Pflegeplanung nach dem PESR-Schema mit Beispielen
Pflegeplanungen gehören zu den Aufgaben, die in der Ausbildung am häufigsten geübt und im Examen geprüft werden. Das PESR-Schema gibt dir ein Gerüst: Erst beschreibst du das Problem, dann seine Ursachen, woran man es erkennt und was die Person selbst mitbringt. Daraus leiten sich Ziele und Maßnahmen fast von selbst ab. Dieser Ratgeber erklärt jeden Baustein und zeigt vier vollständige Beispiele.
Wo die Pflegeplanung im Pflegeprozess steht
Die Pflegeplanung ist der Teil des Pflegeprozesses, in dem aus den gesammelten Informationen ein Plan wird. Im deutschsprachigen Unterricht ist das Sechs-Phasen-Modell nach Fiechter und Meier verbreitet:
- Informationen sammeln (Pflegeanamnese, Beobachtung, Assessments)
- Pflegeprobleme und Ressourcen erkennen
- Pflegeziele festlegen
- Pflegemaßnahmen planen
- Pflegemaßnahmen durchführen
- Wirkung der Pflege beurteilen (Evaluation) – danach beginnt der Kreis von vorn
Daneben gibt es das vierstufige Modell der WHO (Einschätzen, Planen, Durchführen, Evaluieren). Auch das Strukturmodell zur entbürokratisierten Pflegedokumentation in der Langzeitpflege arbeitet mit einem vier- statt sechsstufigen Pflegeprozess (EinSTEP). Das PESR-Schema gehört in die Schritte 2 bis 4: Es hilft, ein Pflegeproblem so aufzuschreiben, dass Ziele und Maßnahmen logisch daraus folgen.
Rechtlich ist die Planung kein Formular für die Ablage: Die Erhebung und Feststellung des individuellen Pflegebedarfs und die Planung der Pflege sind nach § 4 Pflegeberufegesetz Pflegefachpersonen vorbehalten – ebenso die Steuerung des Pflegeprozesses und die Evaluation der Pflegequalität. Im praktischen Teil des Examens ist die vorab erstellte Ausarbeitung des Pflegeplans fester Bestandteil (Vorbereitungsteil, § 16 Abs. 5 PflAPrV).
Das PESR-Schema: vier Bausteine
| Baustein | Frage dahinter | Beispiel |
|---|---|---|
| P – Problem (Pflegediagnose) | Was ist das pflegerische Problem – oder welches Risiko besteht? | Gefahr eines Sturzes |
| E – Einflussfaktoren (Ätiologie) | Wodurch entsteht das Problem, was verstärkt es? | Gangunsicherheit, nächtlicher Harndrang, fremde Umgebung |
| S – Symptome (Merkmale, Kennzeichen) | Woran ist das Problem zu erkennen? | zwei Stürze im letzten halben Jahr, unsicheres Gehen mit dem Rollator |
| R – Ressourcen | Was kann die Person selbst, was hilft ihr? | nutzt den Rollator, kann die Klingel bedienen, ist motiviert |
Das PES-Format wird auf die US-amerikanische Pflegewissenschaftlerin Marjory Gordon zurückgeführt und ist international verbreitet; manche Lehrbücher schreiben PÄS (Ä für Ätiologie). Das R für Ressourcen ist eine Ergänzung aus dem deutschsprachigen Raum, wie sie etwa Klassifikationen wie ENP oder POP verwenden (DocCheck Flexikon). Ressourcen sind wichtig, weil Pflege nach § 5 PflBG die Selbstständigkeit der Menschen unterstützen soll – wer Ressourcen kennt, plant Hilfe zur Selbsthilfe statt Übernahme.
Drei häufige Arten von Pflegediagnosen
- Aktuelle Pflegediagnose: Das Problem besteht bereits und ist an Symptomen erkennbar (vollständiges PES bzw. PESR).
