Insektengiftallergie

Synonyme
Bienengiftallergie, Wespengiftallergie, Wespenstichallergie, Bienenstichallergie, Hymenopterengiftallergie, Insektenstichallergie
Fachgebiet
Innere Medizin · Allergologie
Bilder
Klinik 2
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Bilder (2)
  2. Definition
  3. Einteilung
  4. Ätiopathogenese
  5. Klinik
  6. Diagnostik
  7. Weiterlernen in der App
  8. Weiterführende Literatur (frei zugänglich)
  9. Querverweise

Bilder (2)

Insektengiftallergie – klinisches Foto: Gesteigerte örtliche Reaktion nach Wespenstich: deutlich geschwollener Handrücken im Vergleich zur gesunden Gegenseite
Gesteigerte örtliche Reaktion nach Wespenstich: deutlich geschwollener Handrücken im Vergleich zur gesunden GegenseiteBild: Niels Kolditz (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 3.0 · Quelle
Insektengiftallergie – Bein – klinisches Foto: Ausgedehnte Rötung und Schwellung am Oberschenkel nach einem Wespenstich
Ausgedehnte Rötung und Schwellung am Oberschenkel nach einem Wespenstich (Bein)Bild: Thomas Netsch (Wikimedia Commons) · Public domain · Quelle
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Definition

Als Insektengiftallergie bezeichnet man allergische Reaktionen auf das Gift stechender Hautflügler (Hymenopteren). Das Gift verursacht bei allen Menschen eine örtliche toxische Reaktion; allergische Reaktionen treten dagegen nur bei zuvor Sensibilisierten auf. Ihre Schwere hängt von der Giftmenge und dem Grad der Sensibilisierung ab.

Einteilung

  • Normale Lokalreaktion: sofortiger brennender Schmerz, Juckreiz, Rötung, Schwellung und Verhärtung von wenigen Zentimetern.
  • Ausgedehnte Lokalreaktion: Schwellung und Rötung erreichen meist nach etwa 48 Stunden ihr Maximum, können eine Woche anhalten und eine ganze Extremität erfassen; eine Schwellung allein ist kein Zeichen einer allergischen Reaktion.
  • Systemische allergische Reaktion: Urtikaria, Angioödem, Bronchospasmus, anhaltende schwere Hypotonie oder eine Kombination bis zur Anaphylaxie.
  • Toxische Reaktion durch viele Stiche: Ein durchschnittlicher, nicht sensibilisierter Mensch toleriert etwa 22 Stiche pro Kilogramm Körpergewicht; bei Kindern können bereits 500 Stiche lebensbedrohlich sein.

Ätiopathogenese

  • Bienenartige (Apiden): z. B. Honigbienen und Hummeln; sie stechen meist nur bei Provokation und nur einmal, da der Widerhakenstachel mit dem Giftapparat in der Haut verbleibt. Melittin gilt als wichtigste schmerzauslösende Komponente.
  • Faltenwespen (Vespiden): z. B. Wespen und Hornissen; ihr Stachel hat kaum Widerhaken, sodass sie mehrfach stechen können. Das Gift enthält Phospholipase, Hyaluronidase und Antigen 5, das als stärkstes Allergen gilt. Da sie in Menschennähe nisten, sind Begegnungen häufig.
  • Ameisen: vor allem Feuerameisen, die in Teilen der USA verbreitet sind.
  • Risikofaktoren für Anaphylaxie: Massenstiche und hohe giftspezifische IgE-Spiegel; viele betroffene Kinder verlieren das Risiko nicht. Bei Mastozytose können Insektenstiche eine ausgeprägte Mastzellaktivierung auslösen.
  • Mechanismus: Typ-I-Reaktion; giftspezifisches IgE auf Mastzellen und Basophilen führt bei erneutem Stich zur Mediatorfreisetzung.

Klinik

Örtlich kommt es sofort zu brennendem Schmerz, Juckreiz, Rötung und Schwellung. Systemische Reaktionen zeigen sich durch generalisierte Urtikaria, Angioödeme, Bronchospasmus mit Atemnot und Kreislaufreaktionen bis zum Schock. Feuerameisenstiche verursachen eine Quaddel mit Rötung, die sich oft innerhalb von etwa 45 Minuten zurückbildet; danach entsteht eine sterile Pustel. Mononeuritis und Krampfanfälle wurden beschrieben. Eine sekundäre bakterielle Zellulitis ist selten; sie ist zu vermuten, wenn Rötung und Schwellung erst nach ein bis zwei Tagen beginnen, Fieber auftritt und die Schmerzen ausgeprägt sind.

Diagnostik

  • Klinische Diagnose: Anamnese des Stichereignisses, Art des Insekts und Untersuchung der Einstichstelle; bei Bienenstichen bleibt oft der Stachel zurück. Obere und untere Atemwege werden auf Zeichen einer allergischen Reaktion untersucht.
  • Tryptase im Serum: möglichst innerhalb von 2 Stunden nach Beginn einer systemischen Reaktion; eine Erhöhung stützt die Diagnose einer Anaphylaxie. Ein dauerhaft erhöhter Basalwert kann auf eine Mastzellerkrankung hinweisen.
  • Hauttests: Nach einer systemischen Reaktion dient vor allem der Intrakutantest dem Nachweis der Giftallergie; er gilt als empfindlicher als Pricktest oder Serum-IgE. Positiv ist eine Quaddel, die nach 15 bis 20 Minuten mindestens 3 mm größer ist als die Negativkontrolle.
  • Giftspezifisches IgE im Serum: ergänzend, wenn Hauttests nicht möglich oder nicht eindeutig sind.

Weiterlernen in der App

In der InnereFuchs-App lernst du Insektengiftallergie mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (EKG, Röntgen-Thorax, Sonographie, Labor) – kostenlos, im Browser oder als App.

Im Browser starten  InnereFuchs ansehen →

Weiterführende Literatur (frei zugänglich)

  1. MSD Manual Professional: Insect Stings
  2. MSD Manual Professional: Overview of Allergic and Atopic Disorders
  3. MSD Manual Professional: Anaphylaxis
  4. MSD Manual Professional: Mastocytosis and Mast Cell Activation Syndrome

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.