Insulinom
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- Insulin produzierender Tumor, Betazelltumor, Inselzelltumor, neuroendokriner Pankreastumor, pNET, Whipple-Trias, Unterzuckerung durch Tumor
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Endokrinologie & Diabetologie
- Bilder
- Makropräparat 1
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
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Definition
Das Insulinom ist ein seltener neuroendokriner Tumor der Betazellen des Pankreas mit autonomer, nicht supprimierbarer Insulinsekretion. Leitbefund ist die Nüchternhypoglykämie; seltener treten auch postprandiale Hypoglykämien auf.
Vorkommen & Epidemiologie
Das Insulinom tritt bei etwa 1 von 250.000 Menschen auf; das mediane Erkrankungsalter liegt bei etwa 50 Jahren. Rund 10 % der Insulinome kommen im Rahmen einer multiplen endokrinen Neoplasie Typ 1 (MEN 1) vor; diese Patientinnen und Patienten erkranken meist schon im dritten Lebensjahrzehnt, und die Tumoren sind häufiger multipel.
Ätiopathogenese
Insulinome gehen von den Inselzellen aus. Etwa 80 % sind solitär, nur etwa 10 % sind maligne. Sie liegen fast immer im Pankreas; in unter 1 % finden sie sich ektop in der Duodenalwand oder im peripankreatischen Gewebe. Die Insulinsekretion des Tumors wird durch die sinkende Glukose nicht gebremst; entsprechend ist Beta-Hydroxybutyrat während der Hypoglykämie niedrig.
Klinik
Die Hypoglykämien treten typischerweise im Nüchternzustand auf. Die Symptome entwickeln sich oft schleichend und werden leicht als psychiatrische oder neurologische Erkrankung verkannt.
- Neuroglykopene Symptome: Kopfschmerz, Verwirrtheit, Sehstörungen, Schwäche, Lähmungen, Ataxie, ausgeprägte Persönlichkeitsveränderungen, Bewusstlosigkeit, Krampfanfälle, Koma
- Sympathikotone Symptome bei raschem Glukoseabfall: Schwächegefühl, Zittern, Herzklopfen, Schwitzen, Hunger, Nervosität
- Der Hyperinsulinismus kann zu Gewichtszunahme beitragen.
Diagnostik
Biochemischer Nachweis
- Hungerversuch: Da viele Betroffene bei der Vorstellung beschwerdefrei sind, wird ein ärztlich begleiteter Fastentest über 48–72 Stunden durchgeführt. Etwa 98 % entwickeln innerhalb von 48 Stunden Symptome, 70–80 % bereits innerhalb von 24 Stunden.
- Whipple-Trias: Symptome während des Fastens, gleichzeitig nachgewiesene Hypoglykämie und Besserung nach Kohlenhydratzufuhr.
- Befunde bei Hypoglykämie (Glukose < 55 mg/dl bzw. 3,0 mmol/l): Insulinspiegel > 6 µU/ml (42 pmol/l), C-Peptid ≥ 0,6 ng/ml (0,2 nmol/l), Proinsulin ≥ 5 pmol/l, niedriges Beta-Hydroxybutyrat und Glukoseanstieg nach Glukagon; das Screening auf orale Antidiabetika ist negativ.
- Abgrenzung zur Hypoglycaemia factitia: Bei heimlicher Zufuhr des Hormons von außen sind C-Peptid und Proinsulin normal oder niedrig.
Lokalisation
Erst nach biochemischer Sicherung folgt die Lokalisationsdiagnostik. Die Endosonographie hat eine Sensitivität von über 90 %; ergänzend kann eine Positronenemissionstomographie (PET) eingesetzt werden. Die CT hat sich zur Lokalisation der meist kleinen Tumoren als wenig hilfreich erwiesen. Die Stadieneinteilung folgt dem TNM-System für gut differenzierte neuroendokrine Tumoren des Pankreas.
Weiterlernen in der App
Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
Querverweise
Weitere Themen: Endokrinologie & Diabetologie
Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.
