Anenzephalie
Prüfungsrelevanz: in 4 von 197 Prüfungsprotokollen · Rang 111
- Synonyme
- Akranie, Exenzephalie
- Fachgebiet
- Geburtshilfe · Fetus & Pränatalmedizin
- Bilder
- Sonographie 2
- Prüfungsrelevanz
- 4 von 197 Protokollen · Rang 111
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
Bilder (2)
Sonographie
SonographieDefinition
- Die Anenzephalie ist eine Entwicklungsstörung, bei der die Schädelkalotte fehlt und das Gehirn größtenteils oder vollständig nicht angelegt ist; Hirnstamm, Kleinhirn und Dienzephalon sind meist vorhanden.
- Sie gehört zu den Neuralrohrdefekten und entsteht durch fehlenden Verschluss des rostralen Neuralrohrendes; der Verschluss des kaudalen Endes bleibt bei der Spina bifida aus.
Einteilung
- Unterschieden werden Meroakranie (Foramen magnum nicht einbezogen), Holoakranie (Defekt über das Foramen magnum hinaus) und Holoakranie mit Rhachischisis bei gleichzeitiger Spina bifida.
Ätiopathogenese
Ätiologie und Risikofaktoren
- Das Neuralrohr bildet sich in der 4. Entwicklungswoche; der kraniale Neuroporus schließt sich um den 25. Tag, der kaudale etwa zwei Tage später.
- Bleibt der rostrale Neuroporus offen, entsteht zunächst eine Exenzephalie; ohne schützende Kalotte degeneriert das Hirngewebe, der Hirnstamm bleibt erhalten (Akranie-Exenzephalie-Anenzephalie-Sequenz).
- Die Entstehung ist multifaktoriell; einer der wichtigsten Ernährungsfaktoren ist der Folatmangel, hinzu kommen Antiepileptika und übermäßige Vitamin-A-Zufuhr über einen Folsäureantagonismus; Valproat gilt als am stärksten teratogen.
- Weitere mütterliche Faktoren sind Diabetes, Adipositas, Exposition gegenüber Toxinen, eine positive Familienanamnese für Neuralrohrdefekte sowie hohes Fieber oder Hyperthermie (Sauna, heißes Bad) in der Frühschwangerschaft.
Klinik
Klinik und Komplikationen
- Die Anenzephalie ist nicht mit dem Leben vereinbar: Die Sterblichkeit beträgt 100 Prozent, intrauterin oder innerhalb von Stunden bis Tagen nach der Geburt.
- Bei 12 bis 25 Prozent liegen weitere strukturelle Fehlbildungen vor.
Diagnostik
Typische Bildbefunde
- Sonographie (Anenzephalie (Akranie)): Im Sagittalschnitt ist der Rumpf regelrecht entwickelt, über den Orbitae fehlt jedoch die echoreiche Begrenzung der Kalotte. Das Hirngewebe stellt sich unregelmäßig und ohne umgebende Knochenschale dar.
- Sonographie (Anenzephalie (Akranie)): Über der fetalen Gesichtsebene fehlt die knöcherne Schädelkalotte vollständig. Das Hirngewebe liegt ungeschützt dem Schädelbasisniveau auf und flottiert im Fruchtwasser; die Kopfkontur endet abrupt oberhalb der Orbitae.
- Im Ultraschall des ersten Trimenons wird die Anenzephalie heute praktisch immer erkannt; transvaginal zeigen sich die Akranie und eine unterschiedlich ausgeprägte Hirndegeneration.
- Das nach der Scheitel-Steiß-Länge bestimmte Gestationsalter liegt bei betroffenen Feten im Mittel etwa zwei Wochen unter dem erwarteten.
- Bei der Anenzephalie sind die Großhirnhemisphären durch Massen aus Binde- und Gefäßgewebe ersetzt.
- Ein erhöhtes Alpha-Fetoprotein im mütterlichen Serum weist auf eine offene Spina bifida, eine Anenzephalie oder einen Bauchwanddefekt hin.
Weiterlernen in der App
Weiterführende Literatur (Auswahl)
Querverweise
Weitere Themen: Fetus & Pränatalmedizin
Hinweis: Lerninhalt aus der GynFuchs-App (Karteikarten, Prüfungsfragen, Bildfälle) für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.