Hirsutismus und Hyperandrogenämie
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- Synonyme
- Hyperandrogenämie, Virilisierung, Ferriman-Gallwey-Score, Androgenisierung, vermehrte Körperbehaarung, männlicher Behaarungstyp
- Fachgebiet
- Gynäkologie · Endokrinologie & Zyklus
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- Klinik 1
- Prüfungsrelevanz
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- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
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Definition
Begriffe auseinanderhalten
- Hirsutismus: Terminalhaar an androgenabhängigen Stellen.
- Hypertrichose: Androgenunabhängiger Haarwuchs, oft medikamentös.
- Virilisierung: Hirsutismus plus Klitorishypertrophie, Stimmvertiefung.
- Wie der Hirsutismus abgestuft wird: Mittels Ferriman-Gallwey-Score (9 Körperregionen).
- Was rasche Progredienz mit Virilisierung bedeutet: V. a. androgenproduzierenden Tumor (rasche Abklärung).
- Hirsutismus ist ein übermäßiges Wachstum dicker, dunkler Haare nach männlichem Verteilungsmuster bei Frauen nach der Pubertät, etwa im Bart- und Oberlippenbereich, an Brust, Rücken, Unterbauch und Oberschenkelinnenseiten.
- Ursache sind erhöhte zirkulierende Androgenspiegel oder eine gesteigerte Androgenempfindlichkeit der Haarfollikel; der Schweregrad korreliert daher nicht eng mit der Höhe der Androgenspiegel.
Vorkommen & Epidemiologie
Epidemiologie
- Hirsutismus ist häufig und betrifft in den USA schätzungsweise fast 10 % der Frauen; was als übermäßig gilt, hängt von ethnischer Herkunft und kultureller Wahrnehmung ab.
Ätiopathogenese
Ätiologie und Pathogenese
- Häufigste Ursache ist das polyzystische Ovarsyndrom.
- Ein nichtklassisches adrenogenitales Syndrom beruht fast immer auf einem 21-Hydroxylase-Mangel mit vermehrter Bildung von 17-Hydroxyprogesteron und Androstendion und kann einem PCOS klinisch ähneln.
- Androgenbildende Ovarial- und Nebennierentumoren sind seltene Ursachen; sie führen typischerweise erst später im Leben zu rasch fortschreitendem Hirsutismus, Nebennierenkarzinome oft zusammen mit einem Cushing-Syndrom.
- Weitere Ursachen sind Cushing-Syndrom, Akromegalie, Hyperprolaktinämie, ovarielle Hyperthekose und androgen wirkende Substanzen wie Anabolika.
- Der idiopathische Hirsutismus bei normalen Androgenspiegeln, regelmäßigen Zyklen und fehlender erkennbarer Ursache ist eine Ausschlussdiagnose; er findet sich bei etwa der Hälfte der Frauen mit leichtem Hirsutismus.
Klinik
- Begleitend finden sich häufig Akne, Zyklusstörungen und eine androgenetische Alopezie; eine Acanthosis nigricans weist auf eine Hyperinsulinämie, etwa bei PCOS, hin.
- Plötzlicher Beginn, rasche Progredienz, Beginn erst später im Leben oder Virilisierungszeichen wie Klitorishypertrophie, Stimmvertiefung, vermehrte Muskelmasse und Glatzenbildung weisen auf einen androgenbildenden Tumor hin.
Diagnostik
Labor
- Basisparameter: Gesamttestosteron, SHBG, DHEAS, Androstendion.
- Warum SHBG mitbestimmt wird: Zur Abschätzung des freien, wirksamen Testosterons.
- Was den SHBG-Spiegel senkt: Adipositas und Insulinresistenz (erhöht freies T.).
- Ein stark erhöhtes DHEAS lenkt: auf eine adrenale Ursache.
- Zur Abgrenzung des Adrenogenitalen Syndroms: 17-Hydroxyprogesteron (frühe Follikelphase).
- Der Schweregrad wird mit dem Ferriman-Gallwey-Score erfasst, der neun androgenempfindliche Körperregionen mit je 0 bis 4 Punkten bewertet.
- Die Basisdiagnostik umfasst freies und Gesamttestosteron, DHEAS sowie LH und FSH, bei Zyklusstörungen zusätzlich Prolaktin; 17-Hydroxyprogesteron wird bei Verdacht auf ein AGS bestimmt.
- Hohes Testosteron bei normalem DHEAS spricht für eine ovarielle, zusätzlich erhöhtes DHEAS für eine adrenale Androgenquelle.
Weiterlernen in der App
Weiterführende Literatur (Auswahl)
Querverweise
Hinweis: Lerninhalt aus der GynFuchs-App (Karteikarten, Prüfungsfragen, Bildfälle) für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.
