Klimakterisches Syndrom
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- Synonyme
- Wechseljahre, Menopause, Perimenopause, Hitzewallungen, Klimakterium
- Fachgebiet
- Gynäkologie · Endokrinologie & Zyklus
- Prüfungsrelevanz
- 30 von 197 Protokollen · Rang 27
- In der App
- 1 Karteikarten · GynFuchs
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
Definition
Begriffe
- Menopause: Letzte Blutung nach 12 Monaten Amenorrhoe.
- Durchschnittsalter in Deutschland: etwa 51 Jahre.
- Perimenopause: Zeit vor und 1 Jahr nach der Menopause.
- Klimakterium praecox: Erlöschen der Ovarialfunktion vor dem 40. LJ.
- Was hormonell zugrunde liegt: Erschöpfte Follikelreserve, Östradiol ↓, FSH ↑.
- Das Klimakterium ist die Übergangsphase vom reproduktiven Lebensabschnitt zum Erlöschen der Ovarialfunktion; die Perimenopause umfasst die Jahre vor und das erste Jahr nach der letzten Menstruation und ist meist die beschwerdereichste Phase.
- Die Menopause ist das endgültige Ausbleiben der Menstruation infolge des Verlusts der ovariellen Follikelfunktion und wird rückblickend nach 12 Monaten Amenorrhö festgestellt.
Einteilung
- Die Stadieneinteilung erfolgt nach STRAW+10; Hauptkriterium ist die Zyklusregelmäßigkeit, während FSH, AMH, Inhibin B und die antrale Follikelzahl nur unterstützend herangezogen werden.
- Die frühe Übergangsphase ist durch eine anhaltende Zykluslängendifferenz von mindestens 7 Tagen definiert, die späte durch Blutungspausen von mindestens 60 Tagen.
- Eine frühe Menopause tritt zwischen 40 und 45 Jahren ein; ein nicht iatrogenes Erlöschen der Ovarialfunktion vor dem 40. Lebensjahr entspricht einer prämaturen Ovarialinsuffizienz.
Vorkommen & Epidemiologie
Epidemiologie
- Die natürliche Menopause tritt meist zwischen 45 und 55 Jahren ein, in den USA im Mittel mit 51 Jahren; Rauchen, Leben in großer Höhe und Mangelernährung können sie vorverlegen.
- Hitzewallungen und Nachtschweiß betreffen die Mehrheit der Frauen (Angaben 50–85 %), beginnen meist vor dem Ausbleiben der Menstruation und halten im Mittel etwa 7 Jahre, teils über 10 Jahre an.
- Eine vulvovaginale Atrophie als Teil des urogenitalen Menopausensyndroms betrifft etwa 40 % der postmenopausalen Frauen.
Ätiopathogenese
Ätiologie und Pathogenese
- Ursache ist die fortschreitende Abnahme funktionsfähiger Follikel; mit sinkenden ovariellen Inhibin- und Östrogenspiegeln entfällt die negative Rückkopplung auf die Hypophyse, sodass FSH und LH deutlich ansteigen.
- Zunächst verkürzt sich die Follikelphase mit kürzeren, unregelmäßigeren Zyklen, selteneren Ovulationen und verminderter Progesteronbildung; stark schwankende Östrogenspiegel können Brustspannen, veränderte Blutungsstärke und Stimmungsschwankungen bewirken.
- Hitzewallungen beruhen auf Veränderungen der hypothalamischen Thermoregulation: Bei sinkendem Östradiol werden Kisspeptin-Neurokinin-B-Dynorphin-(KNDy-)Neurone im Nucleus arcuatus überaktiv und lösen über die präoptische Region Wärmeabgabe aus.
Klinik
Symptome
- Leitsymptom: Hitzewallungen und Schweißausbrüche, also die vasomotorischen Beschwerden.
- Weitere typische Beschwerden: Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Libidoverlust.
- Das urogenitale Syndrom: Scheidentrockenheit, Dyspareunie, rez. HWI.
- Was fast alle betrifft, aber spät auffällt: Knochendichteverlust.
Weitere Fakten aus den Lernfragen
- Die Diagnose stützt sich auf die klinische Beurteilung von Alter, Zyklusanamnese und den typischen Symptomen.
- Eine apparative oder laborchemische Diagnostik ist in der Regel nicht primär notwendig.
- Eine Hormonbestimmung ist bei typischer Klinik meist verzichtbar, da die Hormonwerte stark schwanken können.
- Der Begriff Klimakterium praecox beschreibt das vorzeitige Versagen der Ovarialfunktion vor dem 40. Lebensjahr.
- Dazu zählen Blutdruck, Gewicht, die gynäkologische Vorsorge und die Familienanamnese.
- Vasomotorische Symptome: episodische Hitzewallungen von 30 Sekunden bis 5 Minuten Dauer mit Wärmegefühl, Rötung von Gesicht, Kopf und Hals und Schwitzen, oft gefolgt von Frösteln, nachts als Nachtschweiß mit gestörtem Schlaf.
- Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit, depressive Verstimmung und Angst können die Perimenopause vorübergehend begleiten; ein direkter Zusammenhang mit der Menopause ist nicht gesichert, gestörter Schlaf durch Nachtschweiß kann aber Müdigkeit und Reizbarkeit fördern.
- Das urogenitale Menopausensyndrom umfasst Scheidentrockenheit, Reizung, Juckreiz, Dyspareunie, Harndrang, Dysurie und gehäufte Harnwegsinfekte oder Vaginitiden; anders als vasomotorische Beschwerden schreitet es mit dem Alter fort.
- Seltener treten Gelenkschmerzen auf; nach der Menopause steigt das LDL-Cholesterin, und die koronare Herzkrankheit wird häufiger.
- In den ersten 5 Jahren nach der Menopause gehen bis zu 20 % der Knochendichte verloren; danach entspricht der altersbedingte Knochenverlust dem von Männern.
Diagnostik
- Wie die Diagnose gestellt wird: klinisch: Alter, Zyklus, Symptome.
- Welchen Wert eine Hormonbestimmung hat: meist verzichtbar.
- Abklärungspflichtig bleibt: jede postmenopausale Blutung.
- Die Diagnose ist klinisch; bei Frauen in den 40ern mit typischen Beschwerden ist eine Perimenopause wahrscheinlich.
- FSH wird nur selten bestimmt, etwa bei Frauen ohne Uterus oder bei jüngeren Frauen; wegen der Schwankungen in der Übergangsphase ist ein Einzelwert wenig aussagekräftig, anhaltend erhöhte Werte bestätigen die Menopause.
- Bei der Untersuchung zeigt sich eine vulvovaginale Atrophie mit dünner, trockener, vulnerabler Schleimhaut und Verlust der Rugae; der vaginale pH-Wert steigt, ein pH über 5 spricht für einen vermehrten Anteil an Parabasalzellen.
Weiterlernen in der App
Weiterführende Literatur (Auswahl)
Querverweise
Weitere Themen: Endokrinologie & Zyklus
Hinweis: Lerninhalt aus der GynFuchs-App (Karteikarten, Prüfungsfragen, Bildfälle) für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.