Adipositas
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- Fettleibigkeit, Fettsucht, starkes Übergewicht, Übergewicht, Obesitas, BMI, krankhaftes Übergewicht
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Endokrinologie & Diabetologie
- Bilder
- Klinik 1 · CT 1
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
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CTDefinition
Die Adipositas ist eine chronische, multifaktorielle und zu Rückfällen neigende Erkrankung mit übermäßiger Vermehrung des Körperfetts. Üblicherweise wird sie über einen Body-Mass-Index (BMI, Körpergewicht in kg geteilt durch das Quadrat der Körpergröße in m) von ≥ 30 kg/m² definiert.
Neuere Konzepte ergänzen den BMI um Maße der Fettverteilung und um Organfunktionen: Bei der präklinischen Adipositas besteht vermehrtes Körperfett mit erhöhtem Gesundheitsrisiko, aber ohne Funktionseinschränkung; bei der klinischen Adipositas liegen durch das Übergewicht bedingte Organfunktionsstörungen oder Einschränkungen im Alltag vor.
Einteilung
BMI-Klassen bei Erwachsenen
- Übergewicht: 25–29,9 kg/m²
- Adipositas Grad I: 30–34,9 kg/m²
- Adipositas Grad II: 35–39,9 kg/m²
- Adipositas Grad III: ≥ 40 kg/m²
Der BMI unterscheidet nicht zwischen Fett- und Muskelmasse: Bei muskulösen Menschen überschätzt, bei Sarkopenie unterschätzt er die Adipositas. Für Menschen asiatischer Herkunft gelten niedrigere Grenzwerte. Als Körperfettanteil, der einer Adipositas entspricht, werden bei Männern > 25 %, bei Frauen > 32 % angegeben.
Vorkommen & Epidemiologie
Die Adipositas ist weltweit häufig und hat in den letzten Jahrzehnten bei Erwachsenen sowie bei Kindern und Jugendlichen stark zugenommen. In den USA hat sich die Prävalenz seit Ende der 1970er-Jahre nahezu verdreifacht und liegt bei Erwachsenen bei etwa 40 %.
Ätiopathogenese
Ursachen und Regulation
Letztlich entsteht Adipositas durch ein langfristiges Ungleichgewicht zwischen Energieaufnahme und Energieverbrauch, auf das zahlreiche Faktoren einwirken.
- Genetik: Die Erblichkeit des BMI liegt bei 40–60 %. Meist wirken viele Genorte zusammen; Varianten im Leptin-Melanokortin-Signalweg (z. B. Melanokortin-4-Rezeptor) sind besonders bedeutsam.
- Hormonelle Steuerung: Darmhormone wie Glucagon-like Peptide 1, Cholezystokinin und Peptid YY senken, Ghrelin aus dem Magen steigert die Nahrungsaufnahme. Leptin aus dem Fettgewebe meldet dem Hypothalamus die Größe der Fettspeicher. Das limbische System vermittelt über Dopamin die belohnungsgesteuerte Nahrungsaufnahme.
- Umwelt und Verhalten: energiedichte, stark verarbeitete Lebensmittel, zuckerhaltige Getränke und Alkohol, Bewegungsmangel, Schlafmangel, Veränderungen des Darmmikrobioms und hormonaktive Umweltchemikalien; belastende Kindheitserfahrungen erhöhen das Risiko.
- Pharmaka: Gewichtszunahme z. B. glukokortikoidinduziert oder ausgelöst durch bestimmte Antidepressiva, Antiepileptika und atypische Antipsychotika.
- Seltene Krankheitsursachen: hypothalamische Schäden (z. B. Kraniopharyngeom), autonome Insulinsekretion bei Pankreastumoren (Insulinom), Cushing-Syndrom mit vorwiegend abdomineller Adipositas; eine Hypothyreose führt nur selten zu deutlicher Gewichtszunahme.
- Essstörungen: Binge-Eating-Störung (Lebenszeitprävalenz weltweit etwa 1,5 % bei Frauen und 0,3 % bei Männern) und Night-Eating-Syndrom.
Pathophysiologie der Folgeerkrankungen
Das Fettgewebe ist ein aktives endokrines Organ. Adipokine und freie Fettsäuren fördern systemische Entzündung und Insulinresistenz. Viszerale Adipozyten setzen Leptin und Angiotensin frei und aktivieren das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System; die kompensatorische Hyperinsulinämie stimuliert den Sympathikus. Beides trägt zur Hypertonie bei. Die chronische Entzündung begünstigt zudem einen prothrombotischen Zustand.
Klinik
Folge- und Begleiterkrankungen
- Herz-Kreislauf: Hypertonie, koronare Herzkrankheit, Schlaganfall, venöse Thromboembolie
- Lunge: obstruktive Schlafapnoe durch Fetteinlagerung in Zunge und Rachen, adipositasbedingte chronische Hyperkapnie (Pickwick-Syndrom)
- Stoffwechsel und Hormone: Typ-2-Diabetes, metabolisches Syndrom, Dyslipidämie, Unfruchtbarkeit, polyzystisches Ovarsyndrom, niedriges Testosteron bei Männern
- Verdauungsorgane: gastroösophagealer Reflux, Gallensteine, MASLD bis zur Zirrhose
- Bewegungsapparat: Arthrose durch mechanische Belastung und entzündliche Adipokine
- Weitere: bestimmte Krebserkrankungen, Depression und psychosoziale Folgen durch Stigmatisierung und Diskriminierung
Diagnostik
- Anthropometrie: Gewicht, Größe und BMI; Taillenumfang, Taille-Hüft- oder Taille-Größe-Verhältnis zur Erfassung der viszeralen Fettverteilung. Ab einem BMI > 40 kg/m² kann ein Körperfettüberschuss ohne weitere Messung angenommen werden.
- Körperzusammensetzung bei Zweifeln, ob ein hoher BMI auf Fett oder Muskulatur beruht: Hautfaltendicke, bioelektrische Impedanzanalyse; CT, MRT und Dual-Röntgen-Absorptiometrie (DXA) überwiegend in der Forschung.
- Begleiterkrankungen: Blutdruck, Nüchternglukose bzw. HbA1c, Lipidprofil, Leberwerte; Suche nach obstruktiver Schlafapnoe (z. B. STOP-BANG-Fragebogen, Apnoe-Hypopnoe-Index) und Depression.
- Anamnese: Gewichtsverlauf, Essverhalten (Essanfälle, nächtliches Essen), Schlaf, Medikamente und Hinweise auf endokrine Ursachen.
Weiterlernen in der App
Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
Querverweise
Weitere Themen: Endokrinologie & Diabetologie
- Diabetes mellitus Typ 2 (Zuckerkrankheit)
- Primärer Hyperaldosteronismus (Conn-Syndrom)
- Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion)
- Morbus Basedow
- Diabetes mellitus Typ 1
- Hashimoto-Thyreoiditis
- Phäochromozytom
- Primärer Hyperparathyreoidismus
- Cushing-Syndrom
- Diabetische Ketoazidose
- Metabolisches Syndrom
- Nebennierenrindeninsuffizienz (Morbus Addison)
Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.