Uterusprolaps (Descensus uteri)
Prüfungsrelevanz: in 8 von 197 Prüfungsprotokollen · Rang 82
- Fachgebiet
- Gynäkologie · Beckenboden & Urogynäkologie
- Bilder
- Klinik 3 · Kolposkopie 1
- Prüfungsrelevanz
- 8 von 197 Protokollen · Rang 82
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
Bilder (4)

Kolposkopie

Definition
- Tiefertreten des Uterus mit der Zervix in Richtung des Introitus oder darüber hinaus; bei Frauen ohne Uterus kann entsprechend der Scheidenabschluss tiefertreten (apikaler Prolaps).
- Beim Totalprolaps (Prozidenz) sinken vordere und hintere Vaginalwand zusammen mit dem Apex ab, und der Uterus kann vor den Introitus treten.
Einteilung
- Im POP-Q-System beschreibt Punkt C die Zervix bzw. den Scheidenabschluss und Punkt D das hintere Scheidengewölbe; ohne Deszensus liegt die Zervix etwa 4,5 bis 7,5 cm oberhalb der Hymenalreste.
- Die POP-Q-Stadien reichen von 0 (kein Prolaps) bis IV (vollständige Eversion); die ältere Baden-Walker-Einteilung gilt als unpräzise und wird kaum noch verwendet.
Vorkommen & Epidemiologie
Epidemiologie
- Der Deszensus ist eine häufige gynäkologische Erkrankung, die Prävalenzangaben schwanken jedoch; in einer Studie an 8000 Frauen berichteten 8,3 % über einen symptomatischen Prolaps.
- Beim Uterusprolaps besteht meist zusätzlich eine Zystozele oder Rektozele.
Ätiopathogenese
Ätiologie und Pathogenese
- Ursache sind hernienähnliche Erschlaffungen der Bänder, Faszien und Muskeln, die die Beckenorgane stützen.
- Häufige Risikofaktoren sind vaginale Geburten, besonders mit verlängerter Austreibungsperiode, instrumenteller vaginaler Geburt oder großem Neugeborenen, sowie Adipositas, höheres Alter und chronisch erhöhter Bauchinnendruck; seltener sind sakrale Nervenstörungen und Bindegewebserkrankungen.
Klinik
- Bei leichtem Prolaps sind die Beschwerden meist gering; häufigstes Symptom ist eine vaginale Vorwölbung, die durch spontane Reposition zeitweise verschwinden kann.
- Bei ausgeprägterem Prolaps treten Fülle- und Druckgefühl, sexuelle Funktionsstörungen, das Gefühl des Herausfallens, Kreuzschmerzen, unvollständige Blasenentleerung und Obstipation auf.
- Harninkontinenz ist häufig; die absinkenden Organe können den Harnabfluss zeitweise behindern, eine Harnretention mit Überlaufinkontinenz verursachen und eine Belastungsinkontinenz maskieren.
- Vor den Introitus prolabierte Schleimhaut kann austrocknen, sich verdicken, chronisch entzünden, ödematös werden und ulzerieren; die Ulzera können schmerzen oder bluten.
Diagnostik
- Die Diagnose wird klinisch mit Spekulumeinstellung und bimanueller Untersuchung in Ruhe und beim Pressen gestellt und der Schweregrad mit dem POP-Q-System dokumentiert.
- Im Stehen zeigt sich der Prolaps ausgeprägter als im Liegen, während Zug an der Zervix das Ausmaß eines apikalen Deszensus überschätzen kann.
Weiterlernen in der App
Weiterführende Literatur (Auswahl)
- MSD Manual Professional: Uterine and Apical Prolapse
- MSD Manual Professional: Overview of Pelvic Organ Prolapse (POP)
- International Urogynecology consultation chapter 2 committee 3: the clinical evaluation of pelvic organ prolapse including investigations into associated morbidity/pelvic floor dysfunction (Int Urogynecol J 2023, PubMed Central)
Querverweise
Hinweis: Lerninhalt aus der GynFuchs-App (Karteikarten, Prüfungsfragen, Bildfälle) für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.