- Risiko-Pflegediagnose: Das Problem ist noch nicht eingetreten, die Person ist aber gefährdet. Hier gibt es keine Symptome – an die Stelle von S treten Risikofaktoren und die Ergebnisse eines Assessments, etwa ein Wert der Norton-Skala.
- Gesundheitsförderliche Pflegediagnose: Die Person möchte etwas verbessern, zum Beispiel selbstständiger werden oder mehr über ihre Erkrankung wissen.
So formulierst du ein Pflegeproblem
- Pflegerisch, nicht medizinisch: „Schmerzen beim Gehen beeinträchtigen die Mobilität“ ist ein Pflegeproblem; „Coxarthrose“ ist eine ärztliche Diagnose und gehört allenfalls zu E.
- Individuell: Nicht „Patient ist immobil“, sondern was genau nicht geht – und warum.
- Aus Sicht der Person: Beschreibe, was sie erlebt und was ihr fehlt, nicht, was das Team stört („Patientin klingelt ständig“ ist kein Pflegeproblem).
- Belegt: Jede Aussage bei E und S sollte sich auf Anamnese, Beobachtung oder ein Assessment stützen.
Pflegeziele: messbar und aus Sicht der Person
Ein Pflegeziel beschreibt einen Zustand oder ein Verhalten der Person, das erreicht werden soll – nicht die Tätigkeit der Pflegenden. Verbreitet ist die Merkhilfe SMART: spezifisch, messbar, akzeptiert (mit der Person abgestimmt), realistisch und terminiert.
- Nicht: „Mobilisation dreimal täglich“ – das ist eine Maßnahme.
- Sondern: „Frau K. geht bis zum 30.10. mit dem Rollator und einer Begleitperson bis zur Toilette.“
- Fernziele beschreiben den gewünschten Endzustand, Nahziele die Etappen dorthin.
- Bei Risiko-Pflegediagnosen lautet das Ziel oft, dass das Problem nicht eintritt: „Die Haut am Kreuzbein bleibt intakt.“
Pflegemaßnahmen: wer, was, wann, wie oft, wie
Maßnahmen leiten sich aus den Einflussfaktoren ab und nutzen die Ressourcen. Sie sind so konkret, dass jede Kollegin und jeder Kollege sie ohne Rückfrage umsetzen kann. Ärztlich angeordnete Maßnahmen werden übernommen und dokumentiert, aber nicht von der Pflege selbst festgelegt. Für viele Risiken geben die Expertenstandards des DNQP den fachlichen Rahmen vor, zum Beispiel zur Dekubitus- und Sturzprophylaxe, zum Schmerzmanagement, zur Kontinenzförderung oder zum Ernährungsmanagement.
Beispiele nach dem PESR-Schema
Die folgenden Beispiele sind selbst formulierte Lernbeispiele. Sie zeigen den Aufbau und enthalten nur pflegerische Maßnahmen; Arzneimittel, Dosierungen und ärztliche Anordnungen sind bewusst ausgespart. In der Praxis richtet sich jede Planung nach der einzelnen Person, den Expertenstandards und den Vorgaben der Einrichtung.
