Diabetes mellitus Typ 2 (Zuckerkrankheit)

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Synonyme
Zuckerkrankheit, Altersdiabetes, Alterszucker, Typ-2-Diabetes, T2D, Diabetes, Prädiabetes, Insulinresistenz, erhöhter Blutzucker
Fachgebiet
Innere Medizin · Endokrinologie & Diabetologie
Bilder
Klinik 3
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Bilder (3)
  2. Definition
  3. Einteilung
  4. Vorkommen & Epidemiologie
  5. Ätiopathogenese
  6. Klinik
  7. Diagnostik
  8. Weiterlernen in der App
  9. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  10. Querverweise

Bilder (3)

Diabetes mellitus Typ 2 (Zuckerkrankheit) – klinisches Foto: Acanthosis nigricans am Hals: samtartig verdickte, bräunlich-dunkle Haut in den Falten als Zeichen der Insulinresistenz
Acanthosis nigricans am Hals: samtartig verdickte, bräunlich-dunkle Haut in den Falten als Zeichen der InsulinresistenzBild: Masryyy (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 4.0 · Quelle
Diabetes mellitus Typ 2 (Zuckerkrankheit) – klinisches Foto: Diabetische Dermopathie am Schienbein: bräunliche, leicht eingesunkene, atrophe Flecken
Diabetische Dermopathie am Schienbein: bräunliche, leicht eingesunkene, atrophe FleckenBild: Abate, Aroucha, Nóbrega et al. (2025) (Wikimedia Commons) · CC BY 4.0 · Quelle
Diabetes mellitus Typ 2 (Zuckerkrankheit) – klinisches Foto: Diabetisches Fußsyndrom als Spätfolge: trockene, schwarze Nekrose an der Großzehenkuppe mit gerötetem Randsaum
Diabetisches Fußsyndrom als Spätfolge: trockene, schwarze Nekrose an der Großzehenkuppe mit gerötetem RandsaumBild: Intermedichbo (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 3.0 · Quelle
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Definition

Der Diabetes mellitus Typ 2 ist eine chronische Stoffwechselerkrankung, die durch eine Insulinresistenz und eine im Verhältnis zum Bedarf unzureichende Insulinsekretion gekennzeichnet ist. Folge ist eine chronische Hyperglykämie. Mehr als 90 % der Erwachsenen mit Diabetes haben einen Typ-2-Diabetes.

Als Prädiabetes (erhöhtes Diabetesrisiko) wird der Bereich zwischen normalen und diabetischen Glukosewerten bezeichnet. Er geht dem Typ-2-Diabetes oft über Jahre voraus und ist bereits mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko verbunden.

Einteilung

Glukosekategorien

  • Normal: Nüchternplasmaglukose < 100 mg/dl (< 5,6 mmol/l), HbA1c < 5,7 % (< 39 mmol/mol).
  • Erhöhtes Diabetesrisiko: abnorme Nüchternglukose (IFG) 100–125 mg/dl (5,6–6,9 mmol/l), gestörte Glukosetoleranz (IGT) mit 2-Stunden-Wert 140–199 mg/dl (7,8–11,0 mmol/l) oder HbA1c 5,7 bis < 6,5 % (39 bis < 48 mmol/mol). Nach WHO beginnt der IFG-Bereich erst bei 110 mg/dl (6,1 mmol/l).
  • Diabetes: Nüchternplasmaglukose ≥ 126 mg/dl (≥ 7,0 mmol/l), HbA1c ≥ 6,5 % (≥ 48 mmol/mol) oder 2-Stunden-Wert ≥ 200 mg/dl (≥ 11,1 mmol/l).

Vorkommen & Epidemiologie

In der bundesweiten RKI-Befragung GEDA 2019/2020 gaben 8,9 % der Erwachsenen einen in den letzten zwölf Monaten bekannten Diabetes an (Frauen 8,2 %, Männer 9,6 %). Unter 45 Jahren liegt die Häufigkeit unter 3,5 %; sie steigt mit dem Alter und erreicht ab 80 Jahren 17,9 % bei Frauen und 22,3 % bei Männern. In Versorgungsdaten der gesetzlichen Krankenversicherung entfallen rund 93 % der Diabetesfälle auf den Typ-2-Diabetes.

Die Prävalenz des bekannten Diabetes ist in Deutschland gestiegen (1997–1999: 5,2 %; 2008–2011: 7,2 %; 2019/2020: 8,9 %). Zusätzlich hatten 2008–2011 etwa 2,0 % der 18- bis 79-Jährigen einen bislang unerkannten Diabetes.

Ätiopathogenese

Pathophysiologie

Eine Hyperglykämie entsteht, wenn die Insulinsekretion die Insulinresistenz nicht mehr ausgleichen kann.

