Belastungsinkontinenz

Prüfungsrelevanz: in 25 von 197 Prüfungsprotokollen · Rang 30

Synonyme
Stressinkontinenz, hypermobile Urethra, Urinverlust beim Husten
Fachgebiet
Gynäkologie · Beckenboden & Urogynäkologie
Bilder
Klinik 1
Prüfungsrelevanz
25 von 197 Protokollen · Rang 30
In der App
1 Karteikarten · GynFuchs
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Bilder (1)
  2. Definition
  3. Einteilung
  4. Vorkommen & Epidemiologie
  5. Ätiopathogenese
  6. Klinik
  7. Diagnostik
  8. Weiterlernen in der App
  9. Weiterführende Literatur (Auswahl)
  10. Querverweise

Bilder (1)

Belastungsinkontinenz – Klinik: Urodynamische Messkurve mit den Kanälen für Blasendruck (Pves), Abdominaldruck (Pabd), Detrusordruck (Pdet) und Harnfluss (Qura)
Urodynamische Messkurve mit den Kanälen für Blasendruck (Pves), Abdominaldruck (Pabd), Detrusordruck (Pdet) und Harnfluss (Qura)Bild: Warbeck (Wikimedia Commons) · Public domain · Quelle

Definition

  • Plötzlicher unwillkürlicher Urinverlust bei Aktivitäten, die den intraabdominellen Druck erhöhen, etwa körperliche Belastung, Niesen, Husten, Lachen oder Pressen.
  • Urin geht verloren, wenn der Druck in der Blase den urethralen Verschlussdruck übersteigt.

Einteilung

  • Pathophysiologisch werden eine urethrale Hypermobilität mit Tiefertreten des Blasenhalses bei geschwächtem Halteapparat und eine intrinsische Sphinkterinsuffizienz unterschieden.

Vorkommen & Epidemiologie

Epidemiologie

  • Im Laufe des Lebens erleben mehr als 60 % der Frauen eine Harninkontinenz, häufiger nach Geburten und mit zunehmendem Alter; in einer US-Erhebung an über 15.000 Frauen berichteten etwa 25 % über eine reine Belastungsinkontinenz.
  • Die Belastungsinkontinenz gehört zu den häufigsten Inkontinenzformen der Frau.

Ätiopathogenese

Warum die Belastungsinkontinenz entsteht

  • Grundmechanismus: der Urethraverschlussdruck unterschreitet unter Belastung den Blasendruck.
  • Strukturelles Korrelat: die suburethrale Aufhängung aus Faszie, Bändern und Levator ani stützt den Blasenhals nicht mehr.
  • Risikofaktoren: vaginale Geburten, makrosome Kinder, Adipositas, chronischer Husten, Östrogenmangel, schwere körperliche Arbeit.

Ätiologie und Pathogenese

  • Hauptstütze von Blasenhals und Harnröhre ist der Musculus-levator-ani-Komplex.
  • Risikofaktoren bei Frauen sind Schwangerschaft, mehrere vaginale Geburten, Menopause und Adipositas; weitere beeinflussbare Faktoren sind Rauchen und chronische Obstipation.

Klinik

Weitere Fakten aus den Lernfragen

  • Die Belastungsinkontinenz stellt etwa die Hälfte der Fälle dar.
  • Die Mischform macht etwa ein Drittel aus.
  • Ein intrinsischer Sphinkterdefekt ist das Korrelat einer starren, hypomobilen Urethra.
  • Der Grundmechanismus der Dranginkontinenz sind unwillkürliche Kontraktionen des Blasenmuskels (M. detrusor vesicae) während der Füllungsphase.
  • Als Risikofaktoren für die Belastungsinkontinenz gelten unter anderem vaginale Geburten, makrosome Kinder, Adipositas und chronischer Husten.
  • Der Urinverlust tritt bei Aktivitäten mit Druckanstieg wie Husten, Niesen, Lachen oder Anstrengung auf.
  • Ein Beckenorganprolaps, häufig nach der Menopause oder nach Geburten, ist oft mit einer Belastungsinkontinenz verbunden.

Diagnostik

  • Ein Miktionstagebuch ist ein wertvolles Hilfsmittel; beim Hustentest mit voller Blase belegt ein Urinabgang aus der Harnröhre im Moment des Hustens die Belastungsinkontinenz.
  • Beim Q-Tip-Test spricht eine Winkeländerung von mindestens 30° beim Pressen für eine urethrale Hypermobilität.
  • Zur urodynamischen Abklärung gehören unter anderem Restharnmessung, Urethradruckprofil und Leak-Point-Pressure; ein maximaler urethraler Verschlussdruck unter 20 cmH2O ist mit einer intrinsischen Sphinkterinsuffizienz assoziiert.
  • Ein abdomineller Leak-Point-Pressure unter 60 cmH2O spricht für eine intrinsische Sphinkterinsuffizienz oder eine kurze funktionelle Harnröhrenlänge, Werte über 90–100 cmH2O für eine hypermobilitätsbedingte Belastungsinkontinenz.
  • Beim Vorlagentest wird der Urinverlust durch Wiegen einer Vorlage vor und nach festgelegten Belastungen bestimmt; im Einstundentest gilt eine Gewichtszunahme um 1 g als signifikant.

Weiterlernen in der App

In der GynFuchs-App lernst du Belastungsinkontinenz mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (Kolposkopie, Sonographie, CTG) – kostenlos, im Browser oder als App.

In der App: 1 Karteikarten zu diesem Thema

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Weiterführende Literatur (Auswahl)

  1. StatPearls: Stress Urinary Incontinence (NCBI Bookshelf)
  2. Clinical Evaluation of Urinary Incontinence (J Midlife Health 2018, PubMed Central)
  3. Relationship between Q-Tip Test and Urethral Hypermobility on Perineal Ultrasound (J Clin Med 2023, PubMed Central)
  4. DocCheck Flexikon, Harninkontinenz

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt aus der GynFuchs-App (Karteikarten, Prüfungsfragen, Bildfälle) für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.