Akute Schwangerschaftsfettleber

Fachgebiet
Geburtshilfe · Schwangerschaftserkrankungen
Bilder
Histologie & Zytologie 1
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Bilder (1)
  2. Definition
  3. Vorkommen & Epidemiologie
  4. Ätiopathogenese
  5. Klinik
  6. Histologie
  7. Diagnostik
  8. Weiterlernen in der App
  9. Weiterführende Literatur (Auswahl)
  10. Querverweise

Bilder (1)

Akute Schwangerschaftsfettleber – Histologie & Zytologie: Histologie (HE): mikrovesikuläre Verfettung mit schaumigen Hepatozyten (Pfeile) bei akuter SchwangerschaftsfettleberHistologie & Zytologie
Histologie (HE): mikrovesikuläre Verfettung mit schaumigen Hepatozyten (Pfeile) bei akuter SchwangerschaftsfettleberBild: Ronen, Joshua; Shaheen, Shahzeb; Steinberg, David; Justus, Kevin R (Wikimedia Commons) · CC BY 3.0 · Quelle · Ausschnitt

Definition

  • Die akute Schwangerschaftsfettleber ist eine seltene, lebensbedrohliche Komplikation der Spätschwangerschaft mit akuter Leberfunktionsstörung durch mikrovesikuläre Verfettung des Leberparenchyms, die zu Gerinnungsstörung, Elektrolytentgleisung und Multiorganversagen führen kann.

Vorkommen & Epidemiologie

Epidemiologie

  • Die Inzidenz liegt bei etwa 1 auf 7000 bis 1 auf 20 000 Schwangerschaften; in etwa 20 % tritt sie in einer späteren Schwangerschaft erneut auf.

Ätiopathogenese

Ätiologie und Risikofaktoren

  • Ursächlich sind mitochondriale Störungen und Defekte der fetalen und plazentaren Fettsäureoxidation, besonders ein fetaler LCHAD-Mangel; toxische 3-Hydroxy-Fettsäuren gelangen in den mütterlichen Kreislauf und führen zur mikrovesikulären Leberverfettung.
  • Häufiger betroffen sind Erstgebärende, Schwangerschaften mit männlichem Fetus, Mehrlingsschwangerschaften, Frauen mit früherer Schwangerschaftsfettleber und niedrigem BMI; in mehr als 50 % besteht zugleich eine Präeklampsie.

Klinik

Klinik und Komplikationen

  • Sie tritt im dritten Trimenon auf, selten schon spät im zweiten Trimenon oder kurz nach der Geburt; anfangs bestehen unspezifische epigastrische Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen mit erhöhten Transaminasen.
  • Frühe Komplikationen sind Hypoglykämie, akute Pankreatitis, Infektionen und akutes Nierenversagen; Zeichen des akuten Leberversagens wie Enzephalopathie und Blutungen durch Gerinnungsstörung folgen meist 1–2 Wochen nach Beginn, hinzu kommen disseminierte intravasale Gerinnung und postpartale Blutung.

Histologie

  • Die Leberbiopsie zeigt typischerweise eine mikrovesikuläre Verfettung der Hepatozyten; für die Diagnose ist sie nicht erforderlich und wird in der Schwangerschaft selten durchgeführt.

Diagnostik

  • Laborchemisch sind die Transaminasen mäßig erhöht, ohne mit dem Schweregrad zu korrelieren; häufig bestehen Leukozytose sowie erhöhte Harnstoff- und Kreatininwerte, im Verlauf Hypoglykämie und erhöhtes Ammoniak; die Thrombozyten sind ohne begleitende DIC meist normal.
  • Die Swansea-Kriterien standardisieren die Diagnose: Mindestens 6 von 14 Punkten aus klinischen und Laborbefunden wie Übelkeit oder Erbrechen, Bauchschmerz, Enzephalopathie, erhöhtem Bilirubin, Leukozytose, erhöhten Transaminasen und Kreatinin, verlängerter PT/aPTT und sonografischer Steatose sprechen für die Erkrankung.
  • Die Bildgebung trägt wenig zur Diagnose bei und dient vor allem der Abgrenzung anderer Leberprozesse wie Hämatom oder Ruptur.

Weiterlernen in der App

In der GynFuchs-App lernst du Akute Schwangerschaftsfettleber mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (Kolposkopie, Sonographie, CTG) – kostenlos, im Browser oder als App.

Im Browser starten  GynFuchs ansehen →

Weiterführende Literatur (Auswahl)

  1. StatPearls: Acute Fatty Liver of Pregnancy (NCBI Bookshelf)
  2. Int J Mol Sci 2022: Mitochondrial Dysfunction and Acute Fatty Liver of Pregnancy (PMC, Open Access)

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt aus der GynFuchs-App (Karteikarten, Prüfungsfragen, Bildfälle) für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.