Beispiel 1: Dekubitusgefahr nach Hüftoperation
| P – Pflegeproblem | Gefahr eines Dekubitus am Kreuzbein und an den Fersen |
|---|---|
| E – Einflussfaktoren | stark eingeschränkte Eigenbewegung im Bett seit der Operation, Schmerzen bei Lagewechsel, verminderte Trinkmenge |
| S – Symptome/Merkmale | Risiko-Pflegediagnose: noch kein Hautschaden; Norton-Skala 12 Punkte; Rötung am Kreuzbein ist wegdrückbar |
| R – Ressourcen | versteht Erklärungen, kann sich mit dem rechten Bein abstützen und mit Anleitung am Bettbügel anheben, möchte bald wieder aufstehen |
| Pflegeziele |
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| Pflegemaßnahmen |
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Beispiel 2: Sturzgefahr bei nächtlichem Harndrang
| P – Pflegeproblem | Gefahr eines Sturzes, vor allem nachts auf dem Weg zur Toilette |
|---|---|
| E – Einflussfaktoren | Gangunsicherheit, zwei- bis dreimal nächtlicher Harndrang, ungewohnte Umgebung, eingeschränktes Sehen ohne Brille |
| S – Symptome/Merkmale | Risiko-Pflegediagnose; laut Tochter zwei Stürze im letzten halben Jahr; geht mit dem Rollator unsicher und schnell |
| R – Ressourcen | nutzt zu Hause einen Rollator, kann die Klingel bedienen, ist orientiert und möchte selbstständig zur Toilette gehen |
| Pflegeziele |
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| Pflegemaßnahmen |
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Beispiel 3: Selbstversorgung bei der Körperpflege nach Schlaganfall
| P – Pflegeproblem | Kann den Oberkörper nicht selbstständig waschen und ankleiden |
|---|---|
| E – Einflussfaktoren | Halbseitenlähmung rechts, rasche Ermüdung, Unsicherheit beim Sitzen ohne Lehne |
| S – Symptome/Merkmale | braucht beim Waschen von Rücken, linkem Arm und beim Anziehen des Hemdes Hilfe; wirkt danach erschöpft |
| R – Ressourcen | linke Hand voll einsetzbar, versteht Anleitungen, möchte wieder selbst zurechtkommen, Ehefrau möchte mithelfen |
| Pflegeziele |
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| Pflegemaßnahmen |
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Beispiel 4: Beginnende Mangelernährung im Pflegeheim
| P – Pflegeproblem | Beginnende Mangelernährung mit ungewolltem Gewichtsverlust |
|---|---|
| E – Einflussfaktoren | wenig Appetit, isst allein im Zimmer, schlecht sitzende Zahnprothese |
| S – Symptome/Merkmale | Gewichtsverlust von 4 kg in drei Monaten (Wiegeprotokoll), isst etwa die Hälfte der Hauptmahlzeiten |
| R – Ressourcen | isst gern Milchspeisen und Obst, isst in Gesellschaft mehr, kann Besteck selbst benutzen |
| Pflegeziele |
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| Pflegemaßnahmen |
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Für die Einschätzung von Ernährung und Gewicht gibt es eigene Screening-Instrumente; welche verwendet werden, legt die Einrichtung fest.
Evaluation: hat es gewirkt?
Jedes Ziel braucht einen Termin, an dem überprüft wird, ob es erreicht ist. Ist es erreicht, wird die Planung angepasst oder beendet. Ist es nicht erreicht, geht die Frage zurück an den Anfang: Stimmen die Einflussfaktoren? War das Ziel realistisch? Wurden die Maßnahmen so umgesetzt wie geplant? Dokumentiert wird zeitnah, und Änderungen müssen erkennbar bleiben – im Krankenhaus nach § 630f BGB, in der Langzeitpflege nach den Vorgaben des SGB XI.
Typische Fehler in der Pflegeplanung
- Medizinische Diagnose als Pflegeproblem: „Diabetes mellitus“ beschreibt nicht, was die Person im Alltag einschränkt.
- Ziel = Maßnahme: „Lagerung alle zwei Stunden“ ist kein Ziel.
- Ressourcen vergessen: Ohne R wird Hilfe schnell zur Übernahme.
- Unmessbare Ziele: „Patientin fühlt sich wohl“ lässt sich nicht evaluieren – woran würde man es erkennen?
- Standardtext ohne Bezug: Kopierte Pläne ohne individuelle Einflussfaktoren helfen niemandem.
- Keine Evaluation: Ein Plan ohne Überprüfungstermin veraltet unbemerkt.
