Exsikkationsekzem (Winterekzem, Eczéma craquelé)

Synonyme
Winterekzem, Eczéma craquelé, Austrocknungsekzem, asteatotisches Ekzem, xerotisches Ekzem, Exsikkationsekzematid, Asteatotic eczema
Fachgebiet
Dermatologie · Allergien
Stand
10/2026 · Dr. Pascal Bafteh
Inhalt
  1. Definition
  2. Einteilung
  3. Vorkommen & Epidemiologie
  4. Ätiopathogenese
  5. Klinik
  6. Diagnostik
  7. Differenzialdiagnosen
  8. Therapie-Grundzüge
  9. Weiterlernen in der App
  10. Literatur (Auswahl)
  11. Querverweise

Definition

Das Exsikkationsekzem (asteatotisches Ekzem, Winterekzem) ist ein Ekzem, das sich auf dem Boden einer ausgeprägten Hauttrockenheit (Xerosis cutis) entwickelt. Kennzeichnend ist ein Netz feiner, geröteter Einrisse in trockener, schuppender Haut – das Bild erinnert an die gesprungene Glasur von Porzellan (französisch craquelé), an Mosaikpflaster („crazy paving“) oder an ein ausgetrocknetes Flussbett. Typisch betroffen sind die Unterschenkel älterer Menschen, mit Verschlechterung in der kalten, trockenen Jahreszeit.

Einteilung

  • Nach Ausprägung: Xerosis cutis (trockene Haut ohne Entzündung) → Exsikkationsekzem mit entzündeten Fissuren (Eczéma craquelé) → schwere Verläufe mit sekundärer Ekzematisierung, Schwellung und Bläschen, selten Streuung als disseminiertes Ekzem (Autosensibilisierung).
  • Nach Ursache: häufig umwelt- und altersbedingt (trockene Heizungsluft, häufiges Waschen, Hautalterung); seltener symptomatisch bei Grunderkrankungen oder durch Arzneimittel – dann oft untypisch ausgedehnt, rasch einsetzend oder ohne jahreszeitlichen Bezug.

Vorkommen & Epidemiologie

  • Das Exsikkationsekzem gehört zu den häufigsten Ekzemformen im höheren Lebensalter und tritt gehäuft im Winter auf.
  • Die zugrunde liegende Xerosis cutis ist bei älteren Menschen sehr verbreitet: In einer französischen Hausarztstudie hatten 55,6 % der Patientinnen und Patienten ab 65 Jahren eine Xerose; in der populationsbasierten Rotterdam-Studie (mittleres und höheres Lebensalter) fand sich bei 60 % trockene Haut, bei einem Fünftel davon generalisiert. Diese Zahlen beschreiben die trockene Haut, nicht das Ekzem selbst.
  • Mit trockener Haut assoziiert waren u. a. höheres Alter, weibliches Geschlecht, niedrige Außentemperatur, Body-Mass-Index, Rauchen, eine Ekzemanamnese bzw. atopische Dermatitis sowie bestimmte Arzneimittel (z. B. Diuretika).

Ätiopathogenese

  • Barrierestörung: Mit dem Alter nehmen die Lipide der Hornschicht und die Talgproduktion ab; die Hornschicht verliert Wasser und Geschmeidigkeit, wird spröde und reißt ein. In den Rissen entsteht eine Entzündung – daher die geröteten „Fugen“ zwischen den trockenen Feldern.
  • Äußere Faktoren: niedrige Luftfeuchtigkeit (Winter, Heizungsluft, Gebläse, Höhenlage), häufiges und heißes Baden oder Duschen, Seifen und Detergenzien, Reibung.
  • Innere Faktoren und Begleiterkrankungen: Ichthyosen (angeboren oder erworben), Hypothyreose (Myxödem), Mangelernährung (u. a. Zink- und Fettsäuremangel), starker Gewichtsverlust, Ödemzustände (z. B. nephrotisches Syndrom), verminderte Hautsensibilität; selten paraneoplastisch, vor allem bei Lymphomen (auch Hodgkin-Lymphom im höheren Alter).
  • Arzneimittel: u. a. Diuretika, Retinoide, Proteinkinase-Inhibitoren und einzelne Zytostatika (z. B. Taxane).

