Hypophysenvorderlappeninsuffizienz

Synonyme
Hypopituitarismus, Panhypopituitarismus, Hypophyseninsuffizienz, Sheehan-Syndrom, Hypophysenapoplex, Hypophysenunterfunktion
Fachgebiet
Innere Medizin · Endokrinologie & Diabetologie
Bilder
Histologie 1 · MRT 1
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Bilder (2)
  2. Definition
  3. Einteilung
  4. Ätiopathogenese
  5. Klinik
  6. Diagnostik
  7. Weiterlernen in der App
  8. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  9. Querverweise

Bilder (2)

Hypophysenvorderlappeninsuffizienz – Hormoninaktives Hypophysenadenom (HE): monotone Tumorzellen in Pseudorosetten um GefäßeHistologie
Hormoninaktives Hypophysenadenom (HE): monotone Tumorzellen in Pseudorosetten um GefäßeBild: Jensflorian (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 4.0 · Quelle
Hypophysenvorderlappeninsuffizienz – Baby – MRT des Kopfes bei angeborener Hypophyseninsuffizienz (Säugling): ektope, T1-helle Neurohypophyse an der Eminentia mediana (Kreis) statt in der SellaMRT
MRT des Kopfes bei angeborener Hypophyseninsuffizienz (Säugling): ektope, T1-helle Neurohypophyse an der Eminentia mediana (Kreis) statt in der SellaBild: Hellerhoff (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 4.0 · Quelle
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Definition

Die Hypophysenvorderlappeninsuffizienz (Hypopituitarismus) ist ein teilweiser oder vollständiger Ausfall der Hormonbildung im Hypophysenvorderlappen. Fallen alle Vorderlappenhormone aus, spricht man von Panhypopituitarismus; dann ist die Funktion aller nachgeordneten Drüsen vermindert. Das klinische Bild hängt davon ab, welche Hormone fehlen.

Einteilung

  • Primär: Erkrankungen der Hypophyse selbst.
  • Sekundär: Erkrankungen des Hypothalamus bzw. des Hypophysenstiels.
  • Typische Ausfallreihenfolge: meist zuerst Wachstumshormon, dann die Gonadotropine (LH, FSH), zuletzt TSH und ACTH.
  • Hinterlappen: Ein Vasopressinmangel ist bei primären Hypophysenerkrankungen selten, bei Läsionen von Hypophysenstiel und Hypothalamus dagegen häufig.

Ätiopathogenese

Ursachen

  • Tumoren: Hypophysenadenome, Kraniopharyngeom; hypothalamische Tumoren wie Ependymom, Meningeom, Pinealom und Metastasen.
  • Autoimmun oder arzneimittel-induziert: lymphozytäre Hypophysitis; arzneimittel-induzierte Hypophysitis.
  • Iatrogen: nach Strahlenexposition der Hypophysenregion, nach Operationen an der Hypophyse, Durchtrennung des Hypophysenstiels.
  • Infarkt und Nekrose: Hypophysenapoplex (Einblutung), Schock – besonders peripartal (Sheehan-Syndrom) –, Diabetes mellitus, Sichelzellkrankheit; Gefäßthrombosen oder Aneurysmen der A. carotis interna.
  • Infiltration und Entzündung: Hämochromatose, Langerhans-Zell-Histiozytose, Sarkoidose, Meningitis, Hypophysenabszess.
  • Trauma: z. B. Schädelbasisfraktur.
  • Idiopathisch isolierte oder multiple Hormonmängel.

Klinik

Ausfallsymptome

Der Beginn ist meist schleichend und wird oft nicht bemerkt; selten setzen die Beschwerden plötzlich ein.

