Galaktorrhö

Prüfungsrelevanz: in 1 von 197 Prüfungsprotokollen · Rang 171

Fachgebiet
Gynäkologie · Brust (Mamma)
Prüfungsrelevanz
1 von 197 Protokollen · Rang 171
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Definition
  2. Vorkommen & Epidemiologie
  3. Ätiopathogenese
  4. Klinik
  5. Diagnostik
  6. Weiterlernen in der App
  7. Weiterführende Literatur (Auswahl)
  8. Querverweise

Definition

  • Milchbildung aus der Brust ohne Zusammenhang mit Schwangerschaft oder Laktation; auch eine Milchbildung ein Jahr oder länger nach Ende der Stillzeit gilt als Galaktorrhö.

Vorkommen & Epidemiologie

Epidemiologie

  • Die Hyperprolaktinämie gehört zu den häufigsten Störungen der klinischen Endokrinologie.
  • Prolaktinome sind mit 57 % der häufigste Subtyp der Hypophysenadenome, treten häufiger bei Frauen auf und haben dort ihren Häufigkeitsgipfel zwischen 16 und 48 Jahren.

Ätiopathogenese

Ätiologie und Pathogenese

  • Häufigste Ursache ist ein prolaktinbildendes Hypophysenadenom (Prolaktinom); Prolaktin ist das Hormon, das von Hypophysentumoren am häufigsten im Übermaß gebildet wird.
  • Mikroprolaktinome messen unter 10 mm, Makroprolaktinome über 10 mm; bei erwachsenen Frauen überwiegen Mikroadenome.
  • Hormoninaktive Raumforderungen der Hypophyse können den Hypophysenstiel komprimieren und so die Dopaminwirkung auf die Prolaktinsekretion unterbrechen; Prolaktin steigt dabei meist nicht über das 3- bis 4-Fache der Norm.
  • Weitere Ursachen sind eine primäre Hypothyreose über vermehrtes TRH, bestimmte Substanzen wie Antipsychotika, Metoclopramid, trizyklische Antidepressiva, Opioide und Verapamil, eine Niereninsuffizienz durch verminderte Prolaktin-Clearance sowie Thoraxwandläsionen wie Herpes zoster, Narben oder Verletzungen.

Klinik

  • Die Milch ist weiß, mikroskopisch lassen sich Fetttröpfchen erkennen; eine spontane Sekretion ist seltener als eine Sekretion auf Ausdrücken.
  • Frauen mit Galaktorrhö haben häufig zugleich eine Amenorrhö oder Oligomenorrhö, teils mit Zeichen des Östrogenmangels wie Dyspareunie und Libidoverlust; weitere Zyklusstörungen sind seltene Ovulationen und eine Corpus-luteum-Insuffizienz.
  • Raumfordernde Tumoren verursachen Kopfschmerzen und Sehstörungen; dies betrifft vor allem Männer, bei denen Mikroadenome deutlich seltener sind.

Diagnostik

  • Die Diagnose stützt sich auf erhöhte Prolaktinwerte, bei Prolaktinomen typischerweise über dem Fünffachen der Norm; die Prolaktinhöhe korreliert im Allgemeinen mit der Tumorgröße.
  • Eine Schwangerschaft geht physiologisch mit erhöhten Prolaktinwerten einher; eine primäre Hypothyreose ist bei nicht erhöhtem TSH ausgeschlossen.
  • Bei extrem hohen Prolaktinwerten großer Prolaktinome kann der Hook-Effekt künstlich niedrige Messwerte liefern, die sich durch Wiederholung der Messung in einer Verdünnung von 1:100 aufdecken lassen.
  • Makroprolaktin, überwiegend Komplexe aus Prolaktin und IgG oder IgA, gilt als weitgehend unwirksam, wird aber von den Immunoassays miterfasst und kann so zu Fehldiagnosen führen.
  • Die MRT mit Kontrastmittel ist das wichtigste Verfahren zum Nachweis von Mikroadenomen.

Weiterlernen in der App

In der GynFuchs-App lernst du Galaktorrhö mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (Kolposkopie, Sonographie, CTG) – kostenlos, im Browser oder als App.

Im Browser starten  GynFuchs ansehen →

Weiterführende Literatur (Auswahl)

  1. StatPearls: Galactorrhea (NCBI Bookshelf)
  2. MSD Manual Professional: Prolactinoma
  3. Hyperprolactinaemia (J Clin Med 2019, PubMed Central)

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt aus der GynFuchs-App (Karteikarten, Prüfungsfragen, Bildfälle) für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.