Schulterdystokie
Prüfungsrelevanz: in 33 von 197 Prüfungsprotokollen · Rang 20
- Synonyme
- hoher Schultergeradstand, tiefer Schulterquerstand, Turtle sign
- Fachgebiet
- Geburtshilfe · Geburt & Wochenbett
- Bilder
- Mammographie/MRT 1 · Klinik 1 · Schema 1
- Prüfungsrelevanz
- 33 von 197 Protokollen · Rang 20
- In der App
- 2 Karteikarten · GynFuchs
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
Bilder (3)
Mammographie/MRT
SchemaDefinition
- Eine Schulterdystokie liegt vor, wenn nach Kopfgeburt die Schultern Manöver erfordern.
- Unterschieden werden hoher Schultergeradstand und tiefer Querstand; die gefährlichere Form ist der hohe Schultergeradstand.
- Das Turtle-neck-Zeichen beschreibt das Zurückziehen des Kopfes an den Damm.
- Bei der Schulterdystokie verkeilt sich nach Geburt des Kopfes die vordere Schulter hinter der Symphyse, seltener die hintere Schulter hinter dem Promontorium.
- Kennzeichnend ist, dass die Schultern mit sanftem Zug nach unten nicht entwickelt werden können und zusätzliche geburtshilfliche Manöver nötig werden; als objektives Kriterium wird ein Kopf-Schulter-Intervall über 60 Sekunden genannt.
Vorkommen & Epidemiologie
Zahlen
- Insgesamt tritt die Schulterdystokie bei 0,5–1 % aller vaginalen Geburten auf.
- Das Wiederholungsrisiko liegt bei bei ca. 14 %.
Epidemiologie
- Die Schulterdystokie tritt bei etwa 0,2 bis 3 % der vaginalen Geburten aus Schädellage auf.
- Die Häufigkeit steigt mit dem Geburtsgewicht von etwa 0,3–1 % bei 2500 bis 4000 g auf 5–7 % bei 4000 bis 4500 g; dennoch betrifft mehr als die Hälfte der Fälle normalgewichtige Kinder.
Ätiopathogenese
Risikofaktoren
- Dazu zählen Makrosomie, Diabetes, Adipositas, protrahierte Geburt.
- Bei Diabetikerinnen ist das Risiko erhöht, weil der Rumpf überproportional wächst.
Ätiologie und Risikofaktoren
- Ursache ist ein im Verhältnis zum Geburtskanal zu großer Schulterdurchmesser (biakromialer Durchmesser).
- Risikofaktoren sind fetale Makrosomie, mütterliche Adipositas, Diabetes mellitus, eine Schulterdystokie in einer früheren Schwangerschaft, eine Zangen- oder Saugglockengeburt sowie eine sehr rasche oder verlängerte Geburt.
- Ein frühes Warnzeichen ist eine verlängerte Austreibungsperiode, besonders bei Kindern mit Risikofaktoren.
Klinik
Weitere Fakten aus den Lernfragen
- Das Wiederholungsrisiko für eine Schulterdystokie wird mit etwa 14 Prozent angegeben.
- Bei Schwangeren mit Diabetes mellitus kommt es häufig zu einem überproportionalen Wachstum des fetalen Rumpfes.
- Dies führt zu breiteren Schultern und erhöht das Risiko für eine Schulterdystokie.
- Durch die notwendigen Manöver und die verlängerte Austreibungsphase steigt das Risiko für die Mutter.
- Zu den typischen mütterlichen Komplikationen zählen Uterusatonie und höhergradige Damm- oder Zervixrisse.
- Obwohl Makrosomie ein wichtiger Risikofaktor ist, tritt die Mehrzahl der Schulterdystokien unerwartet auf.
- Die meisten Fälle ereignen sich bei Kindern mit einem normalen Geburtsgewicht.
- Ziel ist es, die vordere Schulter zu adduzieren und unter der Symphyse hindurch zu rotieren.
- Der Kristeller-Handgriff und der Zug am Kopf sind bei einer Schulterdystokie ausdrücklich verboten.
- Beide Manöver können die Einklemmung der Schulter (Impaktion) verstärken und zu schweren Verletzungen des kindlichen Plexus brachialis führen.
Klinik und Komplikationen
- Der geborene Kopf kann sich gegen den Damm zurückziehen (Schildkrötenzeichen); dieses Zeichen zeigt allerdings nur ein Teil der Fälle.
- Plexus-brachialis-Läsionen treten bei etwa 7–20 % der Schulterdystokien auf, häufiger rechts; am häufigsten ist die obere Plexuslähmung (Erb, C5–C6), seltener die untere (Klumpke, C8–Th1) oder eine komplette Lähmung; die meisten bilden sich innerhalb von 6–12 Monaten zurück, etwa 10 % der Erb-Lähmungen jedoch nicht.
- Weitere kindliche Folgen sind Klavikula- und Humerusfrakturen, bei länger dauernder Dystokie fetale Gefährdung bis zu Asphyxie und Tod.
- Mütterliche Komplikationen sind postpartale Blutung, Dammrisse, Verletzungen des Analsphinkters, Symphysensprengung und eine Neuropathie des N. cutaneus femoris lateralis.
Diagnostik
- Die Schulterdystokie ist eine klinische Diagnose, die erst bei ihrem Eintreten gestellt wird: Der Kopf ist geboren, die vordere Schulter folgt trotz sanften Zugs nicht.
- Das fetale Gewicht allein ist kein zuverlässiger Prädiktor.
Weiterlernen in der App
Weiterführende Literatur (Auswahl)
Querverweise
Hinweis: Lerninhalt aus der GynFuchs-App (Karteikarten, Prüfungsfragen, Bildfälle) für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.