Vaginale intraepitheliale Neoplasie (VaIN) und Vaginalkarzinom

Fachgebiet
Gynäkologie · Vulva & Vagina
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Definition
  2. Einteilung
  3. Vorkommen & Epidemiologie
  4. Ätiopathogenese
  5. Klinik
  6. Diagnostik
  7. Weiterlernen in der App
  8. Weiterführende Literatur (Auswahl)
  9. Querverweise

Definition

  • Die vaginale intraepitheliale Neoplasie (VaIN) ist eine seltene, eng mit HPV assoziierte Präkanzerose des Vaginalepithels, aus der sich ein Vaginalkarzinom entwickeln kann.
  • Ein primäres Vaginalkarzinom liegt definitionsgemäß nur vor, wenn weder aktuell noch in den letzten 5 Jahren ein Zervix- oder Vulvakarzinom bestand.

Einteilung

  • Nach der WHO-Klassifikation 2020 entspricht VaIN 1 einer niedriggradigen (LSIL), VaIN 2 und 3 einer hochgradigen squamösen intraepithelialen Läsion (HSIL).
  • Das Risiko des Übergangs einer HSIL in ein Vaginalkarzinom wird in Studien mit 2–12 % angegeben.
  • Die große Mehrheit der primären Vaginalkarzinome sind Plattenepithelkarzinome; seltener sind Adenokarzinome, Klarzellkarzinome und Melanome, das häufigste vaginale Sarkom ist das Sarcoma botryoides.

Vorkommen & Epidemiologie

Epidemiologie

  • Die VaIN ist selten; ihre Inzidenz liegt etwa 100-mal niedriger als die der zervikalen intraepithelialen Neoplasie.
  • Das primäre Vaginalkarzinom ist mit 1–2 % aller gynäkologischen Malignome selten; Metastasen oder das Übergreifen benachbarter Tumoren sind in der Vagina häufiger als primäre Tumoren.
  • Das Vaginalkarzinom tritt meist bei Frauen über 60 Jahre auf; das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 60–65 Jahren.

Ätiopathogenese

Ätiologie und Risikofaktoren

  • Die meisten Vaginalkarzinome werden durch eine persistierende HPV-Infektion verursacht; mehr als 80 % der hochgradigen VaIN sind onkogenen HPV-Typen zuzuschreiben, vor allem HPV 16 und 18.
  • Risikofaktoren des Vaginalkarzinoms sind neben HPV die VaIN sowie zervikale, vulväre oder anale intraepitheliale Neoplasien oder Karzinome; für die VaIN werden zudem Rauchen, Immundefizienz und Chlamydieninfektion genannt.
  • Eine intrauterine Diethylstilbestrol-Exposition prädisponiert für das seltene Klarzellkarzinom der Vagina, das im Mittel mit 19 Jahren diagnostiziert wird.

Klinik

  • Die VaIN verursacht meist keine Beschwerden und wird oft zufällig bei auffälliger Zytologie oder Histologie entdeckt.
  • Häufigstes Symptom des Vaginalkarzinoms ist eine abnorme vaginale Blutung, oft postmenopausal oder postkoital; manche Frauen haben wässrigen Fluor oder Dyspareunie, nur wenige sind asymptomatisch.
  • Die meisten Vaginalkarzinome liegen im oberen Drittel der hinteren Vaginalwand; vesikovaginale oder rektovaginale Fisteln sind Zeichen einer fortgeschrittenen Erkrankung.

Diagnostik

  • Die Zytologie allein erfasst VaIN nur eingeschränkt; zur Abklärung gehören Kolposkopie mit Jodfärbung (Lugol) und gezielte Biopsien.
  • Die Diagnose des Vaginalkarzinoms wird durch Biopsie gestellt.

Weiterlernen in der App

In der GynFuchs-App lernst du Vaginale intraepitheliale Neoplasie (VaIN) und Vaginalkarzinom mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (Kolposkopie, Sonographie, CTG) – kostenlos, im Browser oder als App.

Im Browser starten  GynFuchs ansehen →

Weiterführende Literatur (Auswahl)

  1. MSD Manual Professional: Vaginal Cancer
  2. StatPearls: Vaginal Cancer

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt aus der GynFuchs-App (Karteikarten, Prüfungsfragen, Bildfälle) für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.