Bartter- und Gitelman-Syndrom

Synonyme
Bartter-Syndrom, Gitelman-Syndrom, Salzverlust-Tubulopathie, hypokaliämische Alkalose, Salzverlustniere
Fachgebiet
Innere Medizin · Nephrologie
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Definition
  2. Vorkommen & Epidemiologie
  3. Ätiopathogenese
  4. Klinik
  5. Diagnostik
  6. Weiterlernen in der App
  7. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  8. Querverweise

Definition

Bartter-Syndrom und Gitelman-Syndrom sind seltene, meist autosomal-rezessiv erbliche Salzverlust-Tubulopathien. Gemeinsam sind renaler Verlust von Natrium, Chlorid, Kalium und Wasserstoffionen, Hypokaliämie, metabolische Alkalose sowie erhöhtes Renin und Aldosteron bei normalem oder niedrigem Blutdruck.

Vorkommen & Epidemiologie

Belastbare Daten zur Häufigkeit sind spärlich. Für das Bartter-Syndrom wurde in Schweden eine jährliche Inzidenz von 1,2 pro Million ermittelt; die Prävalenz des Gitelman-Syndroms wird in den USA auf etwa 1: 40.000 geschätzt.

Ätiopathogenese

Pathophysiologie und Genetik

Ursache ist eine gestörte Natriumchlorid-Rückresorption: beim Bartter-Syndrom im dicken aufsteigenden Schenkel der Henle-Schleife, beim Gitelman-Syndrom im distalen Tubulus. Der Salzverlust führt zu leichtem Volumenmangel, dieser aktiviert Renin und Aldosteron, wodurch Kalium und Wasserstoffionen verloren gehen. Beim Bartter-Syndrom sind zudem die renale Prostaglandin-E2-Bildung erhöht und die Harnkonzentrierung gestört; beim Gitelman-Syndrom sind Hypomagnesiämie und eine niedrige Calciumausscheidung typisch.

  • Typ I: SLC12A1 (NKCC2), antenatal/neonatal
  • Typ II: KCNJ1 (ROMK), antenatal/neonatal
  • Typ III: CLCNKB (ClC-Kb), Beginn in der Kindheit, teils Gitelman-ähnlich
  • Typ IVa/IVb: BSND (Barttin) bzw. CLCNKA und CLCNKB, antenatal, mit Innenohrschwerhörigkeit
  • Typ V: aktivierende CASR-Mutation mit Hypokalzämie und Hyperkalziurie
  • Eine X-chromosomale MAGED2-Mutation verursacht ein schweres, aber vorübergehendes antenatales Bartter-Syndrom, das sich bis zum 1. bis 2. Lebensjahr zurückbildet.

Klinik

  • Bartter-Syndrom: Manifestation vorgeburtlich bis frühe Kindheit; Polyhydramnion und intrauterine Wachstumsverzögerung, Frühgeburt, Polyurie, Gedeih- und Entwicklungsstörung, teils geistige Behinderung; je nach Typ Nephrokalzinose, Hypokalzämie oder Schwerhörigkeit
  • Gitelman-Syndrom: Manifestation späte Kindheit bis Erwachsenenalter, oft Zufallsbefund; Muskelschwäche, Krämpfe, Spasmen, Tetanie und Müdigkeit durch Kalium- und Magnesiumverlust
  • Beide: Polydipsie, Polyurie, Salzhunger, Erbrechen; niedriger bis niedrig-normaler Blutdruck, evtl. Zeichen des Volumenmangels

Bartter und Gitelman im Vergleich

  • Gemeinsam: hypokaliämische metabolische Alkalose mit Salzverlust, erhöhtem Renin und Aldosteron, ohne Hypertonie
  • Calciumausscheidung im Urin: Bartter normal oder erhöht, oft mit Nephrokalzinose; Gitelman erniedrigt
  • Serum-Magnesium: Bartter normal oder erniedrigt; Gitelman erniedrigt, teils stark
  • Renale Prostaglandin-E2-Bildung: Bartter erhöht, Gitelman normal
  • Manifestationsalter: Bartter vorgeburtlich bis frühe Kindheit; Gitelman späte Kindheit bis Erwachsenenalter
  • Neuromuskuläre Symptome (z. B. Muskelspasmen, Schwäche): Bartter selten oder leicht, Gitelman häufig

Diagnostik

  • Blut: Hypokaliämie, metabolische Alkalose, beim Gitelman-Syndrom oft ausgeprägte Hypomagnesiämie; erhöhtes Renin und Aldosteron
  • Urin: für den Volumenstatus unangemessen hohe Ausscheidung von Natrium, Kalium und Chlorid
  • Calciumausscheidung (24-Stunden-Urin oder Calcium-Kreatinin-Quotient): normal bis erhöht beim Bartter-Syndrom, erniedrigt beim Gitelman-Syndrom
  • Ausschluss ähnlicher Störungen: primärer Hyperaldosteronismus (Hypertonie, niedriges Renin); verdecktes Erbrechen oder Laxanzienmissbrauch (Urin-Chlorid meist < 20 mmol/l); verdeckte Einnahme harntreibender Mittel (Urin-Chlorid, Urin-Screening auf diese Substanzen)
  • Molekulargenetik: sichert die Diagnose und den Subtyp; Geschwister haben bei rezessiver Vererbung ein Risiko von 25 %.

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Bartter- und Gitelman-Syndrom mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. MSD Manual Professional: Bartter Syndrome and Gitelman Syndrome

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.