Diabetisches Fußsyndrom
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- diabetischer Fuß, Diabetesfuß, DFS, Malum perforans, Charcot-Fuß, offener Fuß bei Diabetes, Fußulkus
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Endokrinologie & Diabetologie
- Bilder
- Klinik 3 · Röntgen 1
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
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RöntgenDefinition
Das diabetische Fußsyndrom (DFS) umfasst Hautveränderungen, Ulzerationen, Infektionen und Gangrän am Fuß von Menschen mit Diabetes. Es beruht auf einer Neuropathie und/oder einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) sowie einer erhöhten Infektanfälligkeit und kann bis zur Amputation führen.
Einteilung
Wagner-Armstrong-Klassifikation
Wagner-Grade (Tiefe und Ausdehnung der Läsion):
- Grad 0: keine Läsion, ggf. Fußdeformität oder Zellulitis
- Grad 1: oberflächliche Ulzeration
- Grad 2: tiefes Ulkus bis zur Gelenkkapsel, zu Sehnen oder Knochen
- Grad 3: tiefes Ulkus mit Abszedierung, Osteomyelitis oder Infektion der Gelenkkapsel
- Grad 4: begrenzte Nekrose im Vorfuß- oder Fersenbereich
- Grad 5: Nekrose des gesamten Fußes
Armstrong-Stadien (Zusatzbefunde):
- A: keine Infektion, keine Ischämie
- B: Infektion
- C: Ischämie
- D: Infektion und Ischämie
Vorkommen & Epidemiologie
Nach Angaben des Robert Koch-Instituts war 2013 bei 6,2 % der gesetzlich versicherten Menschen mit Diabetes ein diabetisches Fußsyndrom dokumentiert (Frauen 5,7 %, Männer 6,6 %); die Häufigkeit steigt annähernd linear mit dem Alter. Im DMP (strukturiertes Versorgungsprogramm) Nordrhein-Westfalen hatten 2020 9,6 % der Menschen mit Typ-2-Diabetes einen auffälligen Fußstatus.
Ätiopathogenese
Pathogenese
- 3 pathogenetische Säulen: Neuropathie + paVK + Infektion.
- Neuropathischer Fuß: warm + rosig + Pulse kräftig + schmerzlos.
- Ischämischer Fuß: kalt + livide + Pulse fehlen.
- Charcot-Fuß: neuropathische Osteoarthropathie + 'rocker-bottom'.
- Sensible Neuropathie: Druckstellen, Fremdkörper und kleine Verletzungen werden nicht wahrgenommen.
- Motorische Neuropathie: Muskelatrophie führt zu Fußdeformitäten wie Krallen- und Hammerzehen mit Druckspitzen unter den Mittelfußköpfchen.
- Autonome Neuropathie: trockene, rissige Haut durch fehlende Schweißbildung erleichtert das Eindringen von Erregern.
- Makroangiopathie: Die pAVK bei Diabetes betrifft bevorzugt die Unterschenkelarterien; eine Mediasklerose ist häufig.
- Mikroangiopathie und Immunschwäche beeinträchtigen Wundreparatur und Infektabwehr; selbst kleine Hautdefekte können sich zu tiefen, infizierten Ulzera entwickeln.
Klinik
- Neuropathisches Ulkus (Malum perforans): schmerzloses, oft von Hornhaut umgebenes Ulkus an Druckstellen, typisch plantar unter den Mittelfußköpfchen; Fuß warm, Pulse tastbar.
- Ischämisches Ulkus: schmerzhafte Nekrosen an Zehen, Ferse oder Fußrand; Fuß kühl, blass bis livide, Pulse fehlen. Bei begleitender Neuropathie kann der Ischämieschmerz fehlen.
- Infektion: Rötung, Schwellung, Überwärmung, Sekretion; Ausbreitung in Weichteile und Knochen bis zur Osteomyelitis. Allgemeinzeichen können fehlen.
- Charcot-Fuß: akut warmer, geröteter, geschwollener, oft wenig schmerzhafter Fuß; im Verlauf Frakturen, Subluxationen und Zerstörung des Fußgewölbes bis zum Tintenlöscherfuß (rocker-bottom).
- Gangrän: trocken oder feucht-infiziert, lokal an Zehen oder Ferse bis zum gesamten Fuß.
Diagnostik
- Inspektion beider Füße: Haut, Hornhaut, Rhagaden, Nägel (Onychomykose), Haarverlust, Deformitäten, Ulzera mit Lage, Größe und Tiefe; Schuhe
- Neurologischer Status: Druckempfinden mit 10-g-Monofilament, Vibrationsempfinden, Schmerz- und Temperaturempfinden, Achillessehnenreflexe
- Durchblutung: Fußpulse, Knöchel-Arm-Index (bei Mediasklerose falsch hoch), ergänzend Zehendruck bzw. Zehen-Arm-Index, transkutaner Sauerstoffpartialdruck und farbkodierte Duplexsonographie
- Infektion und Knochen: Sondierung bis auf den Knochen (Probe-to-Bone), Wundabstrich bzw. Gewebeprobe zur Erregerbestimmung, Röntgen des Fußes, MRT bei Verdacht auf Osteomyelitis oder Charcot-Fuß
- Labor: Entzündungswerte, Glukosestoffwechsel und Nierenfunktion
Weiterlernen in der App
Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
Querverweise
Weitere Themen: Endokrinologie & Diabetologie
Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.