Zystozele

Prüfungsrelevanz: in 15 von 197 Prüfungsprotokollen · Rang 49

Synonyme
Blasensenkung, Pulsionszystozele, Traktionszystozele
Fachgebiet
Gynäkologie · Beckenboden & Urogynäkologie
Bilder
Kolposkopie 1
Prüfungsrelevanz
15 von 197 Protokollen · Rang 49
In der App
1 Karteikarten · GynFuchs
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Bilder (1)
  2. Definition
  3. Einteilung
  4. Vorkommen & Epidemiologie
  5. Ätiopathogenese
  6. Klinik
  7. Diagnostik
  8. Weiterlernen in der App
  9. Weiterführende Literatur (Auswahl)
  10. Querverweise

Bilder (1)

Zystozele – Kolposkopie: Zystozele: glatte, prall-elastische Vorwölbung der vorderen Scheidenwand durch den Introitus, ein Muttermund ist nicht zu sehenKolposkopie
Zystozele: glatte, prall-elastische Vorwölbung der vorderen Scheidenwand durch den Introitus, ein Muttermund ist nicht zu sehenBild: Mikael Häggström (Wikimedia Commons) · CC0 · Quelle

Definition

  • Deszensus der vorderen Vaginalwand, bei dem sich die Harnblase in die Scheide vorwölbt; ist zusätzlich die Urethra betroffen, spricht man von einer Zystourethrozele.
  • Eine Zystozele entsteht meist durch eine Schwächung der pubozervikalen Faszie.

Einteilung

Die beiden Defekte

  • Pulsionszystozele: zentraler Defekt mit ausgedünnter Fascia pubocervicalis.
  • Traktionszystozele: lateraler Defekt mit Ausriss der Faszie vom Arcus tendineus fasciae pelvis.
  • Merkmal der Pulsionszystozele im Bild: die Rugae der Scheidenwand sind über der Vorwölbung verstrichen.
  • Merkmal der Traktionszystozele im Bild: die Rugae bleiben auf der vorgewölbten Wand erhalten.
  • Im POP-Q-System beschreiben die Punkte Aa und Ba die vordere Vaginalwand.
  • Die POP-Q-Stadien reichen von 0 (kein Prolaps) über I (tiefster Punkt mehr als 1 cm oberhalb des Hymens), II (zwischen 1 cm oberhalb und 1 cm unterhalb) und III (mehr als 1 cm unterhalb, aber mindestens 2 cm kürzer als die Vaginallänge) bis IV (vollständige Eversion).
  • Die ältere Baden-Walker-Einteilung nach dem Ausmaß der Vorwölbung gilt als unpräzise und nur mäßig reproduzierbar und wird kaum noch verwendet.

Vorkommen & Epidemiologie

Epidemiologie

  • Der Deszensus ist häufig, seine Prävalenz aber schwer zu bestimmen; in einer Studie an 8000 Frauen berichteten 8,3 % über einen symptomatischen Prolaps.
  • Meist sind mehrere Kompartimente betroffen; Zystozele, Enterozele und Rektozele treten besonders häufig gemeinsam auf.

Ätiopathogenese

Ätiologie und Pathogenese

  • Häufiger Risikofaktor ist die Zahl vaginaler Geburten, besonders mit verlängerter Austreibungsperiode, instrumenteller vaginaler Geburt oder einem für das Gestationsalter großen Neugeborenen.
  • Weitere Faktoren sind Adipositas, höheres Alter und ein chronisch erhöhter Bauchinnendruck durch Obstipation, schweres Heben oder chronische Atemwegserkrankungen; seltener spielen sakrale Nervenstörungen und Bindegewebserkrankungen eine Rolle.

Klinik

  • Typisch sind Fülle- und Druckgefühl im Becken oder in der Scheide und das Gefühl, dass etwas herausfällt; die Vorwölbung tritt besonders beim Pressen oder Husten hervor, ein leichter Deszensus kann beschwerdefrei sein.
  • Bei unzureichender Stützung der Urethra kann eine Belastungsinkontinenz bestehen; ein ausgeprägter Deszensus kann die Urethra dagegen abknicken, die Inkontinenz bessern und sogar zur Harnretention führen.
  • Ein Deszensus kann das Körperbild beeinträchtigen und mit Dyspareunie und sexuellen Funktionsstörungen einhergehen.

Diagnostik

Wie man am Stuhl unterscheidet

  • Hilfreicher Handgriff: Anheben der lateralen Sulci mit der Kornzange — die Traktionszystozele verschwindet dabei.
  • Untersuchungsbedingung: die Beurteilung erfolgt unter Pressen und bei mäßig gefüllter Blase.
  • Ehrliche Einordnung: die klinische Zuordnung ist unsicher und hat eine hohe Untersuchervariabilität.

Typische Bildbefunde

  • Klinischer Befund (Zystozele): Beim Pressen wölbt sich die vordere Scheidenwand als weiche, glatte Halbkugel bis vor den Scheideneingang. Eine Portio ist an diesem Gebilde nicht zu sehen, die hintere Wand bleibt an ihrem Platz.
  • Die Diagnose wird klinisch gestellt: Die hintere Vaginalwand wird mit einem Spekulumblatt zurückgehalten und die vordere Wand in Ruhe und beim Pressen beurteilt.
  • Im Stehen oder aufrecht zeigt sich der Deszensus ausgeprägter als im Liegen.
  • Als okkulte Belastungsinkontinenz gilt ein Urinverlust im Hustentest bei reponiertem Deszensus bei Frauen, die keine Inkontinenz angeben.

Weiterlernen in der App

In der GynFuchs-App lernst du Zystozele mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (Kolposkopie, Sonographie, CTG) – kostenlos, im Browser oder als App.

In der App: 1 Karteikarten zu diesem Thema

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Weiterführende Literatur (Auswahl)

  1. MSD Manual Professional: Anterior and Posterior Vaginal Wall Prolapse
  2. MSD Manual Professional: Overview of Pelvic Organ Prolapse (POP)
  3. International Urogynecology consultation chapter 2 committee 3: the clinical evaluation of pelvic organ prolapse including investigations into associated morbidity/pelvic floor dysfunction (Int Urogynecol J 2023, PubMed Central)
  4. DocCheck Flexikon, Zystozele

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt aus der GynFuchs-App (Karteikarten, Prüfungsfragen, Bildfälle) für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.