Nebenniereninzidentalom

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Synonyme
Inzidentalom, Zufallsbefund Nebenniere, Nebennierenadenom, Nebennierenraumforderung, Nebennierentumor
Fachgebiet
Innere Medizin · Endokrinologie & Diabetologie
Bilder
MRT 1 · CT 1
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Bilder (2)
  2. Definition
  3. Einteilung
  4. Vorkommen & Epidemiologie
  5. Klinik
  6. Diagnostik
  7. Weiterlernen in der App
  8. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  9. Querverweise

Bilder (2)

Nebenniereninzidentalom – MRT T1 In-/Opposed-Phase: Nebennierenknoten (Kreis) mit deutlichem Signalabfall in der Opposed-Phase als Zeichen eines fettreichen AdenomsMRT
MRT T1 In-/Opposed-Phase: Nebennierenknoten (Kreis) mit deutlichem Signalabfall in der Opposed-Phase als Zeichen eines fettreichen AdenomsBild: Hellerhoff (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 4.0 · Quelle
Nebenniereninzidentalom – CT axial: große Raumforderung der linken Nebenniere mit fettdichten Anteilen (Myelolipom)CT
CT axial: große Raumforderung der linken Nebenniere mit fettdichten Anteilen (Myelolipom)Bild: Hellerhoff (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 4.0 · Quelle
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Definition

Ein Nebenniereninzidentalom ist eine Raumforderung der Nebenniere, die zufällig bei einer Bildgebung aus anderem Anlass entdeckt wird, etwa bei einer CT oder MRT des Bauchraums. Bei jedem Inzidentalom stellen sich zwei Fragen: Ist die Raumforderung hormonaktiv, und ist sie gutartig oder bösartig? Die meisten Inzidentalome sind hormoninaktive Nebennierenrindenadenome.

Einteilung

Ursachen

  • Nebennierenrinde: Adenom (hormoninaktiv oder hormonaktiv), noduläre Hyperplasie, Nebennierenrindenkarzinom.
  • Nebennierenmark: Phäochromozytom, Ganglioneurom.
  • Andere Tumoren: Myelolipom, Lipom und weitere.
  • Zysten und Pseudozysten, Hämatome und Einblutungen.
  • Metastasen, am häufigsten von Lungenkarzinomen, außerdem von Mamma-, Nieren- und Magen-Darm-Karzinomen.
  • Pseudoraumforderungen benachbarter Organe.
  • Beidseitige Raumforderungen: an Metastasen, Lymphome, Infektionen (z. B. Tuberkulose, Histoplasmose) und Einblutungen denken.

Vorkommen & Epidemiologie

Inzidentalome finden sich in etwa 1–5 % der Schnittbilduntersuchungen, die die Nebennieren erfassen, und in Autopsieserien bei etwa 2,3 %. Hormoninaktive Adenome machen etwa 70 % aus. In einer großen japanischen Erhebung waren etwa 25 % hormonaktiv: cortisolbildend 10,5 %, aldosteronbildend 5,1 %, katecholaminbildend 8,5 %. Nebennierenrindenkarzinome fanden sich bei 1,4 %, Metastasen bei 3,7 %. Bei bekannter oder früherer Tumorerkrankung außerhalb der Nebenniere steigt der Anteil der Metastasen auf 50–75 %.

Klinik

Die meisten Betroffenen sind beschwerdefrei. Ein nennenswerter Teil der scheinbar hormoninaktiven Adenome bildet jedoch autonom Cortisol (milde autonome Cortisolsekretion) ohne klassisches Cushing-Bild; Hinweise sind Gewichtszunahme, Bluthochdruck und Diabetes mellitus. Kardiometabolische Begleiterkrankungen sind bei hormoninaktiven Adenomen und bei milder Cortisolautonomie häufig.

Eine Nebennierenrindeninsuffizienz ist selten und tritt nur bei beidseitigem Befall auf. Massive beidseitige Einblutungen äußern sich mit Bauchschmerzen, Hämatokritabfall und Zeichen der akuten Nebennierenrindeninsuffizienz. Ein hormoninaktives Nebennierenrindenkarzinom zeigt sich meist als infiltrierender retroperitonealer Prozess oder mit Metastasen.

Diagnostik

Hormondiagnostik

  • Cortisolautonomie: Dexamethason-Hemmtest über Nacht; ein Serumcortisol ab 50 nmol/l (1,8 µg/dl) am Folgemorgen gilt als auffällig.
  • Phäochromozytom: freie Metanephrine im Plasma oder fraktionierte Metanephrine im 24-Stunden-Urin. Der Dexamethason-Hemmtest erfolgt erst nach Ausschluss eines Phäochromozytoms, weil er bei katecholaminbildenden Tumoren eine hypertensive Krise auslösen kann.
  • Primärer Hyperaldosteronismus: Aldosteron und Renin im Plasma (Aldosteron-Renin-Quotient).
  • Verdacht auf Nebennierenrindenkarzinom: zusätzlich Androgene und Vorstufen wie DHEA-S, Androstendion, 17-OH-Progesteron und 11-Desoxycortisol.

Bildgebungskriterien

  • Native CT: Eine Dichte von höchstens 10 HU spricht für ein lipidreiches, gutartiges Adenom; dieser Grenzwert wird in den aktuellen europäischen Leitlinien verwendet.
  • Gutartigkeitskriterien der Leitlinien: Durchmesser unter 4 cm und native Dichte von höchstens 10 HU.
  • Malignitätshinweise: Durchmesser ab 4 cm und native Dichte über 20 HU.
  • CT mit verzögerter Kontrastmittelauswaschung: absoluter Washout über 60 % und relativer Washout über 40 % sprechen für ein Adenom.
  • MRT mit Chemical-Shift-Technik: Signalabfall in der Gegenphase spricht für ein lipidreiches Adenom.

Ergänzende Hinweise zur Bildgebung

  • Lipidarme Adenome: Mindestens 30 % der Adenome sind lipidarm und liegen über 10 HU; sie ähneln dann in der Dichte Phäochromozytomen und malignen Läsionen.
  • Größe: In einer prospektiven Studie maßen 98 % der Nebennierenrindenkarzinome mindestens 4 cm; keines war kleiner als 2 cm.
  • MRT mit Chemical-Shift-Technik: Alternative, besonders wenn jodhaltiges Kontrastmittel nicht möglich ist.
  • Feinnadelbiopsie: nur bei Verdacht auf Metastase oder Infektion und erst nach Ausschluss eines Phäochromozytoms; bei Verdacht auf Nebennierenrindenkarzinom wegen der Gefahr der Tumoraussaat nicht geeignet.

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Nebenniereninzidentalom mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. MSD Manual Professional: Nonfunctional Adrenal Masses
  2. Review of Diagnostic Modalities for Adrenal Incidentaloma (J Clin Med 2023, PMC)
  3. StatPearls: Adrenal Adenoma

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.