  • Gonadotropinmangel: bei Kindern verzögerte Pubertät; bei Frauen vor der Menopause Amenorrhö, Libidoverlust, Unfruchtbarkeit und Rückbildung der sekundären Geschlechtsmerkmale; bei Männern erektile Dysfunktion, Hodenatrophie, Libidoverlust und verminderte Spermatogenese.
  • Wachstumshormonmangel: bei Erwachsenen oft unbemerkt; verminderte Leistungsfähigkeit, ungünstige Körperzusammensetzung, Dyslipidämie.
  • TSH-Mangel: Hypothyreose mit gedunsenem Gesicht, heiserer Stimme, Bradykardie und Kälteintoleranz.
  • ACTH-Mangel: Müdigkeit, Hypotonie, verminderte Belastbarkeit bei Stress und Infektionen. Anders als bei primärer Nebennierenrindeninsuffizienz fehlen Hyperpigmentierung, Hyponatriämie durch Aldosteronmangel und Hyperkaliämie, weil das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System intakt bleibt.
  • Hypothalamische Läsionen: Störungen der Appetitregulation mit Magersucht-ähnlichem Bild oder Hyperphagie und Adipositas.

Akute Formen

  • Sheehan-Syndrom: Nekrose der in der Schwangerschaft vergrößerten Hypophyse durch Hypovolämie und Schock unter der Geburt. Die Milchbildung setzt nicht ein; Müdigkeit und Verlust der Scham- und Achselbehaarung folgen.
  • Hypophysenapoplex: hämorrhagischer Infarkt, meist eines Hypophysentumors. Akut stärkste Kopfschmerzen, Nackensteife, Fieber, Gesichtsfeldausfälle und Augenmuskellähmungen; durch Ödem Somnolenz bis Koma; plötzliche Hypophyseninsuffizienz mit Kreislaufkollaps durch ACTH- und Cortisolmangel.

Diagnostik

  • Schilddrüsenachse: freies T4 erniedrigt bei normalem oder unangemessen niedrigem TSH (zentrale Hypothyreose); ein erhöhtes TSH spricht dagegen für eine primäre Schilddrüsenerkrankung.
  • Nebennierenachse: Das ACTH allein ist wenig hilfreich. Ein sehr niedriges Morgencortisol (unter 3,5 µg/dl bzw. 96,6 nmol/l zwischen 7:30 und 9:00 Uhr) spricht stark für einen Cortisolmangel; Werte über 18 µg/dl (500 nmol/l, polyklonale Assays) bzw. über 15 µg/dl (415 nmol/l, monoklonale Assays oder LC-MS/MS) schließen ihn aus.
  • Kurzer ACTH-Test: pathologisch bei einem Spitzencortisol unter 18 µg/dl (polyklonale Assays) bzw. unter 15 µg/dl (monoklonale Assays oder LC-MS/MS); bei frischem ACTH-Mangel erst 2–4 Wochen nach Beginn aussagekräftig.
  • Insulinhypoglykämietest: genaueste Prüfung der ACTH- und GH-Sekretionsfähigkeit, wegen seiner Risiken nur unter ärztlicher Aufsicht.
  • Gonadenachse: Testosteron bzw. Östradiol; LH und FSH sind besonders bei Frauen nach der Menopause aussagekräftig, bei denen sie normalerweise über 30 IU/l liegen. Vor der Menopause ist die Zyklusanamnese aussagekräftiger.
  • Wachstumshormon: niedriges IGF-1 spricht für einen Mangel, ein normales schließt ihn nicht aus; bei drei oder mehr weiteren Hormonausfällen und niedrigem IGF-1 ist ein GH-Mangel nahezu sicher.
  • Prolaktin: bei großen Tumoren durch Stielkompression oft bis auf das Fünffache erhöht.
  • Bildgebung: hochauflösende MRT oder CT mit Kontrastmittel zum Nachweis struktureller Ursachen; ohne Schnittbildgebung kann eine seitliche Sella-Aufnahme Makroadenome über 10 mm zeigen.

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Hypophysenvorderlappeninsuffizienz mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. MSD Manual Professional: Generalized Hypopituitarism
  2. MSD Manual Professional: Secondary Adrenal Insufficiency

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.