Akute Schwangerschaftsfettleber
- Fachgebiet
- Geburtshilfe · Schwangerschaftserkrankungen
- Bilder
- Histologie & Zytologie 1
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
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Definition
- Die akute Schwangerschaftsfettleber ist eine seltene, lebensbedrohliche Komplikation der Spätschwangerschaft mit akuter Leberfunktionsstörung durch mikrovesikuläre Verfettung des Leberparenchyms, die zu Gerinnungsstörung, Elektrolytentgleisung und Multiorganversagen führen kann.
Vorkommen & Epidemiologie
Epidemiologie
- Die Inzidenz liegt bei etwa 1 auf 7000 bis 1 auf 20 000 Schwangerschaften; in etwa 20 % tritt sie in einer späteren Schwangerschaft erneut auf.
Ätiopathogenese
Ätiologie und Risikofaktoren
- Ursächlich sind mitochondriale Störungen und Defekte der fetalen und plazentaren Fettsäureoxidation, besonders ein fetaler LCHAD-Mangel; toxische 3-Hydroxy-Fettsäuren gelangen in den mütterlichen Kreislauf und führen zur mikrovesikulären Leberverfettung.
- Häufiger betroffen sind Erstgebärende, Schwangerschaften mit männlichem Fetus, Mehrlingsschwangerschaften, Frauen mit früherer Schwangerschaftsfettleber und niedrigem BMI; in mehr als 50 % besteht zugleich eine Präeklampsie.
Klinik
Klinik und Komplikationen
- Sie tritt im dritten Trimenon auf, selten schon spät im zweiten Trimenon oder kurz nach der Geburt; anfangs bestehen unspezifische epigastrische Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen mit erhöhten Transaminasen.
- Frühe Komplikationen sind Hypoglykämie, akute Pankreatitis, Infektionen und akutes Nierenversagen; Zeichen des akuten Leberversagens wie Enzephalopathie und Blutungen durch Gerinnungsstörung folgen meist 1–2 Wochen nach Beginn, hinzu kommen disseminierte intravasale Gerinnung und postpartale Blutung.
Histologie
- Die Leberbiopsie zeigt typischerweise eine mikrovesikuläre Verfettung der Hepatozyten; für die Diagnose ist sie nicht erforderlich und wird in der Schwangerschaft selten durchgeführt.
Diagnostik
- Laborchemisch sind die Transaminasen mäßig erhöht, ohne mit dem Schweregrad zu korrelieren; häufig bestehen Leukozytose sowie erhöhte Harnstoff- und Kreatininwerte, im Verlauf Hypoglykämie und erhöhtes Ammoniak; die Thrombozyten sind ohne begleitende DIC meist normal.
- Die Swansea-Kriterien standardisieren die Diagnose: Mindestens 6 von 14 Punkten aus klinischen und Laborbefunden wie Übelkeit oder Erbrechen, Bauchschmerz, Enzephalopathie, erhöhtem Bilirubin, Leukozytose, erhöhten Transaminasen und Kreatinin, verlängerter PT/aPTT und sonografischer Steatose sprechen für die Erkrankung.
- Die Bildgebung trägt wenig zur Diagnose bei und dient vor allem der Abgrenzung anderer Leberprozesse wie Hämatom oder Ruptur.
Weiterlernen in der App
Weiterführende Literatur (Auswahl)
Querverweise
Hinweis: Lerninhalt aus der GynFuchs-App (Karteikarten, Prüfungsfragen, Bildfälle) für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.
