Dermatofibrom

Definition & Einordnung
- Dermatofibrom (Synonyme: benignes fibröses Histiozytom, im Praxisalltag kurz „Histiozytom") = gutartige fibrohistiozytäre Proliferation der Dermis.
- Entstehung: überwiegend als reaktive Fibroblasten-Proliferation nach Bagatelltrauma gedeutet (Insektenstich, Dornenverletzung, Rasur); ein Teil der Läsionen ist jedoch klonal.
- Epidemiologie: Häufigkeitsgipfel 20.–50. Lebensjahr, Frauen häufiger; einer der häufigsten benignen Hauttumoren überhaupt.
- Dignität: benigne, kein Entartungsrisiko, keine Metastasierung — die Bedeutung liegt allein in der Abgrenzung gegen maligne Spindelzelltumoren.
Klinik
- Lokalisation: bevorzugt untere Extremität, v. a. Unterschenkel — rund zwei Drittel der Läsionen; Frauen sind deutlich häufiger betroffen.
- Morphologie: meist solitäre Papel oder flacher Knoten von 0,5–1 cm, derb wie eine Linse, hautfarben bis rötlich-braun, oft mit peripherem Pigmentsaum.
- Palpation: die Läsion fühlt sich derb-knopfartig an und sitzt in der Dermis — sie ist mit der Epidermis verbacken, gegen die Subkutis aber verschieblich.
- Dellen-Zeichen (Fitzpatrick-Zeichen, „dimple sign"): bei seitlicher Kompression zwischen Daumen und Zeigefinger sinkt die Läsion grübchenartig ein — Folge der Verankerung im fibrosierten Korium.
- Beschwerden: meist asymptomatisch, gelegentlich Juckreiz oder Druckschmerz; Rasurverletzungen am Unterschenkel sind ein häufiger Vorstellungsgrund.
Dermatoskopie
- Klassisches Grundmuster (häufigstes der beschriebenen Muster): zentral weißliche Narbenzone mit peripherem zartem Pigmentnetz.
- Die zentrale Weißzone entspricht histologisch der dermalen Fibrose mit verdickten Kollagenbündeln und ist das entscheidende Trennmerkmal zum melanozytären Nävus.
- Das periphere Netz ist fein, hellbraun und läuft nach außen allmählich aus — in der Prospektivserie von Zaballos an 412 Läsionen das konstanteste Einzelmerkmal.
- Varianten (Zaballos beschrieb zehn dermatoskopische Muster): totale bzw. partielle Pigmentierung, gefäßbetonte Formen mit Punktgefäßen im weißen Areal; atypische Muster kommen vor und rechtfertigen im Zweifel die Exzision.
Histologie & Immunhistochemie
- Architektur: unscharf begrenzte dermale Proliferation aus Spindelzellen in storiform-faszikulärer Anordnung, ohne Kapsel, das subkutane Fettgewebe wird nicht tentakulär durchsetzt.
- Kollagen-Einschluss („collagen trapping"): an der Peripherie umgreifen die Spindelzellen dicke, eosinophile Kollagenbündel — ein für das Dermatofibrom typischer Randbefund.
- Epidermis darüber: Akanthose mit basaler Hyperpigmentierung; zusätzlich finden sich follikuläre und basaloide Induktionsphänomene.
- Immunhistochemie: Dermatofibrom Faktor XIIIa positiv, CD34 negativ.
- Gegenprobe Dermatofibrosarkom: das Dermatofibrosarcoma protuberans (DFSP) zeigt spiegelbildlich CD34 positiv, Faktor XIIIa negativ und trägt die COL1A1-PDGFB-Fusion.
Differenzialdiagnosen
- Lipom
- Epidermalzyste (Atherom)
- Basalzellkarzinom (Basaliom)
- Malignes Melanom
- Dermatofibrosarcoma protuberans (DFSP)
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- Wan L, Park A, Almatroud L, Khachemoune A. Dermatofibroma: Reappraisal and Updated Review. Clin Cosmet Investig Dermatol. 2025;18:1873-1887.
- Luzar B, Calonje E. Cutaneous fibrohistiocytic tumours - an update. Histopathology. 2010;56(1):148-165.
- Zaballos P, Puig S, Llambrich A, Malvehy J. Dermoscopy of dermatofibromas: a prospective morphological study of 412 cases. Arch Dermatol. 2008;144(1):75-83.
- Hardy CSC, Razavi A, Nunez N, et al. Immunohistochemical Profiles of Dermatofibroma and Dermatofibrosarcoma Protuberans: A Scoping Review. Appl Immunohistochem Mol Morphol. 2026;34(1):5-14.
Weitere Hauttumoren
- Basalzellkarzinom (Basaliom)
- Malignes Melanom
- Lentigo maligna
- Plattenepithelkarzinom der Haut (cSCC)
- Aktinische Keratose
- Aktinische Cheilitis
- Merkelzellkarzinom
- Mikrozystisches Adnexkarzinom
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