Klinik

  • Trockene, fein schuppende Haut mit einem Netz flacher, geröteter Einrisse; dazwischen polygonale bis rautenförmige Hautfelder – das typische „Craquelé“-Muster.
  • Prädilektion: Unterschenkelstreckseiten (Schienbeinregion), oft beidseits, beginnend auf einer Seite; außerdem Streckseiten der Arme, Flanken und Stamm, Hände.
  • Juckreiz und Brennen, Kratzspuren; tiefe Fissuren können bluten und schmerzen (hämorrhagische Fissuren).
  • Komplikationen: bakterielle Superinfektion, sekundäre Ekzematisierung mit Rötung, Schwellung und Bläschen, selten disseminierte Streuung.
  • Verlauf: Verschlechterung im Winter, Besserung in feuchteren Monaten; ohne konsequente Rückfettung häufig Rezidive.
  • Dermatoskopie (ergänzend): weiße Schuppen mit doppeltem freiem Rand in linearer Anordnung, die an Eisenbahnschienen erinnern.

Diagnostik

  • Klinische Diagnose anhand des typischen Bildes und der Lokalisation; bei der Mehrzahl der Patientinnen und Patienten sind keine weiteren Untersuchungen nötig.
  • Anamnese: Bade- und Duschgewohnheiten, Reinigungs- und Pflegeprodukte, Raumklima, Medikamentenliste (z. B. Diuretika), Gewichtsverlauf und Allgemeinsymptome.
  • Gezielte Abklärung: Schilddrüsenwerte bei klinischen Hinweisen auf eine Hypothyreose; bei rasch neu aufgetretenem, ausgedehntem oder hartnäckigem Verlauf – besonders mit ausgeprägter Schuppung (erworbene Ichthyose), Gewichtsverlust, Fieber oder Nachtschweiß – Suche nach einer inneren Ursache einschließlich Lymphom.
  • Bei untypischem Verlauf oder fehlendem Ansprechen: Pilznachweis (Tinea), Epikutantest (Kontaktallergie auf Externa), Biopsie zur Abgrenzung z. B. von Mycosis fungoides oder einem prämonitorischen bullösen Pemphigoid. Histologisch zeigt sich ein unspezifisches Bild einer spongiotischen Dermatitis.

Differenzialdiagnosen

Therapie-Grundzüge

  • Grundlage ist eine konsequente rückfettende Basispflege und das Verringern austrocknender Einflüsse (Häufigkeit, Dauer und Temperatur von Bädern und Duschen, milde seifenfreie Reinigung, Raumklima).
  • Entzündete Areale werden kurzzeitig mit topischen Glukokortikoiden behandelt; bei Superinfektion kommen antiseptische Maßnahmen hinzu.
  • Bei symptomatischen Formen stehen die Behandlung der Grunderkrankung bzw. die Überprüfung auslösender Arzneimittel im Vordergrund; da Rückfälle häufig sind, wird die Basispflege dauerhaft fortgeführt.

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Literatur (Auswahl)

  1. Srivastava D, Sathe NC, Persaud Y. Asteatotic Eczema. StatPearls, Stand 01/2026 (PMID 31747214)
  2. Harries L et al. Ekzemerkrankungen und deren Therapie im Alter. Dermatologie (Heidelb) 2023;74:678–686 (PMID 37638989)
  3. Paul C et al. Prevalence and risk factors for xerosis in the elderly: a cross-sectional epidemiological study in primary care. Dermatology 2011;223:260–265 (PMID 22104182)
  4. Mekić S et al. Prevalence and determinants for xerosis cutis in the middle-aged and elderly population: A cross-sectional study. J Am Acad Dermatol 2019;81:963–969 (PMID 30586613)
  5. Park JS et al. Acquired ichthyosis, asteatotic dermatitis or xerosis? An update on pathoetiology and drug-induced associations. J Eur Acad Dermatol Venereol 2023;37:47–56 (PMID 36165597)
  6. Le Clainche Compagnie A et al. Asteatotic eczema, a cutaneous manifestation of Hodgkin lymphoma in older patients. EJHaem 2024;5:883–884 (PMID 39157615)
  7. Patrizi A et al. Eczema craquelé, an uncommon clinical manifestation of myxedema. J Dtsch Dermatol Ges 2015;13:453–454 (PMID 25918092)
  8. Cassler NM et al. Asteatotic eczema in hypoesthetic skin: a case series. JAMA Dermatol 2014;150:1088–1090 (PMID 25029204)
  9. DermNet: Asteatotic eczema

Querverweise

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