntgen seitlich: Rugger-Jersey-Wirbelsäule mit bandförmig verdichteten Grund- und Deckplatten der WirbelkörperRöntgen
Röntgen seitlich: Rugger-Jersey-Wirbelsäule mit bandförmig verdichteten Grund- und Deckplatten der WirbelkörperBild: Hellerhoff (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 4.0 · Quelle

Definition

Beim sekundären Hyperparathyreoidismus (sHPT) steigern die Nebenschilddrüsen die PTH-Sekretion als Antwort auf Störungen außerhalb der Nebenschilddrüsen, vor allem auf eine Hypokalzämie. Anders als beim primären HPT ist das Serumcalcium meist erniedrigt oder normal; bei etabliertem sHPT kann es auch erhöht sein. Die Drüsen sind zunächst regulär, aber dauerhaft stimuliert und hyperplastisch.

Aus einem lange bestehenden sHPT kann ein tertiärer Hyperparathyreoidismus entstehen: Die PTH-Sekretion wird autonom, also unabhängig vom Serumcalcium.

Einteilung

  • Renaler sHPT: häufigste Form, bei fortgeschrittener chronischer Nierenerkrankung; Teil der Mineral- und Knochenstörung bei chronischer Nierenerkrankung (CKD-MBD).
  • Nicht renaler sHPT: Vitamin-D-Mangel bzw. verminderte intestinale Calciumaufnahme (z. B. bei Malabsorption), geringe Calciumzufuhr, vermehrter renaler Calciumverlust oder gehemmte Knochenresorption durch bestimmte Medikamente.
  • Tertiärer HPT: autonome PTH-Sekretion nach langjährigem sHPT, typischerweise bei mehrjähriger terminaler Niereninsuffizienz.

Ätiopathogenese

Bei chronischer Nierenerkrankung wirken mehrere Faktoren zusammen:

  • verminderte Bildung von Calcitriol (aktives Vitamin D) in der Niere mit Hypokalzämie
  • Phosphatretention und Hyperphosphatämie
  • erhöhter Fibroblasten-Wachstumsfaktor 23 (FGF-23)

Ein sHPT kann sich bereits bei mittelgradiger Nierenerkrankung mit einer eGFR unter 60 ml/min entwickeln, oft noch bevor Calcium oder Phosphat auffällig sind. Durch die ausgeprägte Hyperplasie sinkt die Empfindlichkeit der Drüsen für Calcium, und der Calcium-Sollwert für die Hemmung der PTH-Sekretion steigt.

Bei Vitamin-D-Mangel führt die Hypokalzämie zur PTH-Mehrsekretion. PTH steigert die Calciumaufnahme, -mobilisation und -rückresorption, aber auch die Phosphatausscheidung. Das Calcium kann dadurch normal sein, die Hypophosphatämie stört jedoch die Knochenmineralisation.

Klinik

Der sHPT verläuft lange unauffällig. Bei Niereninsuffizienz können auftreten:

  • Osteitis fibrosa cystica mit Knochenschmerzen, Gelenkbeschwerden und pathologischen Frakturen
  • spontane Sehnenrupturen
  • proximale Muskelschwäche
  • extraossäre Verkalkungen von Weichteilen und Gefäßen
  • Juckreiz

Die renale Osteodystrophie umfasst einen gesteigerten Knochenumbau (hyperparathyreote Knochenerkrankung), aber auch einen verminderten Umbau (adyname Knochenerkrankung) und eine Osteomalazie. Beim Vitamin-D-Mangel stehen Muskelschmerzen, Muskelschwäche, Knochenschmerzen und eine erhöhte Frakturneigung im Vordergrund.

Diagnostik

  • Laborkonstellation: PTH erhöht, Calcium erniedrigt oder normal. Bei Nierenerkrankung ist das Phosphat erhöht, beim Vitamin-D-Mangel eher erniedrigt; die alkalische Phosphatase ist häufig erhöht.
  • Abgrenzung zum primären HPT bei Nierenerkrankung: hohes Phosphat mit niedrigem Calcium spricht für einen sekundären, hohes Calcium mit normalem Phosphat für einen primären HPT.
  • Tertiärer HPT: Calcium und Phosphat erhöht, PTH stark erhöht.
  • Basislabor: Calcium, Phosphat, intaktes PTH, 25-OH-Vitamin D, alkalische Phosphatase und Nierenfunktion; nach KDIGO 2024 werden diese Werte bei chronischer Nierenerkrankung ab Stadium G3a bestimmt.
  • Knochenbiopsie: genaueste Methode, um die Form der renalen Osteodystrophie festzulegen.
  • Röntgen: bei langjähriger terminaler Niereninsuffizienz Zeichen der Osteitis fibrosa cystica wie subperiostale Resorptionen und Knochenzysten.

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Sekundärer Hyperparathyreoidismus mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

Im Browser starten  InnereFuchs ansehen →

Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. MSD Manual Professional: Hyperparathyroidism
  2. MSD Manual Professional: Chronic Kidney Disease
  3. MSD Manual Professional: Hypercalcemia
  4. MSD Manual Professional: Vitamin D Deficiency and Dependency

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.