  • Hepatische Insulinresistenz: Die Glukoseproduktion der Leber wird nicht ausreichend unterdrückt.
  • Periphere Insulinresistenz: Die periphere Glukoseaufnahme ist vermindert. Zusammen mit der hepatischen Insulinresistenz entstehen Nüchtern- und postprandiale Hyperglykämie.
  • Betazelldysfunktion: Verlust der pulsatilen Insulinsekretion, vermehrte Freisetzung von Proinsulin und Ablagerung von Inselamyloid (Amylin). Früh im Verlauf ist die Insulinsekretion oft gesteigert (Hyperinsulinämie), später lässt sie nach.
  • Glukotoxizität: Die Hyperglykämie selbst beeinträchtigt die Betazellfunktion zusätzlich.
  • Fettgewebe: Eine gesteigerte Lipolyse erhöht die freien Fettsäuren im Plasma, die den Glukosetransport in die Zellen stören. Adipokine wirken günstig (Adiponektin) oder ungünstig (TNF-alpha, Interleukin-6, Leptin, Resistin) auf den Glukosestoffwechsel.

Risikofaktoren

Genetische und Umweltfaktoren wirken zusammen; die Erkrankung tritt familiär gehäuft auf, ein einzelnes verantwortliches Gen ist für die häufigen Formen nicht bekannt.

  • Übergewicht und Adipositas (BMI > 25 kg/m², bei asiatischer Herkunft > 23 kg/m²), besonders viszerale Fettverteilung
  • Bewegungsmangel und höheres Lebensalter
  • Typ-2-Diabetes bei Verwandten ersten Grades
  • Prädiabetes, Gestationsdiabetes oder Geburt eines Kindes über 4.000 g
  • Dyslipidämie, arterielle Hypertonie, metabolisch assoziierte steatotische Lebererkrankung (MASLD)
  • bestimmte Medikamente, etwa glukokortikoidinduziert oder durch Antipsychotika ausgelöst
  • intrauterine Wachstumsretardierung und niedriges Geburtsgewicht

Klinik

Symptome und Befunde

Die milde Hyperglykämie des frühen Typ-2-Diabetes verläuft oft über Jahre symptomlos; die Symptome werden zudem häufig verkannt.

  • Hyperglykämiesymptome: Polyurie, Durst und Polydipsie, Müdigkeit, Schwäche, Verschwommensehen, ungewollter Gewichtsverlust
  • Infektneigung: bakterielle und Pilzinfektionen, besonders mukokutane Pilzinfektionen wie orale und vaginale Candidose
  • Zeichen der Insulinresistenz: Übergewicht mit abdomineller Betonung, Acanthosis nigricans (Nacken, Achseln), multiple Fibrome (Skin tags)
  • Erstmanifestation über Komplikationen: Manche Betroffene fallen erst durch Folgeerkrankungen oder ein hyperosmolares hyperglykämisches Syndrom auf.

Folge- und Begleiterkrankungen

  • Mikrovaskulär: diabetische Retinopathie, Nephropathie (beginnend mit mäßig erhöhter Albuminurie, Albumin-Kreatinin-Quotient ≥ 30 mg/g) und Neuropathie; daraus kann ein diabetisches Fußsyndrom entstehen.
  • Makrovaskulär: Atherosklerose mit koronarer Herzkrankheit, Schlaganfall und peripherer arterieller Verschlusskrankheit.
  • Herz: diabetische Kardiomyopathie und Herzinsuffizienz.
  • Leber: MASLD bzw. MASH mit möglicher Fibrose; in einigen Studien bei mehr als der Hälfte der Menschen mit Typ-2-Diabetes.
  • Weitere: Infektionen, erektile Dysfunktion, Depression.

In deutschen Versorgungsdaten haben Menschen mit Diabetes 1,4- bis 1,9-fach häufiger Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit, Herzinsuffizienz, Schlaganfall und Depression als Menschen ohne Diabetes.

Diagnostik

Labor

  • Diagnose: Nüchternplasmaglukose ≥ 126 mg/dl (≥ 7,0 mmol/l), HbA1c ≥ 6,5 % (≥ 48 mmol/mol) oder 2-Stunden-Wert im oralen Glukosetoleranztest (75 g) ≥ 200 mg/dl (≥ 11,1 mmol/l).
  • Bestätigung: Ohne typische Symptome sind zwei Werte im diabetischen Bereich erforderlich; sie können aus derselben Blutprobe (z. B. Glukose und HbA1c) oder zeitversetzt bestimmt werden. Bei typischen Symptomen genügt ein eindeutig pathologischer Wert, ebenso eine Gelegenheitsglukose ≥ 200 mg/dl (≥ 11,1 mmol/l).
  • HbA1c-Grenzen: Er spiegelt die mittlere Glukose etwa der letzten drei Monate und kann durch Störfaktoren falsch hoch oder niedrig sein.
  • Typzuordnung: Bei Verdacht auf Autoimmundiabetes (z. B. LADA) helfen Inselautoantikörper und C-Peptid.

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Diabetes mellitus Typ 2 (Zuckerkrankheit) mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. Nationale VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes (Version 3)
  2. NVL Typ-2-Diabetes: Kapitel 1 Epidemiologie
  3. NVL Typ-2-Diabetes: Kapitel 3 Erhöhtes Diabetesrisiko
  4. NVL Typ-2-Diabetes: Kapitel 4 Diagnostik
  5. MSD Manual Professional: Type 2 Diabetes Mellitus
  6. MSD Manual Professional: Overview of Diabetes Mellitus

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.