Antiphospholipid-Syndrom – Hautmanifestationen (Livedo racemosa, Sneddon-Syndrom)
- Synonyme
- Antiphospholipid-Syndrom, APS, Sneddon-Syndrom, Ehrmann-Sneddon-Syndrom, Livedo racemosa, Antiphospholipid-Antikörper, antiphospholipid syndrome, Sneddon syndrome
- Fachgebiet
- Dermatologie · Gefäßerkrankungen der Haut
- In der App
- 4 Karteikarten
- Stand
- 10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
Definition
Das Antiphospholipid-Syndrom (APS) ist eine erworbene Autoimmunerkrankung mit arteriellen oder venösen Thrombosen und/oder Schwangerschaftskomplikationen bei anhaltendem Nachweis von Antiphospholipid-Antikörpern. Das primäre APS tritt ohne Grunderkrankung auf, das sekundäre meist bei systemischem Lupus erythematodes. Das Sneddon-Syndrom ist eine seltene, langsam fortschreitende neurokutane Vaskulopathie aus Livedo racemosa und wiederholten zerebrovaskulären Ereignissen (TIA, Schlaganfall).
Vorkommen & Epidemiologie
Das APS wird meist bei jungen bis mittelalten Erwachsenen diagnostiziert. Das Sneddon-Syndrom hat eine Inzidenz von etwa 4 pro Million Einwohner und Jahr; rund 80 % der Betroffenen sind Frauen, das mediane Diagnosealter liegt bei 40 Jahren.
Klinik
- Livedo racemosa: verzweigtes, netzartiges Muster aus livid-violetten, unterbrochenen Ringen durch anhaltenden Verschluss kleiner bis mittelgroßer Arterien; anders als die Livedo reticularis bleibt sie bei Erwärmung bestehen. Beim Sneddon-Syndrom beginnt sie meist an Gesäß und unterem Rücken und geht den Schlaganfällen oft um mehr als 10 Jahre voraus.
- Weitere Hautzeichen des APS (mitunter Erstmanifestation): Splitterblutungen der Nägel, Unterschenkelulzera, oberflächliche Thrombophlebitis, Blue-Toe-Syndrom, Hautnekrosen, Purpura, schmerzhafte Knoten, Vaskulitis.
- Systemisch: Venenthrombose, Lungenembolie, Herzinfarkt, Schlaganfall, Fehlgeburten, Thrombozytopenie; beim Sneddon-Syndrom Kopfschmerz und Schwindel, wiederholte Schlaganfälle, früh einsetzende Demenz.
Diagnostik
- Klassifikation: Revidierte Sapporo-(Sydney-)Kriterien 2006: mindestens ein klinisches und ein Laborkriterium. ACR/EULAR-Kriterien 2023 (für Studien entwickelt): Eingangskriterium mindestens ein positiver Antiphospholipid-Antikörper-Test im Abstand von höchstens 3 Jahren zu einem APS-typischen klinischen Kriterium; danach gewichtete Punkte in sechs klinischen Domänen (venöse und arterielle Makrothrombose, mikrovaskulär, geburtshilflich, Herzklappen, hämatologisch) und zwei Labordomänen (LA-Gerinnungstest; Anticardiolipin- bzw. Anti-β2-Glykoprotein-I-IgG/IgM); APS bei je mindestens 3 Punkten aus beiden Bereichen.
- Labor: Anticardiolipin- und Anti-β2-Glykoprotein-I-Antikörper, LA-Test (z. B. dRVVT), Blutbild; Syphilis-Serologie mitunter falsch positiv.
- Sneddon-Syndrom: Antiphospholipid-Antikörper bei 50–80 % (Einteilung in aPL-positiv/-negativ); tiefe Hautbiopsien (nicht entzündliche thrombotische Vaskulopathie kleiner bis mittelgroßer Arterien; Sensitivität mit einer Biopsie 27 %, mit drei 80 %), zerebrale MRT.
Differenzialdiagnosen
- Livedo reticularis
- Periphere arterielle Verschlusskrankheit
- Martorell-Ulcus
- Kalziphylaxie (Calciphylaxie)
- Polyarteriitis nodosa
Weiterlernen in der App
Literatur (Auswahl)
- DermNet: Antiphospholipid syndrome
- DermNet: Sneddon syndrome
- PubMed: 2023 ACR/EULAR antiphospholipid syndrome classification criteria (PMID 37640450)
- PubMed: International consensus statement on an update of the classification criteria for definite antiphospholipid syndrome (APS) (PMID 16420554)
- PubMed: Antiphospholipid syndrome and the skin (PMID 9204065)
- PubMed: Sneddon Syndrome: A Comprehensive Overview (PMID 31160219)
Querverweise
Erwähnt in
Hinweis: Diese Seite dient der ärztlichen Aus- und Weiterbildung und ersetzt keine Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall.