Bartter- und Gitelman-Syndrom
- Synonyme
- Bartter-Syndrom, Gitelman-Syndrom, Salzverlust-Tubulopathie, hypokaliämische Alkalose, Salzverlustniere
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Nephrologie
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
Definition
Bartter-Syndrom und Gitelman-Syndrom sind seltene, meist autosomal-rezessiv erbliche Salzverlust-Tubulopathien. Gemeinsam sind renaler Verlust von Natrium, Chlorid, Kalium und Wasserstoffionen, Hypokaliämie, metabolische Alkalose sowie erhöhtes Renin und Aldosteron bei normalem oder niedrigem Blutdruck.
Vorkommen & Epidemiologie
Belastbare Daten zur Häufigkeit sind spärlich. Für das Bartter-Syndrom wurde in Schweden eine jährliche Inzidenz von 1,2 pro Million ermittelt; die Prävalenz des Gitelman-Syndroms wird in den USA auf etwa 1: 40.000 geschätzt.
Ätiopathogenese
Pathophysiologie und Genetik
Ursache ist eine gestörte Natriumchlorid-Rückresorption: beim Bartter-Syndrom im dicken aufsteigenden Schenkel der Henle-Schleife, beim Gitelman-Syndrom im distalen Tubulus. Der Salzverlust führt zu leichtem Volumenmangel, dieser aktiviert Renin und Aldosteron, wodurch Kalium und Wasserstoffionen verloren gehen. Beim Bartter-Syndrom sind zudem die renale Prostaglandin-E2-Bildung erhöht und die Harnkonzentrierung gestört; beim Gitelman-Syndrom sind Hypomagnesiämie und eine niedrige Calciumausscheidung typisch.
- Typ I: SLC12A1 (NKCC2), antenatal/neonatal
- Typ II: KCNJ1 (ROMK), antenatal/neonatal
- Typ III: CLCNKB (ClC-Kb), Beginn in der Kindheit, teils Gitelman-ähnlich
- Typ IVa/IVb: BSND (Barttin) bzw. CLCNKA und CLCNKB, antenatal, mit Innenohrschwerhörigkeit
- Typ V: aktivierende CASR-Mutation mit Hypokalzämie und Hyperkalziurie
- Eine X-chromosomale MAGED2-Mutation verursacht ein schweres, aber vorübergehendes antenatales Bartter-Syndrom, das sich bis zum 1. bis 2. Lebensjahr zurückbildet.
Klinik
- Bartter-Syndrom: Manifestation vorgeburtlich bis frühe Kindheit; Polyhydramnion und intrauterine Wachstumsverzögerung, Frühgeburt, Polyurie, Gedeih- und Entwicklungsstörung, teils geistige Behinderung; je nach Typ Nephrokalzinose, Hypokalzämie oder Schwerhörigkeit
- Gitelman-Syndrom: Manifestation späte Kindheit bis Erwachsenenalter, oft Zufallsbefund; Muskelschwäche, Krämpfe, Spasmen, Tetanie und Müdigkeit durch Kalium- und Magnesiumverlust
- Beide: Polydipsie, Polyurie, Salzhunger, Erbrechen; niedriger bis niedrig-normaler Blutdruck, evtl. Zeichen des Volumenmangels
Bartter und Gitelman im Vergleich
- Gemeinsam: hypokaliämische metabolische Alkalose mit Salzverlust, erhöhtem Renin und Aldosteron, ohne Hypertonie
- Calciumausscheidung im Urin: Bartter normal oder erhöht, oft mit Nephrokalzinose; Gitelman erniedrigt
- Serum-Magnesium: Bartter normal oder erniedrigt; Gitelman erniedrigt, teils stark
- Renale Prostaglandin-E2-Bildung: Bartter erhöht, Gitelman normal
- Manifestationsalter: Bartter vorgeburtlich bis frühe Kindheit; Gitelman späte Kindheit bis Erwachsenenalter
- Neuromuskuläre Symptome (z. B. Muskelspasmen, Schwäche): Bartter selten oder leicht, Gitelman häufig
Diagnostik
- Blut: Hypokaliämie, metabolische Alkalose, beim Gitelman-Syndrom oft ausgeprägte Hypomagnesiämie; erhöhtes Renin und Aldosteron
- Urin: für den Volumenstatus unangemessen hohe Ausscheidung von Natrium, Kalium und Chlorid
- Calciumausscheidung (24-Stunden-Urin oder Calcium-Kreatinin-Quotient): normal bis erhöht beim Bartter-Syndrom, erniedrigt beim Gitelman-Syndrom
- Ausschluss ähnlicher Störungen: primärer Hyperaldosteronismus (Hypertonie, niedriges Renin); verdecktes Erbrechen oder Laxanzienmissbrauch (Urin-Chlorid meist < 20 mmol/l); verdeckte Einnahme harntreibender Mittel (Urin-Chlorid, Urin-Screening auf diese Substanzen)
- Molekulargenetik: sichert die Diagnose und den Subtyp; Geschwister haben bei rezessiver Vererbung ein Risiko von 25 %.
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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
Querverweise
Weitere Themen: Nephrologie
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Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.