Überlaufinkontinenz

Prüfungsrelevanz: in 4 von 197 Prüfungsprotokollen · Rang 111

Fachgebiet
Gynäkologie · Beckenboden & Urogynäkologie
Prüfungsrelevanz
4 von 197 Protokollen · Rang 111
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Definition
  2. Vorkommen & Epidemiologie
  3. Ätiopathogenese
  4. Klinik
  5. Diagnostik
  6. Weiterlernen in der App
  7. Weiterführende Literatur (Auswahl)
  8. Querverweise

Definition

  • Unwillkürlicher Urinverlust aus einer überdehnten Blase infolge verminderter Detrusorkontraktilität oder einer Blasenauslassobstruktion.
  • Typisch ist ein Harnträufeln aus der übervollen Blase; die Einzelmengen sind meist klein, der Verlust kann aber ständig sein und insgesamt groß werden.

Vorkommen & Epidemiologie

Epidemiologie

  • Eine Detrusorunteraktivität verursacht bei etwa 5 % der Patienten mit Inkontinenz eine Harnretention mit Überlaufinkontinenz.
  • Eine Harnretention betrifft häufiger Männer als Frauen; bei Frauen ist eine Detrusorunteraktivität meist idiopathisch.

Ätiopathogenese

Ätiologie und Pathogenese

  • Eine Detrusorunteraktivität entsteht durch Schädigung des Rückenmarks oder der Nervenwurzeln, etwa durch Bandscheibenvorfall oder Tumor, oder durch periphere bzw. autonome Neuropathien, z. B. bei Diabetes, Alkoholkrankheit oder Vitamin-B12-Mangel.
  • Eine Auslassobstruktion entsteht bei Frauen etwa durch eine prolabierte Zystozele, die beim Pressen die Urethra abknickt, durch eine Harnröhrenstriktur oder durch eine Koprostase.
  • Eine chronische Obstruktion überdehnt die Blase, die dadurch ihre Kontraktionsfähigkeit verliert und sich unvollständig entleert.
  • Anticholinerg wirkende Substanzen und Opioide vermindern die Detrusorkontraktilität stark und sind häufige vorübergehende Auslöser; auch Kalziumkanalblocker können eine Retention mit Überlaufinkontinenz verursachen.

Klinik

  • Beschwerden sind suprapubische Schmerzen, Gefühl der unvollständigen Entleerung, schwacher Harnstrahl, Harndrang und Inkontinenz.
  • Manche Patienten, besonders ältere, sind trotz Harnretention beschwerdefrei.
  • Bei längerem Bestehen drohen Blasendekompensation, Hydronephrose, Niereninsuffizienz, vesikoureteraler Reflux, Nephrolithiasis und Harnwegsinfekte.

Diagnostik

  • Die Diagnose stützt sich auf ein hohes Restharnvolumen, gemessen per Blasenscanner, Sonographie oder Einmalkatheterisierung; da die normale maximale Blasenkapazität bei etwa 500 mL liegt, ist ein größeres Volumen eindeutig pathologisch.
  • Ein Restharn unter 50 mL gilt als normal, unter 100 mL bei über 65-Jährigen meist als akzeptabel, während über 100 mL auf eine Detrusorunteraktivität oder Auslassobstruktion hinweisen können.
  • Urinanalyse, Urinkultur und Nierenfunktionswerte gehören zur Basisdiagnostik.

Weiterlernen in der App

In der GynFuchs-App lernst du Überlaufinkontinenz mit Karteikarten, Prüfungsfragen und Bildaufgaben (Kolposkopie, Sonographie, CTG) – kostenlos, im Browser oder als App.

Im Browser starten  GynFuchs ansehen →

Weiterführende Literatur (Auswahl)

  1. StatPearls: Female Urinary Retention (NCBI Bookshelf)
  2. StatPearls: Urge Incontinence (NCBI Bookshelf)
  3. MSD Manual Professional: Urinary Incontinence in Adults

Querverweise

Hinweis: Lerninhalt aus der GynFuchs-App (Karteikarten, Prüfungsfragen, Bildfälle) für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.