Harninkontinenz der Frau
Prüfungsrelevanz: in 31 von 197 Prüfungsprotokollen · Rang 25
- Synonyme
- Blasenschwäche, Mischinkontinenz, Urinverlust, ungewollter Urinverlust
- Fachgebiet
- Gynäkologie · Beckenboden & Urogynäkologie
- Bilder
- Klinik 2
- Prüfungsrelevanz
- 31 von 197 Protokollen · Rang 25
- In der App
- 2 Karteikarten · GynFuchs
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
Bilder (2)


Einteilung
Die drei Formen — und was die Patientin schildert
- Belastungsinkontinenz: Urinverlust beim Husten, Niesen, Heben oder Sport, ohne vorangehenden Harndrang.
- Dranginkontinenz: plötzlicher, kaum unterdrückbarer Harndrang mit Urinverlust, dazu Pollakisurie und Nykturie.
- Mischinkontinenz: beide Anteile zusammen — gefragt wird, welcher Anteil die Patientin mehr belastet.
- Häufigkeit: die Belastungsinkontinenz stellt etwa die Hälfte, die Mischform etwa ein Drittel der Fälle.
Formen, an die man zuletzt denkt
- Überlaufinkontinenz: tröpfelnder Abgang bei chronischer Retention mit großem Restharn.
- Extraurethrale Inkontinenz: ständiger Abgang ohne Drang und ohne Belastung — Hinweis auf eine Fistel.
- Nykturie: gezielt erfragen — sie spricht eher für einen Drang- als für einen Belastungsanteil.
Klinik
Weitere Fakten aus den Lernfragen
- Die Belastungsinkontinenz stellt etwa die Hälfte der Fälle dar.
- Die Mischform macht etwa ein Drittel aus.
- Ein intrinsischer Sphinkterdefekt ist das Korrelat einer starren, hypomobilen Urethra.
- Der Grundmechanismus der Dranginkontinenz sind unwillkürliche Kontraktionen des Blasenmuskels (M. detrusor vesicae) während der Füllungsphase.
- Als Risikofaktoren für die Belastungsinkontinenz gelten unter anderem vaginale Geburten, makrosome Kinder, Adipositas und chronischer Husten.
- Das Miktions- und Trinkprotokoll ist ein zentrales, einfaches diagnostisches Werkzeug.
- Es wird über einen Zeitraum von zwei bis drei Tagen geführt, um das Trink- und Miktionsverhalten zu objektivieren.
- Der Stresstest (Hustenprovokation) wird bei gut gefüllter Blase durchgeführt.
- Ein sofortiger, sichtbarer Urinabgang beweist eine Belastungsinkontinenz-Komponente.
- Die Introitus- oder Perinealsonographie ist eine dynamische Untersuchung.
Diagnostik
Anamnese
- Zuerst: Art des Urinverlusts, Auslöser, Menge, Vorlagenverbrauch und der Leidensdruck.
- Trink- und Miktionsverhalten: Trinkmenge, Kaffee, Miktionsfrequenz, Nykturie und imperativer Drang.
- Das einfachste Werkzeug: ein Miktions- und Trinkprotokoll über zwei bis drei Tage.
Klinische Untersuchung
- Spekulum und Palpation: Deszensus je Kompartiment, Atrophiezeichen, Beckenbodenkraft nach Oxford-Skala.
- Stresstest: Husten bei gefüllter Blase — sichtbarer Urinabgang im gleichen Moment beweist den Belastungsanteil.
- Bei Senkung zusätzlich: Elevationstest, um eine larvierte Belastungsinkontinenz aufzudecken.
- Immer dazu: Urinstatus mit Streifentest und Restharnbestimmung per Sonographie.
Sonographie — Introitus und Perineum
- Gefragt ist: die Mobilität des Blasenhalses und der urethrovesikale Winkel unter Pressen.
- Trichterbildung: eine trichterförmige Eröffnung des proximalen Urethralumens unter Belastung.
- Vorteil gegenüber der Urodynamik: sofort verfügbar, strahlenfrei, ohne Katheter und ohne Infektionsrisiko.
Weiterlernen in der App
Weiterführende Literatur (Auswahl)
Querverweise
Hinweis: Lerninhalt aus der GynFuchs-App (Karteikarten, Prüfungsfragen, Bildfälle) für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.