Grundlagenwissen für das Examen festigen: mit den kostenlosen Pflegeexamen-Prüfungsfragen (Übungsfragen, keine Original-Prüfungsfragen). Wie du die Informationen für die Planung sammelst, erklärt der Ratgeber Pflegeanamnese: Aufbau und Beispielfragen.
PflegeFuchs: Pflegeprozess bis zum Examen üben
In PflegeFuchs lernst du mit Karteikarten von Anatomie bis Recht, Ethik und Dokumentation, mit Fallfragen und Blickdiagnosen aus dem Pflegealltag – kostenlos.
Im Browser starten Im App Store ladenHäufige Fragen
Wofür steht PESR?
Für Problem (Pflegediagnose), Einflussfaktoren (Ursachen, auch Ätiologie), Symptome (Merkmale, Kennzeichen) und Ressourcen. PES ist das international verbreitete Format, das R ist eine Ergänzung aus dem deutschsprachigen Raum.
Was ist der Unterschied zwischen PES und PESR?
PESR ergänzt das PES-Format um die Ressourcen der Person – also das, was sie selbst kann oder was ihr hilft. Darauf bauen Ziele und Maßnahmen auf, die die Selbstständigkeit fördern.
Was schreibt man bei einer Risiko-Pflegediagnose unter S?
Bei einem Risiko gibt es noch keine Symptome. Statt S werden die Risikofaktoren und das Ergebnis einer Einschätzung angegeben, zum Beispiel ein Wert der Norton-Skala oder frühere Stürze.
Wie formuliert man ein Pflegeziel richtig?
Aus Sicht der Person, positiv, messbar, realistisch und mit Termin – etwa „Frau K. geht bis zum 30.10. mit Rollator und Begleitung bis zur Toilette“. Eine Tätigkeit der Pflegenden ist kein Ziel, sondern eine Maßnahme.
Wer darf eine Pflegeplanung erstellen?
Die Erhebung des Pflegebedarfs und die Planung der Pflege sind nach § 4 Pflegeberufegesetz Pflegefachpersonen mit Erlaubnis nach § 1 PflBG vorbehalten. Andere Mitarbeitende können beobachten und zuarbeiten.
Quellen
- Pflegeberufegesetz (PflBG), § 4 Vorbehaltene Aufgaben, Pflegeprozessverantwortung – gesetze-im-internet.de
- Pflegeberufegesetz (PflBG), § 5 Ausbildungsziel – gesetze-im-internet.de
- Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für die Pflegeberufe (PflAPrV), § 16 Praktischer Teil der Prüfung – gesetze-im-internet.de
- PflAPrV, Anlage 2: Kompetenzen für die staatliche Prüfung (u. a. I.1 Pflegeprozessplanung, Assessmentverfahren, pflegediagnostische Begriffe) – gesetze-im-internet.de
- Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), § 630f Dokumentation der Behandlung – gesetze-im-internet.de
- Gordon M: Nursing diagnoses and the diagnostic process. Am J Nurs 1976;76(8). PMID 1047964
- DocCheck Flexikon: PES-Schema (mit Hinweis auf PÄSR in ENP und POP)
- Fiechter V, Meier M: Pflegeplanung. Eine Anleitung für die Praxis. Basel: Recom 1981 (Sechs-Phasen-Modell des Pflegeprozesses)
- EinSTEP – Einführung des Strukturmodells zur Entbürokratisierung der Pflegedokumentation: Häufige Fragen (vierstufiger Pflegeprozess, SIS)
- Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP): Expertenstandards und Auditinstrumente
Hinweis: Dieser Ratgeber erklärt den Aufbau einer Pflegeplanung zum Lernen. Die Beispiele sind selbst formuliert, enthalten nur pflegerische Maßnahmen und keine Arzneimittel, Dosierungen oder ärztlichen Behandlungsempfehlungen. Maßgeblich sind die Situation der einzelnen Person, die DNQP-Expertenstandards und die Vorgaben deiner Einrichtung und Pflegeschule (Stand: 23.10.2026).