Hyperemesis gravidarum
Prüfungsrelevanz: in 2 von 197 Prüfungsprotokollen · Rang 144
- Synonyme
- übermäßiges Schwangerschaftserbrechen
- Fachgebiet
- Geburtshilfe · Frühschwangerschaft
- Prüfungsrelevanz
- 2 von 197 Protokollen · Rang 144
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
Definition
- Hyperemesis gravidarum ist das schwere Ende des Spektrums von Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft und gekennzeichnet durch anhaltendes Erbrechen, deutlichen Gewichtsverlust (typischerweise mindestens 5 % des Gewichts vor der Schwangerschaft), Dehydratation und Stoffwechselstörungen.
- Die häufige, mildere Übelkeit der Schwangerschaft erreicht dagegen ihren Gipfel zwischen der 8. und 12. SSW und bessert sich im zweiten Trimenon.
Vorkommen & Epidemiologie
Epidemiologie
- Übelkeit und Erbrechen betreffen die Mehrheit der Schwangeren, nach einer Metaanalyse im Mittel etwa 70 %; für die Hyperemesis werden Häufigkeiten zwischen 0,3 und 10,8 % berichtet.
- Übelkeit und Erbrechen beginnen meist in der 6. bis 8. SSW und klingen bis zur 16. bis 20. SSW ab; die Hyperemesis tritt in späteren Schwangerschaften häufig erneut auf.
Ätiopathogenese
Ätiologie und Risikofaktoren
- Die Ursache ist nicht vollständig geklärt und wohl multifaktoriell; der Zusammenhang mit der hCG-Konzentration ist in Metaanalysen inkonsistent.
- Als zentraler Faktor gilt heute GDF15, das im frühen Trophoblasten gebildet wird und an Rezeptoren in der Area postrema bindet; genomweit fanden sich Risikoloci mit GDF15 und IGFBP7.
- Risikofaktoren sind eine Hyperemesis in einer früheren Schwangerschaft, eine positive Familienanamnese, junges Alter, ein weiblicher Fetus, Mehrlings- und Molenschwangerschaft, Schilddrüsen- und Nebenschilddrüsenfunktionsstörungen, Typ-1-Diabetes sowie eine Helicobacter-pylori-Infektion.
Klinik
Klinik und Komplikationen
- Betroffene können nicht ausreichend essen und trinken, was zu Gewichtsverlust und Dehydratation führt und den Alltag stark beeinträchtigt.
- Komplikationen sind Wernicke-Enzephalopathie durch Vitamin-B1-Mangel, Gerinnungsstörung bei Vitamin-K-Mangel, akutes Leber- und Nierenversagen, Herzrhythmusstörungen infolge von Elektrolytstörungen und Ösophagusruptur.
- In einer prospektiven Studie erfüllten 57,4 % der Betroffenen die Kriterien einer Depression oder Angststörung.
Diagnostik
- Die Diagnose wird klinisch nach Ausschluss anderer Ursachen gestellt und durch Ketonurie, orthostatische Hypotonie und Elektrolytstörungen gestützt.
- Nach der internationalen Windsor-Definition (2021) sind schwere Übelkeit oder schweres Erbrechen, die Unfähigkeit, normal zu essen oder zu trinken, eine starke Beeinträchtigung des Alltags und ein Beginn vor der 16. SSW maßgeblich; eine Ketonurie ist für die Diagnose nicht erforderlich.
- Sonografisch lassen sich Mehrlings- und Molenschwangerschaft erkennen; bei einem Teil der Betroffenen tritt eine selbstlimitierende transiente Gestationsthyreotoxikose durch hCG-Stimulation der Schilddrüse auf.
- Der Schweregrad lässt sich mit dem PUQE-Score erfassen (bis 6 leicht, 7 bis 12 mittel, ab 13 schwer).
Weiterlernen in der App
Weiterführende Literatur (Auswahl)
Querverweise
Weitere Themen: Frühschwangerschaft
Hinweis: Lerninhalt aus der GynFuchs-App (Karteikarten, Prüfungsfragen, Bildfälle) für die ärztliche Aus- und Weiterbildung – keine Behandlungsempfehlung und kein Ersatz für Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie und Vorgehen werden auf dieser Seite bewusst nicht dargestellt.