Hypophysenvorderlappeninsuffizienz
- Synonyme
- Hypopituitarismus, Panhypopituitarismus, Hypophyseninsuffizienz, Sheehan-Syndrom, Hypophysenapoplex, Hypophysenunterfunktion
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Endokrinologie & Diabetologie
- Bilder
- Histologie 1 · MRT 1
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
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Histologie
MRTDefinition
Die Hypophysenvorderlappeninsuffizienz (Hypopituitarismus) ist ein teilweiser oder vollständiger Ausfall der Hormonbildung im Hypophysenvorderlappen. Fallen alle Vorderlappenhormone aus, spricht man von Panhypopituitarismus; dann ist die Funktion aller nachgeordneten Drüsen vermindert. Das klinische Bild hängt davon ab, welche Hormone fehlen.
Einteilung
- Primär: Erkrankungen der Hypophyse selbst.
- Sekundär: Erkrankungen des Hypothalamus bzw. des Hypophysenstiels.
- Typische Ausfallreihenfolge: meist zuerst Wachstumshormon, dann die Gonadotropine (LH, FSH), zuletzt TSH und ACTH.
- Hinterlappen: Ein Vasopressinmangel ist bei primären Hypophysenerkrankungen selten, bei Läsionen von Hypophysenstiel und Hypothalamus dagegen häufig.
Ätiopathogenese
Ursachen
- Tumoren: Hypophysenadenome, Kraniopharyngeom; hypothalamische Tumoren wie Ependymom, Meningeom, Pinealom und Metastasen.
- Autoimmun oder arzneimittel-induziert: lymphozytäre Hypophysitis; arzneimittel-induzierte Hypophysitis.
- Iatrogen: nach Strahlenexposition der Hypophysenregion, nach Operationen an der Hypophyse, Durchtrennung des Hypophysenstiels.
- Infarkt und Nekrose: Hypophysenapoplex (Einblutung), Schock – besonders peripartal (Sheehan-Syndrom) –, Diabetes mellitus, Sichelzellkrankheit; Gefäßthrombosen oder Aneurysmen der A. carotis interna.
- Infiltration und Entzündung: Hämochromatose, Langerhans-Zell-Histiozytose, Sarkoidose, Meningitis, Hypophysenabszess.
- Trauma: z. B. Schädelbasisfraktur.
- Idiopathisch isolierte oder multiple Hormonmängel.
Klinik
Ausfallsymptome
Der Beginn ist meist schleichend und wird oft nicht bemerkt; selten setzen die Beschwerden plötzlich ein.
- Gonadotropinmangel: bei Kindern verzögerte Pubertät; bei Frauen vor der Menopause Amenorrhö, Libidoverlust, Unfruchtbarkeit und Rückbildung der sekundären Geschlechtsmerkmale; bei Männern erektile Dysfunktion, Hodenatrophie, Libidoverlust und verminderte Spermatogenese.
- Wachstumshormonmangel: bei Erwachsenen oft unbemerkt; verminderte Leistungsfähigkeit, ungünstige Körperzusammensetzung, Dyslipidämie.
- TSH-Mangel: Hypothyreose mit gedunsenem Gesicht, heiserer Stimme, Bradykardie und Kälteintoleranz.
- ACTH-Mangel: Müdigkeit, Hypotonie, verminderte Belastbarkeit bei Stress und Infektionen. Anders als bei primärer Nebennierenrindeninsuffizienz fehlen Hyperpigmentierung, Hyponatriämie durch Aldosteronmangel und Hyperkaliämie, weil das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System intakt bleibt.
- Hypothalamische Läsionen: Störungen der Appetitregulation mit Magersucht-ähnlichem Bild oder Hyperphagie und Adipositas.
Akute Formen
- Sheehan-Syndrom: Nekrose der in der Schwangerschaft vergrößerten Hypophyse durch Hypovolämie und Schock unter der Geburt. Die Milchbildung setzt nicht ein; Müdigkeit und Verlust der Scham- und Achselbehaarung folgen.
- Hypophysenapoplex: hämorrhagischer Infarkt, meist eines Hypophysentumors. Akut stärkste Kopfschmerzen, Nackensteife, Fieber, Gesichtsfeldausfälle und Augenmuskellähmungen; durch Ödem Somnolenz bis Koma; plötzliche Hypophyseninsuffizienz mit Kreislaufkollaps durch ACTH- und Cortisolmangel.
Diagnostik
- Schilddrüsenachse: freies T4 erniedrigt bei normalem oder unangemessen niedrigem TSH (zentrale Hypothyreose); ein erhöhtes TSH spricht dagegen für eine primäre Schilddrüsenerkrankung.
- Nebennierenachse: Das ACTH allein ist wenig hilfreich. Ein sehr niedriges Morgencortisol (unter 3,5 µg/dl bzw. 96,6 nmol/l zwischen 7:30 und 9:00 Uhr) spricht stark für einen Cortisolmangel; Werte über 18 µg/dl (500 nmol/l, polyklonale Assays) bzw. über 15 µg/dl (415 nmol/l, monoklonale Assays oder LC-MS/MS) schließen ihn aus.
- Kurzer ACTH-Test: pathologisch bei einem Spitzencortisol unter 18 µg/dl (polyklonale Assays) bzw. unter 15 µg/dl (monoklonale Assays oder LC-MS/MS); bei frischem ACTH-Mangel erst 2–4 Wochen nach Beginn aussagekräftig.
- Insulinhypoglykämietest: genaueste Prüfung der ACTH- und GH-Sekretionsfähigkeit, wegen seiner Risiken nur unter ärztlicher Aufsicht.
- Gonadenachse: Testosteron bzw. Östradiol; LH und FSH sind besonders bei Frauen nach der Menopause aussagekräftig, bei denen sie normalerweise über 30 IU/l liegen. Vor der Menopause ist die Zyklusanamnese aussagekräftiger.
- Wachstumshormon: niedriges IGF-1 spricht für einen Mangel, ein normales schließt ihn nicht aus; bei drei oder mehr weiteren Hormonausfällen und niedrigem IGF-1 ist ein GH-Mangel nahezu sicher.
- Prolaktin: bei großen Tumoren durch Stielkompression oft bis auf das Fünffache erhöht.
- Bildgebung: hochauflösende MRT oder CT mit Kontrastmittel zum Nachweis struktureller Ursachen; ohne Schnittbildgebung kann eine seitliche Sella-Aufnahme Makroadenome über 10 mm zeigen.
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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
Querverweise
Weitere Themen: Endokrinologie & Diabetologie
Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.