Diabetische Polyneuropathie

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Synonyme
Nervenschaden bei Diabetes, diabetische Neuropathie, DSPN, Polyneuropathie, PNP, Taubheitsgefühl Füße, Burning feet
Fachgebiet
Innere Medizin · Endokrinologie & Diabetologie
Bilder
Klinik 2
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Bilder (2)
  2. Definition
  3. Einteilung
  4. Vorkommen & Epidemiologie
  5. Ätiopathogenese
  6. Klinik
  7. Diagnostik
  8. Weiterlernen in der App
  9. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  10. Querverweise

Bilder (2)

Diabetische Polyneuropathie – klinisches Foto: Testung der Druckempfindung mit dem 10-g-Monofilament an der Fußsohle
Testung der Druckempfindung mit dem 10-g-Monofilament an der FußsohleBild: Enter (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 4.0 · Quelle
Diabetische Polyneuropathie – klinisches Foto: Neuropathisches Ulkus (Malum perforans) an der Fußsohle: kreisrunder Defekt mit dickem Hornhautwall an einer Druckstelle
Neuropathisches Ulkus (Malum perforans) an der Fußsohle: kreisrunder Defekt mit dickem Hornhautwall an einer DruckstelleBild: Intermedichbo (Milorad Dimić, MD) (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 3.0 rs · Quelle
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Definition

Die diabetische Polyneuropathie umfasst die Nervenschädigungen infolge eines Diabetes mellitus. Häufigste Form ist die distal-symmetrische sensomotorische Polyneuropathie (DSPN), die strumpf- und handschuhförmig an Füßen und Händen beginnt. Sie ist ein wesentlicher Wegbereiter des diabetischen Fußsyndroms.

Einteilung

  • Symmetrische Polyneuropathie mit Small-Fiber- und Large-Fiber-Varianten
  • Autonome Neuropathie
  • Radikulopathien: meist proximale Lumbalwurzeln L2–L4 mit Schmerz, Schwäche und Atrophie der Beine (diabetische Amyotrophie) oder thorakale Wurzeln T4–T12 mit Bauchschmerzen
  • Hirnnervenausfälle: am N. oculomotorius mit Doppelbildern, Ptosis und Anisokorie; seltener N. trochlearis oder N. abducens
  • Mononeuropathien: z. B. N. medianus oder N. peroneus (Fußheberschwäche), auch als Mononeuritis multiplex; dazu eine Neigung zu Engpasssyndromen wie dem Karpaltunnelsyndrom

Vorkommen & Epidemiologie

Die Angaben zur Häufigkeit schwanken mit Diagnosekriterien und Untersuchungsmethoden. Nach dem Robert Koch-Institut liegen Schätzungen aus Routinedaten zwischen 14 und 28 %, in Studien außerhalb Deutschlands zwischen 8 und 51 %. Im DMP (strukturiertes Versorgungsprogramm) Nordrhein-Westfalen war 2020 bei 28,6 % der Menschen mit Typ-2-Diabetes eine Neuropathie dokumentiert; bei über 75-Jährigen bei rund 40 %.

Ätiopathogenese

Die Nervenschädigung entsteht durch Ischämie infolge der Mikroangiopathie der Vasa nervorum, durch direkte Wirkungen der Hyperglykämie auf die Nervenzellen und durch intrazelluläre Stoffwechselveränderungen, etwa über den Polyolweg und die Bildung fortgeschrittener Glykierungsendprodukte. Die längsten Nervenfasern sind zuerst betroffen, daher beginnt die DSPN an den Zehen.

Klinik

Sensomotorische Polyneuropathie

  • Plussymptome: Kribbeln und andere Parästhesien, Dysästhesien, Schmerzen
  • Minussymptome: schmerzloser Verlust von Berührungs-, Vibrations-, Lage- und Temperaturempfinden; abgeschwächte oder fehlende Achillessehnenreflexe
  • Small-Fiber-Neuropathie: Schmerzen, Taubheit und Verlust des Temperaturempfindens bei erhaltenem Vibrations- und Lagesinn; Neigung zu Fußulzera und neuropathischer Gelenkzerstörung
  • Large-Fiber-Neuropathie: Muskelschwäche, Verlust von Vibrations- und Lagesinn, fehlende Muskeleigenreflexe
  • Folgen: Verletzungen durch drückendes Schuhwerk oder Fehlbelastung werden nicht bemerkt; es entstehen Ulzera, Infektionen und Frakturen bis zur neuropathischen Osteoarthropathie (Charcot-Fuß).

Autonome Neuropathie

  • Kardiovaskulär — Trias: Ruhetachykardie + ortho. Hypotonie + 'silent ischemia'.
  • Gastrointestinal: Gastroparese + Diarrhoe/Obstipation.
  • Urogenital: Blasenentleerungsstörung + ED.
  • Sudomotor: Anhidrose Füße + komp. Hyperhidrose.

Diagnostik

Die Diagnose der DSPN stützt sich auf Symptome, sensible Defizite und abgeschwächte Achillessehnenreflexe. Untersucht wird beidseits, mit geschlossenen Augen und nicht über Schwielen, Narben oder Wunden.

  • Vibrationsempfinden: graduierte Stimmgabel nach Rydel-Seiffer dorsal am Interphalangealgelenk der Großzehe, bei fehlendem Empfinden am Innenknöchel. Die untere Normgrenze ist altersabhängig, am Großzehen-Interphalangealgelenk z. B. 5/8 bis 39 Jahre und 3,5/8 ab 75 Jahren.
  • Druck- und Berührungsempfinden: 10-g-Monofilament an mindestens fünf plantaren Punkten je Fuß; pathologisch, wenn 1 von 5 bzw. 2 von 10 Stellen nicht erkannt werden. Ein Ausfall kennzeichnet Füße mit dem höchsten Ulkusrisiko.
  • Schmerzempfinden: spitz-stumpf-Unterscheidung am Fußrücken; eingeschränkt ab 3 von 10 Fehlangaben.
  • Temperaturempfinden: kalt-warm-Unterscheidung am Fußrücken; vermindert, wenn je Fuß mindestens 2 von 3 Durchgängen falsch beantwortet werden.
  • Elektroneurographie und Elektromyographie bei atypischem Bild und zum Ausschluss anderer Ursachen, etwa einer nicht diabetischen Radikulopathie oder eines Karpaltunnelsyndroms.

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Diabetische Polyneuropathie mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

In der App: Karteikarten zu diesem Thema: 1

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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. MSD Manual Professional: Long-Term Complications of Diabetes Mellitus
  2. NVL Typ-2-Diabetes: Anhang 3 Neurologische Tests
  3. NVL Typ-2-Diabetes: Kapitel 1 Epidemiologie

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.