Systemische Mastozytose
- Synonyme
- Mastzellerkrankung, Urticaria pigmentosa, kutane Mastozytose, Mastzellaktivierungssyndrom, MCAS, KIT D816V
- Fachgebiet
- Innere Medizin · Allergologie
- Bilder
- Klinik 1 · Histologie 1
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
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HistologieDefinition
Die Mastozytose ist eine Gruppe von Erkrankungen mit klonaler Vermehrung von Mastzellen und Infiltration der Haut, anderer Organe oder beider. Die systemische Mastozytose tritt meist bei Erwachsenen auf und ist durch multifokale Mastzellinfiltrate im Knochenmark gekennzeichnet, häufig mit Beteiligung von Haut, Lymphknoten, Leber, Milz oder Magen-Darm-Trakt. Die rein kutane Mastozytose betrifft dagegen vor allem Kinder.
Einteilung
- Kutane Mastozytose: makulopapulöse kutane Mastozytose (früher Urticaria pigmentosa, monomorphe oder polymorphe Variante), diffuse kutane Mastozytose und solitäres Mastozytom (1 bis 5 cm). Bei Kindern geht sie selten in eine systemische Form über, bei Erwachsenen ist dies möglich.
- Indolente systemische Mastozytose: ohne Organfunktionsstörung.
- Smouldering systemische Mastozytose: hohe Mastzelllast bei begrenzten Auswirkungen auf die Organfunktion.
- Aggressive systemische Mastozytose: mit eingeschränkter Organfunktion.
- Systemische Mastozytose mit assoziierter hämatologischer Neoplasie: z. B. myeloproliferative Neoplasie, myelodysplastisches Syndrom oder Lymphom.
- Mastzellleukämie: mehr als 20 % Mastzellen im Knochenmark, ohne Hautläsionen, mit Multiorganversagen.
- Abzugrenzen: das Mastzellaktivierungssyndrom (MCAS) mit inadäquater Mastzellaktivierung meist ohne klonale Vermehrung oder Organinfiltration.
Ätiopathogenese
Ursache ist meist eine aktivierende Mutation im KIT-Gen, das den Stammzellfaktor-Rezeptor c-KIT auf Mastzellen kodiert; am häufigsten ist die Mutation D816V. Sie findet sich bei etwa 80 bis 95 % der Erwachsenen und bei etwa 30 % der Kinder mit systemischer Mastozytose. Die Autophosphorylierung des Rezeptors führt zu einer unkontrollierten klonalen Mastzellvermehrung.
Die Beschwerden entstehen vor allem durch freigesetzte Mediatoren wie Histamin, Prostaglandine, Leukotriene und Zytokine; eine ausgedehnte Organinfiltration kann zusätzlich die Organfunktion beeinträchtigen. Auslöser einer Mastzellaktivierung sind Berührung und Reibung, körperliche Anstrengung, Alkohol, NSAR, Opioide, Insektenstiche und bestimmte Nahrungsmittel.
Klinik
- Haut: lachsfarbene bis bräunliche, oft juckende Makulopapeln; Reiben oder Bestreichen einer Läsion führt zu Quaddel und Rötung um die Läsion (Darier-Zeichen), anders als beim Dermographismus, der unveränderte Haut betrifft.
- Mediatorsymptome: am häufigsten Flush; besonders bedrohlich sind anaphylaktische Reaktionen mit Synkope und Schock.
- Magen-Darm-Trakt: epigastrische Schmerzen durch peptische Ulzera (Histamin steigert die Magensäuresekretion), Übelkeit, Erbrechen und chronische Durchfälle.
- Weitere Beschwerden: Arthralgien, Knochenschmerzen und neuropsychiatrische Veränderungen wie Reizbarkeit, Depression und Stimmungsschwankungen.
- Organinfiltration: Leber- und Milzbefall mit portaler Hypertension und Aszites; bei fortgeschrittenen Formen Zytopenien durch Knochenmarkinsuffizienz.
Histologie
Im Knochenmark (bevorzugt) oder in anderen extrakutanen Organen finden sich multifokale, dichte Aggregate von Mastzellen. Typisch sind atypisch geformte oder spindelförmige Mastzellen sowie die Expression der Oberflächenmarker CD2 und/oder CD25 auf Mastzellen.
Diagnostik
Die systemische Mastozytose gilt als gesichert, wenn das Hauptkriterium und mindestens ein Nebenkriterium oder mindestens drei der vier Nebenkriterien erfüllt sind.
- Hauptkriterium: multifokale, dichte Aggregate von mehr als 15 Mastzellen im Knochenmark oder in anderen extrakutanen Organen (nicht Magen-Darm-Trakt, Lymphknoten, Leber oder Milz).
- Nebenkriterium 1: mehr als 25 % atypisch geformte oder spindelförmige Mastzellen in Knochenmarkschnitten oder -ausstrich.
- Nebenkriterium 2: KIT-Mutation an Codon 816 (meist D816V) in Knochenmark, Blut oder anderem Gewebe.
- Nebenkriterium 3: Expression von CD2, CD25 oder beiden auf Mastzellen aus Knochenmark oder anderen extrakutanen Organen.
- Nebenkriterium 4: basale Serumtryptase über 20 ng/ml; Werte über 11,4 ng/ml gelten in den meisten Laboren als erhöht.
Die basale Tryptase ist bei systemischer Mastozytose erhöht, bei kutaner Mastozytose und MCAS dagegen meist normal. Eine Hautbiopsie kann Mastzellinfiltrate zeigen, ersetzt aber nicht die Knochenmarkbiopsie zur Klassifikation. Ergänzend können Mastzellmediatoren und ihre Metaboliten in Urin oder Plasma bestimmt werden (z. B. N-Methylhistamin, Prostaglandin D2, Leukotrien E4). Für ein MCAS spricht ein Tryptaseanstieg im Anfall um mindestens 20 % plus 2 ng/ml über den Ausgangswert.
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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
Querverweise
Weitere Themen: Allergologie
Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.