Fetale Herzrhythmusstörungen
- Fachgebiet
- Geburtshilfe · Fetus & Pränatalmedizin
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
Definition
- Eine fetale Arrhythmie liegt vor, wenn die Herzfrequenz außerhalb des Normbereichs von 110 bis 160 Schlägen pro Minute liegt oder der Rhythmus unregelmäßig ist.
Einteilung
- Unterschieden werden Extrasystolen, Tachykardien und Bradykardien.
- Als pathologische Tachykardie gilt eine anhaltende Frequenz über 180/min; atriale Tachyarrhythmien sind viel häufiger als ventrikuläre, am häufigsten sind supraventrikuläre Reentry-Tachykardien (60–70 %) und Vorhofflattern (25–30 %).
- Bradykardien unter 110/min beruhen auf Sinusbradykardie, blockierter atrialer Bigeminie oder AV-Block; eine anhaltende Bradykardie ist am häufigsten durch einen kongenitalen kompletten AV-Block bedingt.
Vorkommen & Epidemiologie
Epidemiologie
- Häufigste Rhythmusauffälligkeit sind atriale Extrasystolen (etwa 1 von 400 Schwangerschaften, 2 % im zweiten und dritten Trimenon), die meist harmlos sind; ein kompletter AV-Block wird bei etwa 1 von 20.000 Geburten beschrieben.
Ätiopathogenese
Ätiologie
- Ein kompletter AV-Block ist in bis zu 53 % mit komplexen Herzfehlern verbunden, etwa kongenital korrigierter Transposition oder Heterotaxie mit linksatrialer Isomerie.
- Ohne Herzfehler ist er meist durch mütterliche Anti-Ro/SSA-Antikörper bedingt, die ab etwa der 11. SSW die Plazenta passieren und Entzündung, Fibrose und Verkalkung des Reizleitungssystems verursachen; typisch ist ein Auftreten im zweiten Trimenon.
- Eine Sinusbradykardie kann auf fetalen Stress, eine Sinusknotendysfunktion (etwa bei Anti-Ro-Antikörpern oder linker Isomerie) oder ein Long-QT-Syndrom hinweisen.
Klinik
Klinik und Komplikationen
- Anhaltende Arrhythmien können zur hämodynamischen Dekompensation mit Hydrops fetalis und intrauterinem Fruchttod führen; anhaltende Tachykardien mit Hydrops haben eine Mortalität von bis zu 30–50 %, ohne Hydrops etwa 4 %.
- Der Anti-Ro-vermittelte AV-Block kann mit Kardiomyopathie, Valvulitis, endokardialer Fibroelastose, Perikarderguss und Hydrops einhergehen.
Diagnostik
- Wichtigstes Verfahren ist die Echokardiografie: M-Mode durch Vorhöfe und Kammern sowie gepulster Doppler, etwa an linksventrikulärem Ein- und Ausstrom oder simultan an V. cava superior und Aorta, bestimmen Vorhof- und Kammerfrequenz und ihre Beziehung.
- Dabei wird die elektrische Aktivität aus mechanischen Ereignissen abgeleitet; fetale Magnetokardiografie und fetales EKG werden als ergänzende Verfahren weiterentwickelt.
Weiterlernen in der App
Querverweise
Hinweis: Lerninhalt aus der GynFuchs-App (Karteikarten, Prüfungsfragen, Bildfälle) für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.