Diabetisches Fußsyndrom

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Synonyme
diabetischer Fuß, Diabetesfuß, DFS, Malum perforans, Charcot-Fuß, offener Fuß bei Diabetes, Fußulkus
Fachgebiet
Innere Medizin · Endokrinologie & Diabetologie
Bilder
Klinik 3 · Röntgen 1
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Bilder (4)
  2. Definition
  3. Einteilung
  4. Vorkommen & Epidemiologie
  5. Ätiopathogenese
  6. Klinik
  7. Diagnostik
  8. Weiterlernen in der App
  9. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  10. Querverweise

Bilder (4)

Diabetisches Fußsyndrom (diabetischer Fuß) – klinisches Foto: Diabetisches Fußulkus an der Fußsohle
Diabetisches Fußulkus an der FußsohleBild: Dr. Lorimer (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 4.0 · Quelle
Diabetisches Fußsyndrom (diabetischer Fuß) – klinisches Foto: Diabetisches Ulkus an der Zehe
Diabetisches Ulkus an der ZeheBild: Mark A. Dreyer, DPM, FACFAS (Wikimedia Commons) · CC BY 4.0 · Quelle
Diabetisches Fußsyndrom (diabetischer Fuß) – klinisches Foto: Charcot-Fuß: Einbruch des Fußgewölbes mit Wiegenkufenfuß, Schwellung und Ulkus über der Fußsohle
Charcot-Fuß: Einbruch des Fußgewölbes mit Wiegenkufenfuß, Schwellung und Ulkus über der FußsohleBild: Medicalpal (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 4.0 · Quelle
Diabetisches Fußsyndrom (diabetischer Fuß) – Röntgen Fuß in 2 Ebenen: Charcot-Arthropathie mit Destruktion und Fehlstellung in der Lisfranc-GelenklinieRöntgen
Röntgen Fuß in 2 Ebenen: Charcot-Arthropathie mit Destruktion und Fehlstellung in der Lisfranc-GelenklinieBild: Hellerhoff (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 4.0 · Quelle
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Definition

Das diabetische Fußsyndrom (DFS) umfasst Hautveränderungen, Ulzerationen, Infektionen und Gangrän am Fuß von Menschen mit Diabetes. Es beruht auf einer Neuropathie und/oder einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) sowie einer erhöhten Infektanfälligkeit und kann bis zur Amputation führen.

Einteilung

Wagner-Armstrong-Klassifikation

Wagner-Grade (Tiefe und Ausdehnung der Läsion):

  • Grad 0: keine Läsion, ggf. Fußdeformität oder Zellulitis
  • Grad 1: oberflächliche Ulzeration
  • Grad 2: tiefes Ulkus bis zur Gelenkkapsel, zu Sehnen oder Knochen
  • Grad 3: tiefes Ulkus mit Abszedierung, Osteomyelitis oder Infektion der Gelenkkapsel
  • Grad 4: begrenzte Nekrose im Vorfuß- oder Fersenbereich
  • Grad 5: Nekrose des gesamten Fußes

Armstrong-Stadien (Zusatzbefunde):

  • A: keine Infektion, keine Ischämie
  • B: Infektion
  • C: Ischämie
  • D: Infektion und Ischämie

Vorkommen & Epidemiologie

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts war 2013 bei 6,2 % der gesetzlich versicherten Menschen mit Diabetes ein diabetisches Fußsyndrom dokumentiert (Frauen 5,7 %, Männer 6,6 %); die Häufigkeit steigt annähernd linear mit dem Alter. Im DMP (strukturiertes Versorgungsprogramm) Nordrhein-Westfalen hatten 2020 9,6 % der Menschen mit Typ-2-Diabetes einen auffälligen Fußstatus.

Ätiopathogenese

Pathogenese

  • 3 pathogenetische Säulen: Neuropathie + paVK + Infektion.
  • Neuropathischer Fuß: warm + rosig + Pulse kräftig + schmerzlos.
  • Ischämischer Fuß: kalt + livide + Pulse fehlen.
  • Charcot-Fuß: neuropathische Osteoarthropathie + 'rocker-bottom'.
  • Sensible Neuropathie: Druckstellen, Fremdkörper und kleine Verletzungen werden nicht wahrgenommen.
  • Motorische Neuropathie: Muskelatrophie führt zu Fußdeformitäten wie Krallen- und Hammerzehen mit Druckspitzen unter den Mittelfußköpfchen.
  • Autonome Neuropathie: trockene, rissige Haut durch fehlende Schweißbildung erleichtert das Eindringen von Erregern.
  • Makroangiopathie: Die pAVK bei Diabetes betrifft bevorzugt die Unterschenkelarterien; eine Mediasklerose ist häufig.
  • Mikroangiopathie und Immunschwäche beeinträchtigen Wundreparatur und Infektabwehr; selbst kleine Hautdefekte können sich zu tiefen, infizierten Ulzera entwickeln.

Klinik

  • Neuropathisches Ulkus (Malum perforans): schmerzloses, oft von Hornhaut umgebenes Ulkus an Druckstellen, typisch plantar unter den Mittelfußköpfchen; Fuß warm, Pulse tastbar.
  • Ischämisches Ulkus: schmerzhafte Nekrosen an Zehen, Ferse oder Fußrand; Fuß kühl, blass bis livide, Pulse fehlen. Bei begleitender Neuropathie kann der Ischämieschmerz fehlen.
  • Infektion: Rötung, Schwellung, Überwärmung, Sekretion; Ausbreitung in Weichteile und Knochen bis zur Osteomyelitis. Allgemeinzeichen können fehlen.
  • Charcot-Fuß: akut warmer, geröteter, geschwollener, oft wenig schmerzhafter Fuß; im Verlauf Frakturen, Subluxationen und Zerstörung des Fußgewölbes bis zum Tintenlöscherfuß (rocker-bottom).
  • Gangrän: trocken oder feucht-infiziert, lokal an Zehen oder Ferse bis zum gesamten Fuß.

Diagnostik

  • Inspektion beider Füße: Haut, Hornhaut, Rhagaden, Nägel (Onychomykose), Haarverlust, Deformitäten, Ulzera mit Lage, Größe und Tiefe; Schuhe
  • Neurologischer Status: Druckempfinden mit 10-g-Monofilament, Vibrationsempfinden, Schmerz- und Temperaturempfinden, Achillessehnenreflexe
  • Durchblutung: Fußpulse, Knöchel-Arm-Index (bei Mediasklerose falsch hoch), ergänzend Zehendruck bzw. Zehen-Arm-Index, transkutaner Sauerstoffpartialdruck und farbkodierte Duplexsonographie
  • Infektion und Knochen: Sondierung bis auf den Knochen (Probe-to-Bone), Wundabstrich bzw. Gewebeprobe zur Erregerbestimmung, Röntgen des Fußes, MRT bei Verdacht auf Osteomyelitis oder Charcot-Fuß
  • Labor: Entzündungswerte, Glukosestoffwechsel und Nierenfunktion

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Diabetisches Fußsyndrom mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

In der App: Karteikarten zu diesem Thema: 1

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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. MSD Manual Professional: Long-Term Complications of Diabetes Mellitus
  2. NVL Typ-2-Diabetes: Kapitel 1 Epidemiologie
  3. NVL Typ-2-Diabetes: Fußkomplikationen (Version 2.1, 2006, Archiv)

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.