Sekundärer Hyperparathyreoidismus
- Synonyme
- sHPT, renaler Hyperparathyreoidismus, tertiärer Hyperparathyreoidismus, renale Osteopathie, CKD-MBD
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Endokrinologie & Diabetologie
- Bilder
- Röntgen 1
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
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RöntgenDefinition
Beim sekundären Hyperparathyreoidismus (sHPT) steigern die Nebenschilddrüsen die PTH-Sekretion als Antwort auf Störungen außerhalb der Nebenschilddrüsen, vor allem auf eine Hypokalzämie. Anders als beim primären HPT ist das Serumcalcium meist erniedrigt oder normal; bei etabliertem sHPT kann es auch erhöht sein. Die Drüsen sind zunächst regulär, aber dauerhaft stimuliert und hyperplastisch.
Aus einem lange bestehenden sHPT kann ein tertiärer Hyperparathyreoidismus entstehen: Die PTH-Sekretion wird autonom, also unabhängig vom Serumcalcium.
Einteilung
- Renaler sHPT: häufigste Form, bei fortgeschrittener chronischer Nierenerkrankung; Teil der Mineral- und Knochenstörung bei chronischer Nierenerkrankung (CKD-MBD).
- Nicht renaler sHPT: Vitamin-D-Mangel bzw. verminderte intestinale Calciumaufnahme (z. B. bei Malabsorption), geringe Calciumzufuhr, vermehrter renaler Calciumverlust oder gehemmte Knochenresorption durch bestimmte Medikamente.
- Tertiärer HPT: autonome PTH-Sekretion nach langjährigem sHPT, typischerweise bei mehrjähriger terminaler Niereninsuffizienz.
Ätiopathogenese
Bei chronischer Nierenerkrankung wirken mehrere Faktoren zusammen:
- verminderte Bildung von Calcitriol (aktives Vitamin D) in der Niere mit Hypokalzämie
- Phosphatretention und Hyperphosphatämie
- erhöhter Fibroblasten-Wachstumsfaktor 23 (FGF-23)
Ein sHPT kann sich bereits bei mittelgradiger Nierenerkrankung mit einer eGFR unter 60 ml/min entwickeln, oft noch bevor Calcium oder Phosphat auffällig sind. Durch die ausgeprägte Hyperplasie sinkt die Empfindlichkeit der Drüsen für Calcium, und der Calcium-Sollwert für die Hemmung der PTH-Sekretion steigt.
Bei Vitamin-D-Mangel führt die Hypokalzämie zur PTH-Mehrsekretion. PTH steigert die Calciumaufnahme, -mobilisation und -rückresorption, aber auch die Phosphatausscheidung. Das Calcium kann dadurch normal sein, die Hypophosphatämie stört jedoch die Knochenmineralisation.
Klinik
Der sHPT verläuft lange unauffällig. Bei Niereninsuffizienz können auftreten:
- Osteitis fibrosa cystica mit Knochenschmerzen, Gelenkbeschwerden und pathologischen Frakturen
- spontane Sehnenrupturen
- proximale Muskelschwäche
- extraossäre Verkalkungen von Weichteilen und Gefäßen
- Juckreiz
Die renale Osteodystrophie umfasst einen gesteigerten Knochenumbau (hyperparathyreote Knochenerkrankung), aber auch einen verminderten Umbau (adyname Knochenerkrankung) und eine Osteomalazie. Beim Vitamin-D-Mangel stehen Muskelschmerzen, Muskelschwäche, Knochenschmerzen und eine erhöhte Frakturneigung im Vordergrund.
Diagnostik
- Laborkonstellation: PTH erhöht, Calcium erniedrigt oder normal. Bei Nierenerkrankung ist das Phosphat erhöht, beim Vitamin-D-Mangel eher erniedrigt; die alkalische Phosphatase ist häufig erhöht.
- Abgrenzung zum primären HPT bei Nierenerkrankung: hohes Phosphat mit niedrigem Calcium spricht für einen sekundären, hohes Calcium mit normalem Phosphat für einen primären HPT.
- Tertiärer HPT: Calcium und Phosphat erhöht, PTH stark erhöht.
- Basislabor: Calcium, Phosphat, intaktes PTH, 25-OH-Vitamin D, alkalische Phosphatase und Nierenfunktion; nach KDIGO 2024 werden diese Werte bei chronischer Nierenerkrankung ab Stadium G3a bestimmt.
- Knochenbiopsie: genaueste Methode, um die Form der renalen Osteodystrophie festzulegen.
- Röntgen: bei langjähriger terminaler Niereninsuffizienz Zeichen der Osteitis fibrosa cystica wie subperiostale Resorptionen und Knochenzysten.
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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
Querverweise
Weitere Themen: Endokrinologie & Diabetologie
Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.