Sterilität der Frau
Prüfungsrelevanz: in 17 von 197 Prüfungsprotokollen · Rang 39
- Synonyme
- Unfruchtbarkeit, Infertilität, unerfüllter Kinderwunsch, Tubenfaktor
- Fachgebiet
- Gynäkologie · Endokrinologie & Zyklus
- Bilder
- Mammographie/MRT 1 · Histologie & Zytologie 1 · Schema 1
- Prüfungsrelevanz
- 17 von 197 Protokollen · Rang 39
- In der App
- 2 Karteikarten · GynFuchs
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
Bilder (3)
Mammographie/MRT
Histologie & Zytologie
SchemaDefinition
Wann man überhaupt untersucht
- Definition der Sterilität: ausbleibende Konzeption >12 Monate.
- Ab welchem Alter man früher einsteigt: ab 35 Jahren (sinkende Eizellreserve).
- Primäre gegen sekundäre Sterilität: primär: noch nie eine Schwangerschaft.
- Was auf keinen Fall fehlen darf: frühzeitige Einbeziehung des Partners.
- Sterilität bezeichnet das Ausbleiben einer Schwangerschaft trotz regelmäßigen ungeschützten Geschlechtsverkehrs über 12 Monate bzw. über 6 Monate bei Frauen über 35 Jahren.
- Bei häufigem ungeschütztem Geschlechtsverkehr tritt bei etwa 70 % der Paare innerhalb von 3 Monaten, bei 80 % innerhalb von 6 Monaten und bei 90 % innerhalb eines Jahres eine Schwangerschaft ein.
Einteilung
- Nach Ursache unterscheidet man Spermienstörungen, Ovulationsstörungen, verminderte ovarielle Reserve, tubare Faktoren, Endometriose, uterine oder andere pelvine Anomalien, Zervixfaktoren sowie die ungeklärte (idiopathische) Sterilität.
Vorkommen & Epidemiologie
Epidemiologie
- Weltweit sind bis zu 15 % der Paare betroffen.
- Ein männlicher Faktor ist, allein oder zusammen mit einem weiblichen, an etwa der Hälfte der Fälle beteiligt.
Ätiopathogenese
Ursachen sortieren
- Uterine Ursachen: Myome, Polypen, Synechien, Septen.
- Endokrine Ursachen: PCOS, Hyperprolaktinämie, Thyreopathie.
- Peritoneale Ursache: Endometriose/Adenomyose mit Adhäsionen.
- Was man nie vergisst: Alter der Frau als wichtigster Faktor.
Ätiologie und Pathogenese
- Ovulationsstörungen machen etwa 21–25 % der Fälle aus; das polyzystische Ovarsyndrom ist die häufigste Ursache anovulatorischer Sterilität (bis zu 80 %), weitere sind Hyperprolaktinämie, funktionelle hypothalamische Amenorrhö und Schilddrüsenfunktionsstörungen.
- Die ovarielle Reserve ist jenseits des 35. Lebensjahres häufig vermindert, mit beschleunigter Abnahme um das 37.–38. Lebensjahr; auch Endometriome, Beckeninfektionen, Rauchen und Adipositas können sie mindern.
- Tubare Faktoren (Anteil 11–67 %) können nach einer Salpingitis im Rahmen entzündlicher Erkrankungen des kleinen Beckens durch Fibrose und Tubenverschluss entstehen.
- Uterine Ursachen sind Leiomyome, Endometriumpolypen und intrauterine Adhäsionen (Asherman-Syndrom); die Endometriose wird bei 6–40 % der Fälle als Ursache angegeben.
- Rauchen sowie übermäßiger Alkohol- oder Koffeinkonsum können die Fruchtbarkeit beeinträchtigen; bei 15–28 % bleibt die Ursache ungeklärt.
Klinik
Weitere Fakten aus den Lernfragen
- Die Abklärung umfasst neben der Gerinnung auch genetische Ursachen (Karyotypisierung) und anatomische uterine Faktoren.
- Bei habituellen Aborten ist die Suche nach dem Antiphospholipid-Syndrom ein zentraler Bestandteil der Gerinnungsdiagnostik.
- Die Definition für habituelle Aborte ist das Auftreten von drei oder mehr aufeinanderfolgenden Fehlgeburten.
- Die Bestimmung der Schilddrüsen- (TSH) und Prolaktinwerte ist nicht zyklusabhängig.
- Sie gehören zur Basisdiagnostik bei unerfülltem Kinderwunsch.
- Der Nachweis eines Eisprungs erfolgt über den Progesteronanstieg in der Lutealphase.
- Die Messung erfolgt typischerweise um den 21. Zyklustag.
- Die Laparoskopie mit Chromopertubation ist ein Verfahren zur Überprüfung der Eileiterdurchgängigkeit.
- Eine alternative, weniger invasive Methode ist die Kontrastmittelsonographie.
- Die basale Hormondiagnostik (FSH, LH, Östradiol, Testosteron, AMH) erfolgt am Anfang des Zyklus.
- Leitsymptom ist der unerfüllte Kinderwunsch, der häufig mit Angst, Traurigkeit, Schuldgefühlen und teils mit Depression einhergeht.
- Hinweise auf die Ursache geben Zyklusstörungen, Zeichen der Hyperandrogenämie wie Hirsutismus oder Akne sowie Uterus- oder Adnexbefunde wie Leiomyome oder Endometriome.
Diagnostik
Bei der Frau
- Hormonlabor am richtigen Tag: FSH, LH, E2, Testosteron, AMH an ZT 2–5.
- Unabhängig vom Zyklustag bestimmt man: TSH und Prolaktin.
- Nachweis eines stattgehabten Eisprungs: Progesteronanstieg in Lutealphase (ca. ZT 21).
- Was sonographisch gesucht wird: Myome, Polypen, Adenomyose, Uterusfehlbildung.
- Prüfung der Tubendurchgängigkeit: Laparoskopie mit Chromopertubation.
Beim Mann
- Basisuntersuchung: Spermiogramm nach aktuellen WHO-Kriterien.
- Anteil männlicher Ursachen: ca. 1/3, plus 1/3 kombinierte Ursachen.
- Ein Serumprogesteron von mindestens 3 ng/ml etwa eine Woche vor der nächsten Menstruation zeigt eine stattgehabte Ovulation an; die Basaltemperaturkurve ist oft ungenau.
- Die ovarielle Reserve wird am empfindlichsten über AMH und die sonografische Zahl antraler Follikel beurteilt, da das FSH erst spät ansteigt; bei Zyklusstörungen werden TSH und Prolaktin bestimmt.
- Die Tubendurchgängigkeit wird mittels Hysterosalpingografie, Sonografie mit Flüssigkeitsinstillation oder Laparoskopie geprüft; die Laparoskopie gilt als Goldstandard für Tubenveränderungen.
- Das Cavum uteri wird zunächst vaginalsonografisch beurteilt; Goldstandard für intrauterine Veränderungen ist die Hysteroskopie.
- Da etwa die Hälfte der Fälle einen männlichen Faktor betrifft, werden beide Partner untersucht, der Mann mit einem Spermiogramm.
Weiterlernen in der App
Weiterführende Literatur (Auswahl)
Querverweise
Weitere Themen: Endokrinologie & Zyklus
Hinweis: Lerninhalt aus der GynFuchs-App (Karteikarten, Prüfungsfragen, Bildfälle) für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.