Metabolisches Syndrom

Prüfungsrelevanz: in 4 von 105 Prüfungsprotokollen · Rang 90
Synonyme
Wohlstandssyndrom, Syndrom X, Insulinresistenzsyndrom, tödliches Quartett, Bauchfett, Apfeltyp, MetS
Fachgebiet
Innere Medizin · Endokrinologie & Diabetologie
Bilder
Klinik 1 · Histologie 1
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Bilder (2)
  2. Definition
  3. Einteilung
  4. Vorkommen & Epidemiologie
  5. Ätiopathogenese
  6. Klinik
  7. Diagnostik
  8. Weiterlernen in der App
  9. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  10. Querverweise

Bilder (2)

Metabolisches Syndrom – Achsel – klinisches Foto: Acanthosis nigricans in der Axilla als Zeichen der Insulinresistenz
Acanthosis nigricans in der Axilla als Zeichen der Insulinresistenz (Achsel)Bild: Dr. Thomas Brinkmeier (Wikimedia Commons) · CC BY 4.0 · Quelle
Metabolisches Syndrom – Histologie der Acanthosis nigricans (HE): regelmäßige Papillomatose und Hyperkeratose ohne EntzündungHistologie
Histologie der Acanthosis nigricans (HE): regelmäßige Papillomatose und Hyperkeratose ohne EntzündungBild: Sébastien Duquenne (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 4.0 · Quelle
1 / 2

Definition

Das metabolische Syndrom bezeichnet das gemeinsame Auftreten von abdomineller (viszeraler) Adipositas, arterieller Hypertonie, gestörtem Glukosestoffwechsel bzw. Insulinresistenz und Dyslipidämie. Es kennzeichnet Menschen mit stark erhöhtem Risiko für Typ-2-Diabetes und atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Synonyme sind Syndrom X und Insulinresistenzsyndrom.

Einteilung

Diagnosekriterien

Es gibt mehrere Definitionen. Nach der Definition, die die Nationale VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes wiedergibt, liegt ein metabolisches Syndrom vor, wenn drei von fünf Kriterien erfüllt sind:

  • Stammbetonte Adipositas: Taillenumfang bei Männern ≥ 102 cm, bei Frauen ≥ 88 cm (Werte für Menschen europäischer Herkunft)
  • Triglyzeride: ≥ 150 mg/dl (1,7 mmol/l)
  • HDL-Cholesterin erniedrigt: Männer < 40 mg/dl (1,0 mmol/l), Frauen < 50 mg/dl (1,3 mmol/l)
  • Blutdruck: systolisch ≥ 130 mmHg und/oder diastolisch ≥ 85 mmHg
  • Nüchternglukose: ≥ 100 mg/dl (5,6 mmol/l)

Ein bereits medikamentös eingestellter Wert zählt jeweils als erfülltes Kriterium. Für andere Herkunftsgruppen gelten teils niedrigere Taillengrenzwerte.

Vorkommen & Epidemiologie

Die Häufigkeit des metabolischen Syndroms entwickelt sich parallel zu der von Adipositas und Typ-2-Diabetes und nimmt mit dem Alter zu. In einer US-amerikanischen Erhebung lag sie bei etwa 23 % der Allgemeinbevölkerung, bei 44 % der 60- bis 69-Jährigen und bei 42 % der ab 70-Jährigen. Auch Kinder und Jugendliche können betroffen sein; für diese Altersgruppen gibt es keine einheitliche Definition.

Ätiopathogenese

Entscheidend ist neben der Menge vor allem die Verteilung des Fettgewebes: Eine zentrale (viszerale) Adipositas mit hohem Taille-Hüft-Verhältnis („Apfeltyp“) erhöht das Risiko, eine Fettverteilung an Hüften und Oberschenkeln („Birnentyp“) deutlich weniger.

  • Viszerales Fett liefert vermehrt freie Fettsäuren über die Pfortader; es kommt zur Verfettung von Leber und Muskelzellen.
  • Es entwickelt sich eine Insulinresistenz mit Hyperinsulinämie; daraus folgen Glukosestoffwechselstörung, Dyslipidämie und Hypertonie.
  • Die Harnsäure ist häufig erhöht; es besteht ein prothrombotischer Zustand (erhöhtes Fibrinogen und PAI-1) und ein chronisch entzündlicher Zustand.
  • Rauchen erhöht die Triglyzeride und senkt das HDL-Cholesterin; möglicherweise trägt chronischer Stress über hormonelle Veränderungen bei.

Klinik

Das metabolische Syndrom selbst verursacht meist keine Beschwerden; klinisch fällt die stammbetonte Adipositas auf, teils mit Acanthosis nigricans als Hautzeichen der Insulinresistenz. Bedeutsam sind die Folge- und Begleiterkrankungen:

  • Typ-2-Diabetes und Prädiabetes
  • atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankungen (koronare Herzkrankheit, Schlaganfall, pAVK)
  • metabolisch assoziierte steatotische Lebererkrankung (MASLD)
  • Hyperurikämie und Gicht
  • bei Frauen polyzystisches Ovarsyndrom, bei Männern niedriges Testosteron und erektile Dysfunktion

Diagnostik

  • Anamnese: familiäre Belastung mit Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Rauchen, körperliche Aktivität
  • Körperliche Untersuchung: Taillenumfang, Gewicht und Body-Mass-Index, Blutdruck; Hautzeichen der Insulinresistenz
  • Labor: Nüchternglukose (ggf. HbA1c), Lipidprofil mit Triglyzeriden und HDL-Cholesterin; ergänzend Harnsäure und Leberwerte
  • Bildgebung: Sonographie der Leber bei Verdacht auf Steatose

Der Taillenumfang sagt das Risiko für metabolische und kardiovaskuläre Komplikationen besser vorher als der Body-Mass-Index.

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Metabolisches Syndrom mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

Im Browser starten  InnereFuchs ansehen →

Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. MSD Manual Professional: Metabolic Syndrome
  2. NVL Typ-2-Diabetes: Anhang 5 Diagnosekriterien metabolisches Syndrom
  3. MSD Manual Professional: Obesity
  4. MSD Manual Professional: Type 2 Diabetes Mellitus

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.