Hereditäres Brust- und Eierstockkrebs-Syndrom (BRCA)

Prüfungsrelevanz: in 17 von 197 Prüfungsprotokollen · Rang 39

Synonyme
BRCA1, BRCA2, HBOC, erblicher Brustkrebs, HRD
Fachgebiet
Gynäkologie · Brust (Mamma)
Bilder
Histologie & Zytologie 2
Prüfungsrelevanz
17 von 197 Protokollen · Rang 39
In der App
2 Karteikarten · GynFuchs
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Bilder (2)
  2. Definition
  3. Vorkommen & Epidemiologie
  4. Ätiopathogenese
  5. Klinik
  6. Histologie
  7. Diagnostik
  8. Weiterlernen in der App
  9. Weiterführende Literatur (Auswahl)
  10. Querverweise

Bilder (2)

Hereditäres Brust- und Eierstockkrebs-Syndrom (BRCA) – Histologie & Zytologie: Histologie (HE): seröses tubares intraepitheliales Karzinom (STIC) – geschichtetes, stark atypisches Tubenepithel mit Kernvergrößerung und Verlust der Polarität, rechts unten noch …Histologie & Zytologie
Histologie (HE): seröses tubares intraepitheliales Karzinom (STIC) – geschichtetes, stark atypisches Tubenepithel mit Kernvergrößerung und Verlust der Polarität, rechts unten noch …Bild: Nephron (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 4.0 · Quelle
Hereditäres Brust- und Eierstockkrebs-Syndrom (BRCA) – Histologie & Zytologie: Immunhistochemie p53: STIC mit kräftiger diffuser p53-Kernfärbung (mutationstypisches Muster), scharf abgesetzt gegen unauffälliges Tubenepithel mit schwacher Wildtyp-Färbung (oben links)Histologie & Zytologie
Immunhistochemie p53: STIC mit kräftiger diffuser p53-Kernfärbung (mutationstypisches Muster), scharf abgesetzt gegen unauffälliges Tubenepithel mit schwacher Wildtyp-Färbung (oben links)Bild: Nephron (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 4.0 · Quelle
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Definition

  • Erbliches Tumorprädispositionssyndrom durch pathogene Keimbahnvarianten in BRCA1 (langer Arm von Chromosom 17) oder BRCA2 (langer Arm von Chromosom 13) mit erhöhtem Risiko vor allem für Mamma- und Ovarialkarzinome.
  • Der Erbgang ist autosomal-dominant.

Vorkommen & Epidemiologie

Epidemiologie

  • Pathogene Varianten in hoch penetranten Genen wie BRCA1 und BRCA2 sind in der Bevölkerung selten und erklären schätzungsweise höchstens 5–10 % aller Mamma- und Ovarialkarzinome.
  • Etwa 1 von 400 bis 1 von 800 Personen der Allgemeinbevölkerung ohne aschkenasisch-jüdische Abstammung trägt eine pathogene BRCA1- oder BRCA2-Variante.
  • BRCA1: Das kumulative Risiko bis zum 70. Lebensjahr liegt nach zwei Metaanalysen für das Mammakarzinom bei 55–65 % und für das Ovarialkarzinom bei 39 %.
  • BRCA2: Das kumulative Risiko bis zum 70. Lebensjahr liegt nach zwei Metaanalysen für das Mammakarzinom bei 45–47 % und für das Ovarialkarzinom bei 11–17 %.
  • Bei Personen aschkenasisch-jüdischer Abstammung tragen etwa 2 % eine pathogene BRCA-Variante, meist eine von drei Gründervarianten.

Ätiopathogenese

BRCA und HRD

  • BRCA1/2-Funktion: BRCA1 und BRCA2 sind Tumorsuppressorgene der homologen Rekombination, die DNA-Doppelstrangbrüche reparieren.
  • HRD-Definition: HRD bedeutet homologe Rekombinationsdefizienz, also der funktionelle Defekt dieses Reparaturwegs auch ohne BRCA-Mutation.
  • Keimbahn- vs. somatische Mutation: Eine Keimbahnmutation unterscheidet sich von einer somatischen Mutation dadurch, dass sie in allen Körperzellen vorliegt und vererbt werden kann.

Wer getestet wird

  • Testmaterial: Getestet wird die Keimbahn aus Blut und zusätzlich der Tumor auf somatische Mutationen und homologe Rekombinationsdefizienz.
  • Prävalenz: Etwa jedes fünfte Ovarialkarzinom trägt eine Keimbahnmutation in BRCA1 oder BRCA2.

