Akromegalie
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- Riesenwuchs, Gigantismus, Wachstumshormonüberschuss, STH-Exzess, GH-produzierendes Hypophysenadenom
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Endokrinologie & Diabetologie
- Bilder
- Klinik 2 · Histologie 1
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
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HistologieDefinition
Die Akromegalie ist die Folge einer übermäßigen Sekretion von Wachstumshormon (GH, Somatotropin) nach dem Schluss der Wachstumsfugen; Ursache ist fast immer ein GH-bildendes Hypophysenadenom. Beginnt die Überproduktion vor dem Epiphysenschluss, entsteht ein hypophysärer Riesenwuchs (Gigantismus). Typisch für die Akromegalie sind die langsam fortschreitende Vergröberung der Gesichtszüge und die Vergrößerung von Händen und Füßen.
Vorkommen & Epidemiologie
Die GH-Mehrsekretion beginnt bei der Akromegalie meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Der Gigantismus ist selten. Bei multipler endokriner Neoplasie Typ 1 bilden etwa 25 % der Hypophysentumoren Wachstumshormon oder Wachstumshormon und Prolaktin.
Ätiopathogenese
Wachstumshormon wird vor allem durch hypothalamisches GHRH stimuliert und steuert die Bildung von IGF-1 (Insulin-like Growth Factor 1, Somatomedin C), das überwiegend in der Leber entsteht und das Wachstum vermittelt. Nach anfänglich glukosesenkenden Effekten wirkt GH später ausgeprägt gegenregulatorisch: Glukoseaufnahme und -verwertung sinken, Blutzucker und Lipolyse steigen.
- GH-bildende Tumoren sind überwiegend sporadisch. Beschrieben sind eine X-chromosomale Akrogigantismus-Form, eine Überexpression des Pituitary Tumor Transforming Gene (PTTG) und Mutationen im AIP-Gen.
- Manche Adenome tragen eine Mutation des stimulierenden Gs-Proteins und bilden GH auch ohne GHRH.
- Selten bilden Tumoren außerhalb der Hypophyse, vor allem in Pankreas und Lunge, ektop GHRH.
Klinik
Körperliche Veränderungen
- Frühzeichen: Vergröberung der Gesichtszüge, Weichteilschwellung an Händen und Füßen; größere Ringe, Handschuhe und Schuhe werden nötig. Alte Fotos zeigen die Veränderung im Verlauf.
- Gesicht und Kopf: Prognathie mit Zahnfehlstellung, vergrößerte und gefurchte Zunge, tiefe, raue Stimme durch Knorpelwachstum am Kehlkopf.
- Haut: verdickt und oft dunkler, vermehrte Körperbehaarung, starkes Schwitzen und Körpergeruch.
- Bewegungsapparat: frühe Gelenkbeschwerden bis zur schweren Arthrose; Fassthorax bei langem Verlauf; Kompressionsneuropathien.
- Tumorbedingt: Kopfschmerzen; bitemporale Hemianopsie bei suprasellärer Ausdehnung.
- Organomegalie: Herz, Leber, Nieren, Milz, Schilddrüse (diffus oder multinodös) und Kolon sind vergrößert.
Begleiterkrankungen
- Herz und Kreislauf: Herzerkrankungen (koronare Herzkrankheit, Kardiomegalie, Klappeninsuffizienzen, mitunter Kardiomyopathie) bei etwa einem Drittel; arterielle Hypertonie bei bis zu einem Drittel.
- Atmung: Schnarchen; obstruktive Schlafapnoe bei 40–50 %.
- Stoffwechsel: gestörte Glukosetoleranz bei fast der Hälfte, manifester Diabetes mellitus bei etwa 10 %; leichte Hyperphosphatämie.
- Darm: vermehrt Kolonpolypen; Krebsrisiko, besonders im Magen-Darm-Trakt, zwei- bis dreifach erhöht.
- Gonaden: etwa ein Drittel der Männer mit erektiler Dysfunktion, fast alle Frauen mit Zyklusstörungen oder Amenorrhö; gelegentlich Galaktorrhö.
- Gigantismus: gesteigertes Längenwachstum mit großem, schlankem Körperbau und langen Extremitäten, oft verzögerte Pubertät.
Diagnostik
- IGF-1 im Serum: einfachster Nachweis der GH-Mehrsekretion; meist drei- bis zehnfach erhöht. Anders als GH schwankt IGF-1 kaum.
- Wachstumshormon: nüchtern erhöht; wegen der pulsatilen Sekretion sind Einzelwerte schwer zu beurteilen.
- Oraler Glukosetoleranztest mit GH-Bestimmung: Standard zur Bestätigung. Bei Gesunden fällt GH innerhalb von 120 Minuten nach 75 g Glukose unter 1 ng/ml (häufig verwendeter Grenzwert 0,4 ng/ml); bei Akromegalie bleibt es deutlich höher. Die Grenzwerte sind testabhängig.
- MRT der Sellaregion: bevorzugtes Verfahren zum Nachweis des Hypophysenadenoms.
- Röntgen, CT oder MRT des Schädels: Kortikalisverdickung, vergrößerte Stirnhöhlen, vergrößerte und arrodierte Sella; an den Händen büschelförmige Endphalangen und Weichteilverdickung.
- Kein Tumor nachweisbar: an ektope GHRH-Bildung denken; erhöhtes Plasma-GHRH, Suche vor allem in Lunge und Pankreas.
- Begleiterkrankungen: Nüchternglukose, HbA1c oder Glukosetoleranztest; EKG und Echokardiographie; Koloskopie.
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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
Querverweise
Weitere Themen: Endokrinologie & Diabetologie
Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.