Metabolisches Syndrom
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- Wohlstandssyndrom, Syndrom X, Insulinresistenzsyndrom, tödliches Quartett, Bauchfett, Apfeltyp, MetS
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Endokrinologie & Diabetologie
- Bilder
- Klinik 1 · Histologie 1
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
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HistologieDefinition
Das metabolische Syndrom bezeichnet das gemeinsame Auftreten von abdomineller (viszeraler) Adipositas, arterieller Hypertonie, gestörtem Glukosestoffwechsel bzw. Insulinresistenz und Dyslipidämie. Es kennzeichnet Menschen mit stark erhöhtem Risiko für Typ-2-Diabetes und atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Synonyme sind Syndrom X und Insulinresistenzsyndrom.
Einteilung
Diagnosekriterien
Es gibt mehrere Definitionen. Nach der Definition, die die Nationale VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes wiedergibt, liegt ein metabolisches Syndrom vor, wenn drei von fünf Kriterien erfüllt sind:
- Stammbetonte Adipositas: Taillenumfang bei Männern ≥ 102 cm, bei Frauen ≥ 88 cm (Werte für Menschen europäischer Herkunft)
- Triglyzeride: ≥ 150 mg/dl (1,7 mmol/l)
- HDL-Cholesterin erniedrigt: Männer < 40 mg/dl (1,0 mmol/l), Frauen < 50 mg/dl (1,3 mmol/l)
- Blutdruck: systolisch ≥ 130 mmHg und/oder diastolisch ≥ 85 mmHg
- Nüchternglukose: ≥ 100 mg/dl (5,6 mmol/l)
Ein bereits medikamentös eingestellter Wert zählt jeweils als erfülltes Kriterium. Für andere Herkunftsgruppen gelten teils niedrigere Taillengrenzwerte.
Vorkommen & Epidemiologie
Die Häufigkeit des metabolischen Syndroms entwickelt sich parallel zu der von Adipositas und Typ-2-Diabetes und nimmt mit dem Alter zu. In einer US-amerikanischen Erhebung lag sie bei etwa 23 % der Allgemeinbevölkerung, bei 44 % der 60- bis 69-Jährigen und bei 42 % der ab 70-Jährigen. Auch Kinder und Jugendliche können betroffen sein; für diese Altersgruppen gibt es keine einheitliche Definition.
Ätiopathogenese
Entscheidend ist neben der Menge vor allem die Verteilung des Fettgewebes: Eine zentrale (viszerale) Adipositas mit hohem Taille-Hüft-Verhältnis („Apfeltyp“) erhöht das Risiko, eine Fettverteilung an Hüften und Oberschenkeln („Birnentyp“) deutlich weniger.
- Viszerales Fett liefert vermehrt freie Fettsäuren über die Pfortader; es kommt zur Verfettung von Leber und Muskelzellen.
- Es entwickelt sich eine Insulinresistenz mit Hyperinsulinämie; daraus folgen Glukosestoffwechselstörung, Dyslipidämie und Hypertonie.
- Die Harnsäure ist häufig erhöht; es besteht ein prothrombotischer Zustand (erhöhtes Fibrinogen und PAI-1) und ein chronisch entzündlicher Zustand.
- Rauchen erhöht die Triglyzeride und senkt das HDL-Cholesterin; möglicherweise trägt chronischer Stress über hormonelle Veränderungen bei.
Klinik
Das metabolische Syndrom selbst verursacht meist keine Beschwerden; klinisch fällt die stammbetonte Adipositas auf, teils mit Acanthosis nigricans als Hautzeichen der Insulinresistenz. Bedeutsam sind die Folge- und Begleiterkrankungen:
- Typ-2-Diabetes und Prädiabetes
- atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankungen (koronare Herzkrankheit, Schlaganfall, pAVK)
- metabolisch assoziierte steatotische Lebererkrankung (MASLD)
- Hyperurikämie und Gicht
- bei Frauen polyzystisches Ovarsyndrom, bei Männern niedriges Testosteron und erektile Dysfunktion
Diagnostik
- Anamnese: familiäre Belastung mit Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Rauchen, körperliche Aktivität
- Körperliche Untersuchung: Taillenumfang, Gewicht und Body-Mass-Index, Blutdruck; Hautzeichen der Insulinresistenz
- Labor: Nüchternglukose (ggf. HbA1c), Lipidprofil mit Triglyzeriden und HDL-Cholesterin; ergänzend Harnsäure und Leberwerte
- Bildgebung: Sonographie der Leber bei Verdacht auf Steatose
Der Taillenumfang sagt das Risiko für metabolische und kardiovaskuläre Komplikationen besser vorher als der Body-Mass-Index.
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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
Querverweise
Weitere Themen: Endokrinologie & Diabetologie
- Diabetes mellitus Typ 2 (Zuckerkrankheit)
- Primärer Hyperaldosteronismus (Conn-Syndrom)
- Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion)
- Morbus Basedow
- Adipositas
- Diabetes mellitus Typ 1
- Hashimoto-Thyreoiditis
- Phäochromozytom
- Primärer Hyperparathyreoidismus
- Cushing-Syndrom
- Diabetische Ketoazidose
- Nebennierenrindeninsuffizienz (Morbus Addison)
Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.