Ätiologie und Pathogenese

  • BRCA1 und BRCA2 verhalten sich wie Tumorsuppressorgene, in den Tumoren geht häufig auch das normale Allel verloren; ihre Proteine sind unter anderem an der Reparatur von DNA-Doppelstrangbrüchen durch homologe Rekombination beteiligt.
  • Weitere Gene mit erhöhtem Brust- oder Eierstockkrebsrisiko sind unter anderem PALB2, CHEK2, ATM, RAD51C, RAD51D, TP53 und PTEN.

Klinik

Weitere Fakten aus den Lernfragen

  • Die Analyse auf eine vererbbare Mutation (Keimbahnmutation) wird aus einer Blutprobe durchgeführt.
  • Die Gene BRCA1 und BRCA2 sind entscheidend für die Reparatur von DNA-Doppelstrangbrüchen.
  • Dieser Reparaturmechanismus wird als homologe Rekombination bezeichnet.
  • Der Beginn der intensivierten Früherkennung richtet sich nach dem Indexfall in der Familie.
  • Sie startet daher in der Regel deutlich vor dem Alter des allgemeinen Mammographie-Screenings.
  • Das Lynch-Syndrom beruht auf einem Defekt der DNA-Mismatch-Reparatur, nicht der homologen Rekombination.
  • Ein Hinweis darauf ist der Ausfall der Mismatch-Reparatur-Proteine in der Immunhistochemie.
  • Das Erkrankungsalter bei BRCA1-Mutationsträgerinnen ist im Mittel jünger als bei BRCA2.
  • Hinweise in der Eigen- oder Familienanamnese sind ein Mammakarzinom bis zum 50. Lebensjahr, ein Ovarialkarzinom, ein Mammakarzinom beim Mann, ein Pankreaskarzinom, ein metastasiertes oder Hochrisiko-Prostatakarzinom, eine bekannte BRCA-Variante in der Familie und eine aschkenasisch-jüdische Abstammung. Auch mehrere Primärtumoren bei einer Person, etwa ein beidseitiges Mammakarzinom, sprechen für eine erbliche Ursache.
  • Mammakarzinome bei BRCA1-Trägerinnen sind meist triple-negativ bzw. basal-like und häufiger hochgradig, bei BRCA2-Trägerinnen überwiegend östrogen- und progesteronrezeptorpositiv.
  • Bei BRCA2 sind zusätzlich Prostata- und Pankreaskarzinome sowie Mammakarzinome des Mannes gehäuft; ein Zusammenhang mit Melanomen ist nicht in allen Studien belegt.

Histologie

  • BRCA1-assoziierte Mammakarzinome zeigen häufiger als erwartet eine medulläre Histologie und überschneiden sich weitgehend mit dem basal-like-Subtyp.
  • BRCA-assoziierte Ovarialkarzinome sind häufiger high-grade seröse Adenokarzinome und seltener muzinöse oder Borderline-Tumoren; okkulte Läsionen in den Tuben sprechen dafür, dass viele von ihnen in der Tube entstehen.

Diagnostik

  • Der Nachweis erfolgt durch eine molekulargenetische Keimbahnanalyse aus Blut oder Speichel, entweder als Zwei-Gen-Analyse von BRCA1 und BRCA2 oder als Multigen-Panel.
  • Befunde lauten pathogen bzw. wahrscheinlich pathogen, negativ oder Variante unklarer Signifikanz; eine Variante unklarer Signifikanz belegt kein erhöhtes Krebsrisiko und wird mit zunehmender Datenlage meist als benigne neu eingestuft.

Weiterlernen in der App

In der GynFuchs-App lernst du Hereditäres Brust- und Eierstockkrebs-Syndrom (BRCA) mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (Kolposkopie, Sonographie, CTG) – kostenlos, im Browser oder als App.

In der App: 2 Karteikarten zu diesem Thema

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Weiterführende Literatur (Auswahl)

  1. National Cancer Institute: BRCA1 and BRCA2 (PDQ®), Fachversion
  2. National Cancer Institute: BRCA Gene Changes: Cancer Risk and Genetic Testing
  3. National Cancer Institute: Genetics of Breast and Gynecologic Cancers (PDQ®), Fachversion
  4. DocCheck Flexikon, BRCA1

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt aus der GynFuchs-App (Karteikarten, Prüfungsfragen, Bildfälle) für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.