Hypoglykämie

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Synonyme
Unterzuckerung, Unterzucker, Hypo, niedriger Blutzucker, Whipple-Trias, Hungerversuch, Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörung
Fachgebiet
Innere Medizin · Endokrinologie & Diabetologie
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Definition
  2. Einteilung
  3. Ätiopathogenese
  4. Klinik
  5. Diagnostik
  6. Weiterlernen in der App
  7. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  8. Querverweise

Definition

Eine Hypoglykämie ist eine erniedrigte Plasmaglukose, die eine Aktivierung des sympathischen Nervensystems und Funktionsstörungen des Zentralnervensystems auslösen kann. Bei Menschen mit Diabetes unter glukosesenkenden Medikamenten gilt ein Wert < 70 mg/dl (< 3,9 mmol/l) als Hypoglykämie.

Ohne Diabetes ist eine Hypoglykämie selten. Für die Diagnose einer hypoglykämischen Erkrankung ist dann die Whipple-Trias zu sichern: Symptome einer Hypoglykämie, gleichzeitig niedrige Plasmaglukose (< 55 mg/dl bzw. < 3,0 mmol/l) und Besserung der Symptome nach Zufuhr von Glukose.

Einteilung

Schweregrade bei Diabetes:

  • Level 1: Glukose < 70 mg/dl (< 3,9 mmol/l), aber ≥ 54 mg/dl (≥ 3,0 mmol/l)
  • Level 2: Glukose < 54 mg/dl (< 3,0 mmol/l)
  • Level 3 (schwer): Hypoglykämie, bei der wegen veränderter geistiger oder körperlicher Verfassung Fremdhilfe nötig ist

Ohne Diabetes wird nach dem Zeitpunkt (nüchtern oder postprandial, etwa 1–3 Stunden nach einer Mahlzeit) und nach dem Mechanismus unterschieden: mit oder ohne Hyperinsulinämie.

Ätiopathogenese

Ursachen

  • Bei Diabetes: Häufigste Ursache überhaupt sind glukosesenkende Medikamente. Auch körperliche Belastung kann, besonders bei Typ-1-Diabetes, eine Hypoglykämie auslösen.
  • Ohne Diabetes, mit Hyperinsulinämie: Insulinom; postbariatrische Hypoglykämie (meist postprandial, histologisch Nesidioblastose); nicht-insulinombedingte pankreatogene Hypoglykämie (NIPHS); Autoimmunhypoglykämie (Hirata-Syndrom) durch Antikörper, meist bei anderen Autoimmunerkrankungen; heimliche Einnahme glukosesenkender Medikamente (Hypoglycaemia factitia).
  • Ohne Diabetes, ohne Hyperinsulinämie: Alkohol und bestimmte Medikamente, schwere Leber-, Nieren- oder Herzinsuffizienz, Sepsis, Mangelernährung, Nebennierenrindeninsuffizienz und angeborene Stoffwechselstörungen wie Glykogenosen.
  • Tumorhypoglykämie ohne Inselzelltumor (NICTH): Ein Tumor bildet große Mengen abnormer Formen des Insulin-like Growth Factor 2 (IGF-2), die die Hypoglykämie verursachen; meist ist der Tumor dann bereits fortgeschritten.
  • Pseudohypoglykämie: falsch niedrige Werte durch Glukoseverbrauch der Blutzellen bei verzögerter Probenverarbeitung (besonders bei Leukämie oder Polyzythämie) oder durch schlechte Durchblutung der Finger.

Klinik

  • Autonome (adrenerge) Symptome: Schwitzen, Zittern, Herzklopfen, Unruhe und Angst, Wärmegefühl, Übelkeit, Hunger, Parästhesien. Unter kontrollierten Bedingungen beginnen sie bei etwa 60 mg/dl (3,3 mmol/l).
  • Neuroglykopene Symptome: Kopfschmerz, verschwommenes Sehen oder Doppelbilder, Verwirrtheit, Agitation, Krampfanfälle, Koma; meist ab etwa 50 mg/dl (2,8 mmol/l).
  • Ältere Menschen: schlaganfallähnliche Bilder mit Aphasie oder Hemiparese; Hypoglykämien begünstigen Schlaganfall, Myokardinfarkt und plötzlichen Herztod.
  • Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörung: Bei Typ-1-Diabetes, langjährigem Typ-2-Diabetes oder häufigen Hypoglykämien fehlen die Warnsymptome, sodass schwere Episoden ohne Vorboten auftreten.
  • Gegenregulatorische Hyperglykämie: Nach einer Hypoglykämie kann die Glukose durch die Gegenregulation deutlich ansteigen.

Die Schwellen sind individuell verschieden: Manche Menschen haben bei diesen Werten keine Symptome, andere haben typische Beschwerden bei normaler Glukose.

Diagnostik

  • Glukosemessung: Bei Symptomen Laborglukose aus einem Röhrchen mit Glykolysestopp (z. B. Fluoridröhrchen). Blutzuckermessgeräte und Glukosesensoren sind im hypoglykämischen Bereich ungenau; der HbA1c hilft nicht weiter.
  • Abklärung ohne erkennbare Ursache: Aus derselben Probe während der Hypoglykämie werden Insulinspiegel, C-Peptid und Proinsulin bestimmt, ergänzt um Beta-Hydroxybutyrat, ein Screening auf orale Antidiabetika und Insulin-Autoantikörper. So lassen sich eine Hypoglykämie mit Hyperinsulinämie, eine ohne Hyperinsulinämie und eine Hypoglycaemia factitia unterscheiden.
  • Hungerversuch: Standard ist ein ärztlich begleiteter Fastentest über bis zu 72 Stunden; bei fast allen Betroffenen genügen 48 Stunden. Glukose wird alle 4–6 Stunden bestimmt, unter 70 mg/dl (3,9 mmol/l) alle 1–2 Stunden. Fällt die Glukose unter 55 mg/dl (3,05 mmol/l), werden die Hormonparameter abgenommen. Der Test endet nach 72 Stunden oder bei Glukose ≤ 45 mg/dl (≤ 2,5 mmol/l) mit Symptomen.
  • Postprandiale Beschwerden: Statt des Fastentests wird eine gemischte Testmahlzeit eingesetzt; Glukose, Insulinspiegel und C-Peptid werden bis zu 4 Stunden lang alle 30 Minuten gemessen.

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Hypoglykämie mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. MSD Manual Professional: Hypoglycemia
  2. MSD Manual Professional: Type 1 Diabetes Mellitus

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.