Fokal segmentale Glomerulosklerose (FSGS)
- Synonyme
- FSGS, fokal-segmentale Glomerulosklerose, kollabierende Glomerulopathie, HIV-assoziierte Nephropathie
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Nephrologie
- Bilder
- Histologie 2
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
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Histologie
HistologieDefinition
Die fokal segmentale Glomerulosklerose (FSGS) ist ein histologisches Schädigungsmuster: Nur ein Teil der Glomeruli ist betroffen (fokal), und in diesen nur ein Abschnitt des Kapillarknäuels (segmental), der vernarbt und hyalinisiert. Klinisch führt sie meist zu einer großen, oft nephrotischen Proteinurie.
Vorkommen & Epidemiologie
In den USA ist die FSGS die häufigste Ursache eines idiopathischen nephrotischen Syndroms bei Erwachsenen; Schwarze Männer sind besonders häufig betroffen.
Ätiopathogenese
- Primär (idiopathisch): Schädigung der Podozyten, vermutlich durch zirkulierende Faktoren
- Familiär/genetisch: erbliche Defekte von Strukturproteinen der Schlitzmembran
- Sekundär-adaptiv: Überlastung verbliebener Nephrone bei verminderter Nephronzahl (Refluxnephropathie, Nierendysplasie, Oligomeganephronie) oder bei Adipositas
- Sekundär durch Viren und Substanzen: HIV-Infektion (HIV-assoziierte Nephropathie), Heroin, bestimmte Medikamente; außerdem Atheroembolien der Niere
Die Filterbarriere ist für Größe und Ladung gestört; die Proteinurie ist daher meist unselektiv und umfasst neben Albumin auch großmolekulare Proteine.
Klinik
Typisch sind große Proteinurie, Hypertonie, eingeschränkte Nierenfunktion und Ödeme, einzeln oder in Kombination. Manchmal besteht nur eine symptomlose Proteinurie unterhalb des nephrotischen Bereichs; eine Mikrohämaturie kommt gelegentlich vor. Die kollabierende Variante verläuft besonders schwer und schreitet rasch zum Nierenversagen fort.
Histologie
- Lichtmikroskopisch herdförmige, segmentale Sklerose und Hyalinose einzelner Glomeruli; daneben normale Glomeruli. Wird kein betroffenes Glomerulum erfasst, kann die Biopsie falsch negativ sein.
- Immunfluoreszenz: grobgranuläre bis noduläre Ablagerungen von IgM und C3 in sklerosierten Arealen
- Elektronenmikroskopie: diffuse Verschmelzung der Podozytenfußfortsätze bei primärer FSGS, eher fleckförmig bei sekundären Formen
- Varianten: u. a. Tip-Läsion (Sklerose am Abgang des Tubulus) und kollabierende Variante (gefältete, kollabierte Kapillarschlingen; typisch bei HIV oder intravenösem Drogenkonsum)
Diagnostik
Bei unklarer Proteinurie, nephrotischem Syndrom oder Nierenfunktionsstörung: Urinstatus und -sediment, Kreatinin und Harnstoff, 24-Stunden-Proteinurie oder Protein-Kreatinin-Quotient, HIV-Serologie und Anamnese zu Drogen und Medikamenten. Gesichert wird die Diagnose durch die Nierenbiopsie mit Immunfluoreszenz und Elektronenmikroskopie.
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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
Querverweise
Weitere Themen: Nephrologie
- Akute Nierenschädigung (akutes Nierenversagen)
- Nephrotisches Syndrom
- Chronische Nierenkrankheit (chronische Niereninsuffizienz)
- Nephritisches Syndrom und Glomerulonephritis
- Akute interstitielle Nephritis
- Goodpasture-Syndrom (Anti-GBM-Erkrankung)
- Membranöse Nephropathie
- Nierenarterienstenose
- Diabetische Nephropathie
- Harnwegsinfektion und Zystitis
- Akute Pyelonephritis
- Autosomal-dominante polyzystische Nierenerkrankung (ADPKD)
Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.