Hypoparathyreoidismus
- Synonyme
- Nebenschilddrüsenunterfunktion, Parathormonmangel, postoperativer Hypoparathyreoidismus, Pseudohypoparathyreoidismus, Albright-Osteodystrophie
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Endokrinologie & Diabetologie
- Bilder
- CT 1
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
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CTDefinition
Der Hypoparathyreoidismus ist ein Mangel an Parathormon (PTH). Er führt zu Hypokalzämie und Hyperphosphatämie und verursacht häufig eine chronische Tetanie.
Davon abzugrenzen ist der Pseudohypoparathyreoidismus: eine seltene Gruppe erblicher Erkrankungen mit Unempfindlichkeit der Zielorgane gegenüber PTH; das PTH ist hier nicht vermindert, sondern erhöht.
Eine Hypokalzämie liegt vor bei einem Gesamtcalcium unter 8,8 mg/dl (2,20 mmol/l) bei normalen Plasmaproteinen oder einem ionisierten Calcium unter 4,7 mg/dl (1,17 mmol/l).
Einteilung
Ursachen
- Postoperativ: Schädigung mehrerer Nebenschilddrüsen nach Eingriffen an Schilddrüse oder Nebenschilddrüsen. Ein vorübergehender Hypoparathyreoidismus ist danach häufig, ein dauerhafter selten. Häufiger ist er nach Eingriffen wegen Schilddrüsenkrebs und nach Eingriffen an den Nebenschilddrüsen selbst.
- Autoimmun: isoliert oder im Rahmen eines polyglandulären Autoimmunsyndroms, auch zusammen mit mukokutaner Candidiasis.
- Angeboren bzw. idiopathisch: fehlende oder atrophische Nebenschilddrüsen, Manifestation im Kindesalter; z. B. DiGeorge-Syndrom mit Thymusaplasie oder X-chromosomal-rezessive Form.
- Funktionell: ausgeprägter Magnesiummangel (meist unter 1,0 mg/dl, entsprechend etwa 0,4 mmol/l) verursacht einen relativen PTH-Mangel und eine verminderte PTH-Wirkung.
- Pseudohypoparathyreoidismus: Typ Ia (hereditäre Albright-Osteodystrophie, GNAS1-Mutation), Typ Ib (ohne körperliche Auffälligkeiten) und Typ II; bei väterlich vererbter GNAS1-Mutation ohne Hypokalzämie spricht man von Pseudopseudohypoparathyreoidismus.
Ätiopathogenese
PTH steigert normalerweise das Serumcalcium und die renale Phosphatausscheidung. Fehlt PTH, sinkt das Calcium, und das Phosphat steigt. Beim Pseudohypoparathyreoidismus Typ Ia ist durch eine GNAS1-Mutation das stimulierende G-Protein des Adenylatcyclase-Komplexes gestört: Die Niere reagiert auf PTH weder mit vermehrter Phosphatausscheidung noch mit einem Anstieg des cAMP im Urin. Da in der Niere nur das mütterliche GNAS1-Allel abgelesen wird, entwickeln Träger einer väterlich vererbten Mutation keine Hypokalzämie.
Klinik
- Neuromuskuläre Übererregbarkeit: Kribbeln an Händen und um den Mund, Muskelkrämpfe, in schweren Fällen Tetanie mit Karpopedalspasmen.
- Schwere Hypokalzämie (Calcium unter 7 mg/dl bzw. 1,75 mmol/l): Hyperreflexie, Laryngospasmus, generalisierte Krampfanfälle; gelegentlich Papillenödem.
- Zeitlicher Verlauf nach Eingriffen: Symptome meist 24–48 Stunden postoperativ, gelegentlich erst nach Monaten oder Jahren.
- Chronische Hypokalzämie: trockene, schuppige Haut, brüchige Nägel, grobes Haar, Katarakt; Candida-Infektionen vor allem bei idiopathischem Hypoparathyreoidismus.
- Pseudohypoparathyreoidismus Typ Ia: Kleinwuchs, rundes Gesicht, verkürzte Mittelhand- und Mittelfußknochen (besonders I, IV und V), Intelligenzminderung, Basalganglienverkalkung, gelegentlich Vitiligo.
Diagnostik
- Klinische Zeichen der latenten Tetanie: Chvostek-Zeichen (Zucken der Gesichtsmuskulatur beim Beklopfen des N. facialis vor dem äußeren Gehörgang; bei bis zu 10 % der Gesunden positiv, bei chronischer Hypokalzämie oft negativ) und Trousseau-Zeichen (Pfötchenstellung, wenn eine Blutdruckmanschette 3 Minuten lang 20 mmHg über dem systolischen Druck am Arm aufgepumpt wird; auch bei etwa 6 % ohne Elektrolytstörung).
- Calcium: erniedrigt; bei Hypoalbuminämie ist das Gesamtcalcium nur scheinbar vermindert – maßgeblich ist das ionisierte bzw. albuminkorrigierte Calcium.
- Intaktes PTH: niedrig oder unangemessen niedrig-normal trotz Hypokalzämie; nicht messbares PTH spricht für einen idiopathischen Hypoparathyreoidismus. Ein hohes PTH weist auf einen Pseudohypoparathyreoidismus oder eine Störung des Vitamin-D-Stoffwechsels hin.
- Weitere Werte: Phosphat erhöht, alkalische Phosphatase normal; Magnesium, Nierenfunktion und Vitamin D (25-OH und 1,25-(OH)2) zur Ursachenklärung.
- Pseudohypoparathyreoidismus Typ I: trotz hohen PTH kein Anstieg von cAMP und Phosphat im Urin, auch nicht nach Stimulation mit PTH.
- EKG bei schwerer Hypokalzämie: verlängertes QTc- und ST-Intervall, Repolarisationsstörungen; gelegentlich Rhythmusstörungen oder AV-Block.
Weiterlernen in der App
Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
Querverweise
Weitere Themen: Endokrinologie & Diabetologie
Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.