← Wissen

Angioödem

Von Dr. Pascal Bafteh · zuletzt aktualisiert 09/2026

Angioödem: pralle, blasse bis leicht gerötete Schwellung beider Lippen ohne Quaddeln
James Heilman, MD, „AngioedemaFra“, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0 · Quelle
Angioödem: akute Schwellung der rechten Hand während eines Attacke
LucyHAE, „Swollen hand during a hereditary angioedema attack.", CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0 · Quelle

Abgrenzung zur Urtikaria

Typisch für Angioödeme ist das Fehlen von Quaddeln. Zudem treten sie häufig früh bei Erstmanifestation auf und sprechen insbesondere bei bradykininvermittelten Formen nicht auf Antihistaminika oder Kortikosteroide an.

Allergisches (histaminvermitteltes) vs. hereditäres Angioödem

Die Abgrenzung gelingt am Bett: Das histaminvermittelte Angioödem entsteht innerhalb von Minuten bis zwei Stunden und bildet sich meist binnen 24–48 h zurück, das hereditäre Angioödem schwillt dagegen über Stunden langsam an und hält 2–5 Tage.

KriteriumHistaminvermittelt (allergisch)Hereditäres Angioödem (HAE)
ZeitverlaufBeginn in Minuten bis 2 h, Rückbildung meist < 24–48 hlangsamer Aufbau über Stunden, Dauer 2–5 Tage
Quaddeln / Juckreizhäufig begleitende Urtikaria, juckendkeine Quaddeln, kein Juckreiz — eher Spannen und Schmerz
ProdromkeinesKribbeln, Spannungsgefühl, Erythema marginatum
LokalisationLippen, Lider, Zunge, LarynxGesicht, Extremitäten, Genitale, Larynx und die Darmwand
Abdomenselten betroffenkolikartige Bauchschmerzen mit Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö — als „akutes Abdomen" verkannt, nicht selten mit unnötiger Laparotomie
AuslöserAllergen, Nahrungsmittel, NSARTrauma und Druck (z. B. Zahnbehandlung), Infekt, Stress, Östrogene, ACE-Hemmer
Familienanamnesenegativpositiv, autosomal-dominant (etwa ein Viertel Neumutationen)
Erstmanifestationjedes Lebensaltermeist Kindheit/Jugend, Zunahme in der Pubertät
Antihistaminika, Steroide, Adrenalinwirksamunwirksam — der entscheidende Leitbefund

Merksatz für die Prüfung: Langsame Schwellung über Stunden + Bauchkoliken + positive Familienanamnese + kein Ansprechen auf Antihistaminika = HAE, bis das Gegenteil bewiesen ist.

Erworbene Angioödeme

Histaminvermittelt (Typ-I-Reaktion): Akuter Beginn, Dauer meist Stunden bis wenige Tage, selten Glottisbeteiligung. Therapie mit Antihistaminika und ggf. Kortikosteroiden.

Bradykininvermittelt (erworben mit C1-Inhibitor-Mangel): Oft durch Autoantikörper gegen den C1-Inhibitor bedingt.

Weitere Formen:

Angeborene Angioödeme (HAE)

Klassische Formen beruhen auf einem C1-Esterase-Inhibitor-Mangel oder Funktionsdefekt.

Typisch sind rezidivierende Ödeme, häufig auch mit Glottisbeteiligung, jedoch ohne Urtikaria.

Es existieren auch Formen ohne C1-Inhibitor-Mangel (z. B. Faktor-XII-assoziiert), die differenzierte Therapieansätze erfordern.

Prodromi — das Erythema marginatum

Einem Großteil der HAE-Attacken gehen Stunden vorher Prodromi voraus: Kribbeln oder Spannungsgefühl im betroffenen Areal, Abgeschlagenheit, Reizbarkeit — und bei bis zu der Hälfte der Patienten ein Erythema marginatum: ein nicht juckendes, serpiginöses bis girlandenförmiges Erythem mit blasserem Zentrum an Stamm und proximalen Extremitäten.

Diagnostik

Zentrale Diagnostik umfasst die Bestimmung von C4-Komplement sowie Menge und Funktion des C1-Inhibitors.

Der C1-Inhibitor reguliert u. a. das Kallikrein-Kinin-System und verhindert die überschießende Bradykininbildung.

Differenzialdiagnosen

Angioödem in der App üben

Karteikarten mit Spaced Repetition, Prüfungsfragen und Blickdiagnosen zu diesem Thema – in DermaFuchs, kostenlos.

In der DermaFuchs-App: 1 Karteikarten · 4 klinische Bilder

Im Browser starten   Im App Store laden

Mehr zu DermaFuchs →

Quellen (Auswahl)

  1. Zuberbier T, Aberer W, Asero R, et al. The EAACI/GA²LEN/EDF/WAO guideline for the definition, classification, diagnosis and management of urticaria. Allergy. 2018;73(7):1393-1414.
  2. Banerji A, Busse P, Christiansen SC, et al. Current state of hereditary angioedema management: a patient survey. Allergy Asthma Proc. 2015;36(3):213-217.
  3. Maurer M, Magerl M, Ansotegui I, et al. The international WAO/EAACI guideline for the management of hereditary angioedema-The 2017 revision and update. Allergy. 2018;73(8):1575-1596.
  4. Longhurst HJ, Bork K. Hereditary angioedema: an update on causes, manifestations and treatment. Br J Hosp Med (Lond). 2019;80(7):391-398.

Weitere Allergien und Ekzeme

Hinweis: Diese Seite dient der ärztlichen Aus- und Weiterbildung und ersetzt keine Diagnose oder Therapieentscheidung im Einzelfall. Therapie- und Nachsorgeinhalte findest du in der App.