Nahrungsmittelallergie

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Synonyme
Lebensmittelallergie, Erdnussallergie, Kuhmilchallergie, Hühnereiallergie, orales Allergiesyndrom, Kreuzallergie, pollenassoziierte Nahrungsmittelallergie
Fachgebiet
Innere Medizin · Allergologie
Bilder
Klinik 1
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Bilder (1)
  2. Definition
  3. Einteilung
  4. Vorkommen & Epidemiologie
  5. Ätiopathogenese
  6. Klinik
  7. Diagnostik
  8. Weiterlernen in der App
  9. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  10. Querverweise

Bilder (1)

Nahrungsmittelallergie – klinisches Foto: Haut-Pricktest an beiden Unterarmen: mehrere positive Reaktionen mit Quaddel und Rötung an markierten Teststellen
Haut-Pricktest an beiden Unterarmen: mehrere positive Reaktionen mit Quaddel und Rötung an markierten TeststellenBild: Ar945 (Wikimedia Commons) · CC0 · Quelle

Definition

Eine Nahrungsmittelallergie ist eine übersteigerte Immunreaktion auf Bestandteile der Nahrung, meist Proteine. Die Erscheinungsformen reichen von atopischer Dermatitis über Beschwerden von Magen-Darm-Trakt und Atemwegen bis zur Anaphylaxie. Abzugrenzen sind nicht immunologische Unverträglichkeiten (z. B. Laktoseintoleranz, Reizdarmsyndrom, infektiöse Gastroenteritis) sowie Reaktionen auf Zusatzstoffe wie Glutamat, Sulfite oder Tartrazin.

Einteilung

  • IgE-vermittelt: akuter Beginn mit Urtikaria, Asthma oder Anaphylaxie; meist im Säuglings- und Kleinkindalter beginnend, gehäuft bei ausgeprägter familiärer Atopie.
  • T-Zell-vermittelt: schleichender, chronischer Verlauf, z. B. nahrungsproteininduzierte Enteropathien und Zöliakie; vor allem bei Säuglingen und Kindern.
  • Gemischt IgE- und T-Zell-vermittelt: verzögert oder chronisch, z. B. atopische Dermatitis, eosinophile Gastroenteropathie und eosinophile Ösophagitis.
  • Orales Allergiesyndrom (pollenassoziierte Nahrungsmittelallergie): Kreuzreaktion zwischen Pollen- und Nahrungsmittelproteinen.
  • Sonderformen: nahrungsmittelproteininduziertes Enterokolitissyndrom (FPIES) und nahrungsmittelabhängige, anstrengungsinduzierte Anaphylaxie.

Vorkommen & Epidemiologie

Die Prävalenz einer echten Nahrungsmittelallergie liegt je nach Region und Erhebungsmethode zwischen unter 1 % und 3 %; ein Teil der Unterschiede beruht darauf, dass Unverträglichkeiten für Allergien gehalten werden. Am häufigsten betroffen sind Kinder, besonders wenn die Eltern an Nahrungsmittelallergien, allergischer Rhinitis oder allergischem Asthma leiden. Allergien gegen Milch, Ei und Soja verlieren sich oft im Laufe der Kindheit, während Allergien gegen Erdnüsse, Baumnüsse, Fisch und Schalentiere meist bestehen bleiben.

Ätiopathogenese

  • Häufigste Auslöser bei Säuglingen und Kleinkindern: Milch, Eier, Erdnüsse, Soja und Weizen.
  • Häufigste Auslöser bei älteren Kindern und Erwachsenen: Nüsse (Erdnüsse und Baumnüsse) sowie Meeresfrüchte (Fisch und Schalentiere).
  • Sensibilisierung über andere Wege: z. B. über die Haut durch Hautprodukte mit Erdnussöl oder über eingeatmete Pollen.
  • Birkenpollen: Kreuzreaktionen mit Apfel, Pfirsich, Birne, Pflaume, Kirsche, Kiwi, Karotte, Sellerie, Haselnuss und Mandel.
  • Gräserpollen: Kreuzreaktionen mit Sellerie, Melone, Orange, Pfirsich und Tomate.
  • Ambrosiapollen: Kreuzreaktionen mit Banane, Gurke, Melone, Sonnenblumenkernen und Zucchini.
  • Latex: Kreuzreaktionen mit Banane, Kiwi, Avocado, Kartoffel, Tomate und Esskastanie.
  • Hitzelabilität: Die beim oralen Allergiesyndrom beteiligten Proteine werden durch Kochen denaturiert; gegarte Lebensmittel werden daher oft vertragen.

Klinik

  • Säuglinge: am häufigsten atopische Dermatitis, allein oder mit Übelkeit, Erbrechen und Durchfall.
  • Ältere Kinder und Erwachsene: heftigere Reaktionen mit generalisierter Urtikaria, Angioödem bis zur Anaphylaxie; teils unspezifisch mit Benommenheit oder Synkope.
  • Orales Allergiesyndrom: Juckreiz, Rötung und Schwellung von Mund und Rachen beim Verzehr roher Obst- und Gemüsesorten; Anaphylaxien sind selten, aber möglich.
  • FPIES: verzögert, meist mehr als 2 Stunden nach dem Verzehr, heftiges Erbrechen und Durchfall, teils mit Lethargie, Dehydratation, Hypotonie und Blässe.
  • Anstrengungsinduzierte Form: Anaphylaxie nur, wenn kurz nach dem Verzehr (z. B. von Weizen oder Garnelen) körperliche Anstrengung folgt.
  • Eosinophile Erkrankungen des Verdauungstrakts: Bauchschmerzen, Krämpfe und Durchfall mit Bluteosinophilie und Eiweißverlust; bei eosinophiler Ösophagitis Dysphagie und mögliche Strikturen.

Diagnostik

  • Anamnese und Ernährungstagebuch: genaue Erfassung aller verzehrten Lebensmittel und Beschwerden mit zeitlichem Bezug. Getestet werden nur Nahrungsmittel, die bei jeder Exposition eindeutig Beschwerden ausgelöst haben; breite Testpanels ohne passende Anamnese führen häufig zu falsch-positiven Ergebnissen.
  • Hautpricktest: empfindlicher als die Serumbestimmung, aber häufiger falsch positiv; das Ergebnis liegt nach 15 bis 20 Minuten vor. Beim oralen Allergiesyndrom kann der Pricktest die klinische Diagnose bestätigen.
  • Allergenspezifisches IgE im Serum: Ein positives Ergebnis belegt nur zusammen mit einer passenden Anamnese eine klinisch relevante Allergie.
  • Komponentendiagnostik: für Milch, Ei, Erdnuss, Baumnüsse und Sesam verfügbar; hohe Spezifität und hilfreich zur Unterscheidung echter Allergien von Kreuzreaktionen.
  • Orale Nahrungsmittelprovokation: erneute Exposition nach beschwerdefreiem Intervall, möglichst doppelblind; Wiederauftreten der Symptome gilt als bester Allergienachweis.
  • Eosinophile Gastroenteropathie: endoskopische Biopsie mit mindestens 15 Eosinophilen pro Gesichtsfeld bei starker Vergrößerung.

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Nahrungsmittelallergie mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

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Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. MSD Manual Professional: Food Allergy
  2. MSD Manual Professional: Overview of Allergic and Atopic Disorders

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.